WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Hadern beim Sparpaket für Handel gefährlich - von Thomas Pressberger

Unsicherheit ist das Gefährlichste für das Konsumklima

Wien (OTS) - Die Krise ist nun endgültig auch im Einzelhandel angekommen. Handelsriesen wie Carrefour mussten im vergangenen Quartal spürbare Umsatzrückgänge hinnehmen, als Grund dafür wird die Schuldenkrise genannt. Österreich kann sich noch immer als eine der letzten Inseln der Seligen bezeichnen, die Frage ist nur: Wie lange noch? Das Weihnachtsgeschäft ist fast nach Wunsch verlaufen, das Gesamtjahr 2011 brachte ebenfalls einen ordentlichen Zuwachs. Laut Branchenkennern befindet sich der heimische Handel jedoch derzeit in einer der "kritischsten Lagen seit Ausbruch der Krise in Europa im Jahr 2008". Den Ernst der Lage macht laut Experten die viel zitierte Verunsicherung aus - in Österreich weniger wegen der europäischen Schulden- und Eurokrise, sondern wegen des anstehenden Sparpakets. Dieses hat zwar sehr wohl mit der gesamtwirtschaftlichen Lage in Europa zu tun, in den Köpfen der Menschen jedoch nicht - sonst hätten sie auch 2011 nicht auf Teufel komm raus eingekauft beziehungsweise würden sie sich jetzt nicht einbremsen.

Das Sparpaket ist bisher noch eine leere Hülle. Die Regierungsparteien wollen nur zögerlich festlegen, was hineinkommt und wann es geschnürt werden soll. Und genau das ist das Schlimmste für das Konsumklima: Die Unsicherheit vor dem Kommenden. Die Situation wäre für den Handel viel besser, wenn die Konsumenten wüssten, was auf sie zukommt, denn dann könnten sie auch ihre Einkaufsbudgets besser planen. Solange das nicht der Fall ist, herrscht Zurückhaltung. Je länger die Regierungsparteien hadern, umso gefährlicher wird die Lage im Handel und umso realistischer wird auch in Österreich das Szenario von langen Gesichtern enttäuschter Kaufleute wegen zurückgehender Umsätze. Wenn es Einschnitte gibt, die den Handel betreffen werden, dann müssen diese möglichst rasch und klar auf den Tisch. Dann sollte auch einem Aufwärtstrend oder einer Stabilisierung nichts im Weg stehen.

Was dem Handel gar nicht gefällt, ist die Anhebung oder Einführung von Massensteuern; kurz alles, was zur Verringerung der Kaufkraft führt. Das sind vor allem eine höhere Einkommens- und Umsatzsteuer sowie höhere Abgaben und Gebühren. Laut Umfragen sind die Österreicher aber gar nicht faul, wenn es darum geht, sich bei den Sparmaßnahmen zu beteiligen. Doch müssen diese vernünftig und angemessen sein. Der Auftrag an die Politik ist also klar: Besser rasch handeln als gar nicht. Und wenn noch ein Sonderwunsch drinnen ist, dann bitte mit ein wenig Augenmaß.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001