• 19.01.2012, 10:16:53
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Coface Länderrisiko-Bewertung: Europäische Unternehmen Opfer der systemischen Krise

Neue Abstufungen, weil Unternehmensstabilität durch systemischen Charakter der Krise und durch politische Risiken in den Schwellenländern beeinträchtigt ist

Wien (OTS) - Anlässlich der 16. Country Risk Conference warnt
Coface vor der systemischen Natur der derzeitigen Krise, die von der
Eurozone als Epizentrum ausgeht. 2012 wird die europäische Wirtschaft
daher eine Rezession von -0,1% verzeichnen, während sich das Wachstum
in den USA bei +1,6% und die Erholung des Marktes in Japan bei +1,8%
stabilisieren werden. Dies sollte dazu beitragen, dass es nicht zu
einer Wiederholung der Krise von 2008-2009 kommt, in der alle drei
entwickelten Wirtschaftsräume eine synchronisierte Rezession
erlebten. Im Großen und Ganzen wird das Wachstum in den
Industriestaaten 2012 bei 1,1% liegen. Bei den Schwellenländern wird
sich das Wachstum wohl weiterhin auf 5,1% belaufen. Europäische
Schwellenländer werden durch Kredite sowohl bei inländischen als auch
bei ausländischen Banken von der Intensivierung der Euro-Krise am
stärksten betroffen sein. Darüber hinaus muss auch das politische
Risiko in Schwellenländern berücksichtigt werden.

Europäische Unternehmen: Opfer der neuen weltweiten systemischen
Krise

Von der zweiten Jahreshälfte 2009 bis zur ersten Hälfte 2011 gab
es eine kurze Erholungsphase für die Weltwirtschaft. Die Lage auf dem
Weltmarkt hat sich seit Sommer 2011 mit der Intensivierung der
Euro-Krise wieder verschlechtert. Coface bemerkte in der zweiten
Hälfte 2011 eine klare Zäsur im Zahlungsverhalten der Unternehmen,
wobei es einen starken Anstieg von Nichtzahlungen gab. Für das
gesamte Jahr 2011 verzeichnete Coface weltweit einen 19-prozentigen
Anstieg bei Zahlungsausfällen, wobei es bei Unternehmen in der
Euro-Zone eine besonders deutliche Steigerung (28%) gab.

Die Verschlechterung der durchschnittlichen Unternehmensstabilität
zeigt, dass die Krise eine neue Richtung einschlägt und global ein
systemisches Niveau erreicht, während Italien auf eine Rezession
zusteuert. Die Situation scheint sich von dem Schock 2008 zu
unterscheiden: Zum einen, da es diesmal eine kritische Masse gibt,
zum anderen, weil eine größere finanzielle Abhängigkeit zwischen den
einzelnen Akteuren besteht und Banken sowohl innerhalb als auch
außerhalb der EU in Schuldtitel europäischer staatlicher Kreditnehmer
investiert haben.

"Ohne eine schnelle institutionelle Reaktion auf die Krise haben
die negativen Prognosen auf den Finanzmärkten zu einem starken
Misstrauen der realwirtschaftlichen Akteure geführt. Es werden jedoch
die Unternehmen sein, die die Auswirkungen dieser Krise zu spüren
bekommen werden, obwohl ihr Management so gut ist wie noch nie zuvor.
2012 könnte die Kombination eines bedeutend schwächeren Wachstums in
Europa mit dem Rückgang der verfügbaren Kreditfazilitäten bedeutende
Auswirkungen auf das Kreditrisiko der Unternehmen haben", betont
Francois David, Präsident von Coface.

Angesichts der aktuellen Situation setzt Coface die Bewertung von
Italien und Spanien um eine Stufe auf A4 herab. Italien kam durch die
massive staatliche Verschuldung ins Wanken, Spanien durch das
Schuldenniveau seiner Privatwirtschaft. Die zwei wirtschaftlichen
Zugpferde Südeuropas werden 2012 auch von einem Rückgang der
wirtschaftlichen Aktivitäten betroffen sein. Coface verzeichnete seit
Anfang 2011 einen 50-prozentigen Anstieg bei den Zahlungsausfällen
von Unternehmen in diesen beiden Ländern.

Europäische Schwellenländer anfälliger für Nachfragerückgang in
Europa

Die europäischen Schwellenländer werden vom Rückgang an Nachfrage
und Finanzierungsbewegungen in der Eurozone am stärksten betroffen
sein. Aufgrund ihres Engagements in Schuldtiteln staatlicher
Kreditnehmer der Eurozone werden sich westeuropäische Banken
gezwungen sehen, die Unterstützung ihrer Tochtergesellschaften
herunterzuschrauben, was sich auch auf die Vergabe von
Kreditfazilitäten an Unternehmen auswirken wird. Von europäischen
Banken gehaltene Vermögenswerte umfassen 70% des osteuropäischen BIP.
Geschätzt wird auch, dass ein Fünftel des Wachstums in Osteuropa in
den letzten zehn Jahren der dynamischen Kreditvergabe aus dem Ausland
zugerechnet werden kann. Würde also der europäische Kredithahn
zugedreht, so hätte das schwerwiegende Auswirkungen auf europäische
Schwellenländer, die oft auch privatwirtschaftlich massive
Fremdwährungsverbindlichkeiten aufweisen.

