Auer: "Mehr Landwirtschaft um weniger Geld ist ein Widerspruch"

Greening bei Agrarreform eindämmen - Versorgung für Österreich sichern

Berlin/Wien (OTS) - "Europa steckt in einer Banken- und Schuldenkrise. Jede Krise bringt vor allem einen klaren Produktionsauftrag für die Landwirtschaft mit sich. Die Versorgung mit regional produzierten Lebensmitteln muss sichergestellt sein. Regional und nicht industriell - lautet die Devise. Dieser Verantwortung können die bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich nur nachkommen, wenn die nächste EU-Agrarreform die Weichen richtig stellt. Weltweit verdoppelt sich bis 2050 der Bedarf an Nahrungsmitteln. Das Bevölkerungswachstum schafft Realitäten, die es umso wichtiger und notwendiger machen, diesem Versorgungsauftrag langfristig nachzukommen." Mit diesen Worten sprach sich Bauernbund-Präsident Jakob Auer heute auf der "Grünen Woche" in Berlin deutlich für den Erhalt einer flächendeckenden, bäuerlichen Landwirtschaft aus.

Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft stärken

Damit gibt es drei Hauptziele, die von der Agrarreform aus Sicht der österreichischen Landwirtschaft eingelöst werden müssen: "Erstens die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, die Stärkung der Investitionskraft und eine neue offensive Zusammenarbeit zwischen Bauern, Verbänden und Genossenschaften", forderte Auer in Berlin. "Global brauchen wir laufend mehr Landwirtschaft, die Welt verlangt nach mehr Produktion, nach mehr Lebensmitteln, nach Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Aber mehr Landwirtschaft um weniger Geld kann es nicht geben. Beim derzeit herrschenden Preisniveau ist das ein völliger Widerspruch", stellte Auer klar, dass die Gelder für die bäuerliche Produktion gesichert werden müssen.

Kritisch sieht der Bauernbund-Präsident in diesem Zusammenhang die EU-Konzepte zur Flächenstilllegung. Die Vorzeichen seien völlig klar. "Wir brauchen eine produzierende und keine stillgelegte Landwirtschaft. Österreich ist dank seines vorbildlichen ÖPUL-Umweltprogramms, für das wir jahrelang von Brüssel gelobt wurden, grüner als es andere Mitgliedstaaten es je sein können", erinnerte Auer an die naturnahe Produktion. Gerade in Österreich, wo die Landwirtschaft kleinstrukturiert und die Biodiversität hoch sei, würden derartige Greening-Maßnahmen keinen Sinn machen. "Der Hunger nach Energie- und Eiweißpflanzen steigt an, hier sehe ich eine Produktionsnische, die wiederum zur Ökologisierung beiträgt", sagte Auer. Gut abgestimmt mit Verbündeten in Frankreich, Deutschland und den Vertretern im EU-Parlament werde man sich gegen überzogenes "Greening" in den Verhandlungen mit Brüssel zur Wehr setzen.

Agrargelder mit hoher Umwegrentabilität

"Wenn die Säule 'Ländliche Entwicklung' in der EU-Agrarpolitik zur Gänze wegfiele, dann würde die Wertschöpfung der österreichischen Volkswirtschaft um EUR 1,4 Mrd. schrumpfen und 23.000 Jobs gingen verloren. Die landwirtschaftliche Wertschöpfung sinkt dann um 13%, das entspricht einem Gegenwert von EUR 2,7 Mrd. Allein die Bio-Anbaufläche ginge um 25% zurück, der landwirtschaftliche Umsatz fiele um 15%", zitierte Auer Studien des WIFO, um die hohe Umwegrentabilität der EU-Mittel für die Landwirtschaft zu verdeutlichen.

Nachvollziehbare EU-Herkunftskennzeichnung

Bei wachsenden Produktionsanforderungen sieht Auer aber auch die Aufrechterhaltung von Qualitätsstandards bei den Lebensmitteln als sein zentrales Anliegen, er strich dabei den Zusammenhang zwischen Herkunft und Qualität hervor. "Wo Österreich draufsteht, muss Österreich drinnen sein - auch bei verarbeiteten Erzeugnissen. Der Konsument will lückenlos informiert werden. Zweifelhafte und irreführende Produktaufschriften und Herkunftsangaben gehören unterbunden. Österreichische Lebensmittel können nicht importiert werden - sie können nur im Inland produziert werden", hielt der Bauernbund-Präsident vor Medienvertretern in Berlin fest.
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