Einladung zur Pressekonferenz: Präoperative Diagnostik nach Bundesqualitätsleitlinie (BQLL)

Ein neuer Diagnostikpfad zum Sicherheitsgewinn für PatientInnen und ÄrztInnen

Wien (OTS) - Viele PatientInnen haben es selbst erlebt: Vor Operationen werden Routineuntersuchungen von Blutlabor über Lungenröntgen bis zu EKG angefertigt. Leider werden zu oft zu viele Befunde unstrukturiert und vor allem doppelt durchgeführt. Das wiederholt sich in Österreich bis zu 800.000 mal pro Jahr: Die PatientInnen werden vom Radiologen zum Internisten, vom Hausarzt zum Lungenfacharzt im Kreis geschickt und müssen unnötige Untersuchungen über sich ergehen lassen. Negativer Nebeneffekt: fraglicher Nutzen für den Einzelnen und unnötige Kosten für das Gesundheitssystem.

Für Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle Kozek-Langenecker MBA, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) geht der eigentliche Sinn der präoperativen Befundung oft verloren, denn "es geht um das Erkennen von Patienten-spezifischen Risiken und darum, diese erkannten Risiken während der Operation zu vermeiden. Die 0815-Untersuchungen sind nicht immer dazu geeignet und wir wiegen uns mit dieser Gewohnheit der präoperativen Routinen zu oft in falscher Sicherheit", so Kozek-Langenecker.

Daher braucht es einen neuen Pfad an geeigneter präoperativer Diagnostik: Die Bundesqualitätsleitlinie. Dieser medizinische Diagnostikpfad wurde von verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften unter der Moderation der ÖGARI entwickelt. "Im Unterschied zur herkömmlichen Diagnostik werden maßgeschneidert anhand der Begleiterkrankungen und Symptome der PatientInnen nicht nur statische Momentaufnahmen zur Risikobeurteilung herangezogen, sondern insbesondere die Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit" erklärt Kozek-Langenecker. Das bringt mehr Sicherheit für die PatientInnen.

Univ. Prof. Dr. Andreas Sönnichsen von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität PMU hat die diesbezüglichen wissenschaftlichen Publikationen evaluiert: "Die einzelnen Empfehlungen in der Quellleitlinie basieren auf Erkenntnissen aus der besten aktuell verfügbaren Forschung, aus den ärztlichen Erfahrungen und aus internationalen Empfehlungen", so Sönnichsen. Diese Methodik wird international von der Fachwelt als höchstes Qualitätskriterium anerkannt - dennoch gibt es Stimmen in der Österreichischen Ärztekammer, die gerade dieses transparente und ganzheitliche Verfahren kritisieren, weil sie eine Einengung der ärztlichen Entscheidungsfreiheit und Rationierung von Kassenleistungen befürchten. "Wir schaffen Behandlungssicherheit für jene ÄrztInnen, die in der Ordination oder im Spital ihre PatientInnen für Operationen vorbereiten", ergänztSönnichsen. "Ein dafür entwickeltes Computerprogramm PROP zeigtÄrztInnen die empfohlenen Untersuchungen an." Dieses Programm soll den ÄrztInnen vom Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellt werden.

Der neue Diagnostikpfad wurde bereits im Rahmen des "Reformpoolprojektes präoperative Befunde" im Bundesland Salzburg mit äußerst positiven Erfahrungen in die Praxis umgesetzt: "Das Projekt läuft nunmehr seit dem Jahr 2008 und es wurden insgesamt fast 50.000 PatientInnen nach den vorgegebenen Kriterien erfolgreich präoperativ abgeklärt und auch die Patientenzufriedenheit war sehr hoch", berichtet der Projektleiter OA Dr. Gerhard Fritsch, von der Universitätsklinik für Anästhesie in Salzburg. In Salzburg wurde durch den Wegfall von Doppelbefunden und überflüssigen Untersuchungen eine enorme Kosteneinsparung nachgewiesen. "Qualitätssteigerung plus Kostenreduktion: ein besseres Ergebnis gibt es wohl nicht" meint Dr. Fritsch.

Für den Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger ist es wichtig, dass die Qualität der Diagnostik durch diese Leitlinie angehoben werden kann und die Patientensicherheit durch die Einbeziehung von aktuellen Wissen, das in die Leitlinie eingeflossen ist,steigt. "Wenn unangenehme, belastende und unnötige Untersuchungen vermieden werden können und die Operation besser planbar wird, dann steigert das auch den Patientenkomfort. Die finanziellen Ressourcen werden daher dort eingesetzt, wo es für die PatientInnen den größten Nutzen gibt und Verschwendung vermieden wird" so Bachinger.

In der Diskussion um die Einführung der nationalen Qualitätsleitlinie werden im Rahmen der Pressekonferenz Hintergründe und Fragen erörtert, um den präoperativen Diagnostikpfad bundesweit bekannt zu machen und die Operationen durch strukturierte Vorbereitungen weiter zu verbessern.

Pressekonferenz: Präoperative Diagnostik nach
Bundesqualitätsleitlinie BQLL)


Ihre Gesprächspartner:

- Prim. Univ.-Doz. Dr. Sibylle Kozek-Langenecker MBA, Präsidentin
Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und
Intensivmedizin (ÖGARI), Mitglied der Konsensusgruppe der BQLL
Präoperative Diagnostik

- OA Dr. Gerhard Fritsch, Universitätsklinik für Anästhesie,
perioperative Medizin und allgemeine Intensivmedizin Paracelsus
Medizinischen Privatuniversität Salzburg, Leiter der ÖGARI
Arbeitsgruppe "präoperatives Patientenmanagement"

- Univ.-Prof. Dr. Andreas Sönnichsen, Vorstand des Instituts für
Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin der Paracelsus
Medizinischen Privatuniversität Salzburg

- Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs

Datum: 24.1.2012, um 10:00 Uhr

Ort:
Presseclub Concordia im Medienzentrum des Parlaments
(Eingang unter der Parlamentsrampe)
Doktor-Karl-Renner-Ring 3, 1010 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Frau Andrea Granegger-Körner
+ 43/1/409 62 00, office@oegari.at

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