Das Wachstum offener Volkswirtschaften wird sich von 4,1% im Jahr
2011 auf 2% im Jahr 2012 halbieren. Die A2-Bewertungen der
Tschechischen Republik und Sloweniens sowie auch die Bewertung A3 für
die Slowakei wurden auf die negative Watchlist gesetzt. Ungarn sieht
sich mit wachsendem Anlegermisstrauen konfrontiert und wurde auf B
herabgestuft. Das Exposure gegenüber italienischen Risiken und die
schwache wirtschaftliche Aktivität infolge eines Wechselkursschocks
haben Coface dazu veranlasst, die Bewertung von Kroatien auf B
herabzustufen.

Schwellenländer fallen der Rückkehr des politischen Risikos zum Opfer

Die Welle politischer Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten
2011 war ein Wendepunkt in aufstrebenden Volkswirtschaften, der eine
Rückkehr des politischen Risikos einläutete. 2011 verzeichnete Coface
infolgedessen etliche Zahlungsausfälle. Die Welle an Regimewechseln
kann dem unaufhaltsam aufbrandenden Willen zur Änderung der
Gesellschaften in Schwellenländern zugeschrieben werden. Dies ist ein
Ausdruck tiefgehender wirtschaftlicher und politischer Frustration,
getragen von einer wachsenden Mittelschicht und sozialen und
kulturellen Veränderungen (Internetzugang, sinkende Geburtenraten,
Reisen). In demokratischen Schwellenländern wie z. B.
lateinamerikanischen Ländern findet diese Frustration in höheren
Verbrechensraten Ausdruck, während es in autoritären Staaten zu
Regimewechseln kommt, wenn die Machthaber die zunehmend drängenderen
Hoffnungen ihrer Bevölkerung in Bezug auf politische Rechte und
Zugang zu Beschäftigung und Unternehmertum nicht mehr erfüllen
können.

Der aktuelle Prozess politischer Transformation in der Region
Nordafrika/Naher Osten bleibt nicht ohne Folgen für einige
Länderbewertungen: Die Bewertung Ägyptens, das großem Druck auf seine
öffentlichen Finanzen und Zahlungsbilanz ausgesetzt ist, wurde auf C
herabgestuft, vor allem aufgrund der großen Unsicherheit hinsichtlich
der politischen Situation 2012. Syrien, das auf D herabgestuft wurde,
befindet sich in einer derzeit extrem angespannten Situation, in der
sich internationale Sanktionen nachteilig auf Wirtschaftswachstum und
öffentliche Finanzen auswirken werden.

Coface entschied, Nigeria (Bewertung D) von der positiven
Watchlist zu entfernen. Aufgrund Nigerias problematischer politischer
Führung gibt es in diesem Land weiterhin ein erhöhtes Ausfallsrisiko.

Über die Methodik:

Die Coface Länderbewertungen zeigen das Ausfallsrisiko, also die
Fähigkeit der Unternehmen eines Landes, Zahlungen rechtzeitig zu
leisten. Sie werden auf Basis des wirtschaftlichen, finanziellen und
politischen Umfelds sowie des Zahlungsverhaltens der Unternehmen
vergeben. Die Ländereinstufung von Coface erfolgt in sieben
Kategorien. A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades und symbolisieren
geringes Risiko und stabiles Zahlungsverhalten. B, C und D stehen für
mittleres bis hohes Risiko unterhalb der Investmentgrades.

Über Coface Austria & Coface Central Europe:

Coface Austria, mit Zentrale in Wien und Niederlassungen in Polen,
Ungarn, Litauen, Lettland, Slowakei, Tschechien, Rumänien und
Bulgarien ist seit Gründung 1954 der Partner am heimischen Markt für
Kreditversicherungen. Seit 1997 ist Coface Austria Tochter der
französischen Coface und damit Teil eines der drei Global Player am
Kreditversicherungsmarkt. Die Schwestergesellschaft Coface Central
Europe ist seit 20 Jahren Marktführer für Wirtschaftsinformationen in
12 zentraleuropäischen Ländern. Ergänzend bietet man in der gesamten
Region Inkassoservices an. Coface Central Europe ist ein
Gemeinschaftsunternehmen der Coface (75 Prozent) und des KSV1870 (25
Prozent). Seit 2002 ist Wien innerhalb des Coface Konzerns
Headquarter für Zentral- und Osteuropa, die gesamte Region zählt
bereits über 700 Mitarbeiter/innen.

Über Coface:

Die Coface-Gruppe, einer der weltweit führenden Kreditversicherer,
bietet Unternehmen globale Lösungen für ihr Forderungsmanagement.
2010 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 1,6
Mrd. Euro. 6.400 Mitarbeiter/innen in 66 Ländern bieten weltweit
lokalen Service. Jedes Quartal veröffentlicht Coface ihre
Einschätzung des Risikos von 156 Ländern. Diese Bewertung basiert auf
den einzigartigen Kenntnissen über das Zahlungsverhalten von
Unternehmen und der Expertise der 250 Kreditprüfer. Coface ist die
Tochter der französischen Bank Natixis (Stammkapital 16,8 Mrd. Euro,
Ende Dezember 2010).

Anhänge zu dieser Aussendung finden Sie als Verknüpfung im
AOM / Originaltext-Service sowie über den Link "Anhänge zu dieser
Meldung" unter http://www.ots.at

Rückfragehinweis:
Coface Austria Holding AG
Susanne Krönes
Head of Marketing and Communications
01/515 54 - 512
[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | COF

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