• 15.01.2012, 17:32:30
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"OÖNachrichten"-Leitartikel: "Schuld ist nicht der Spiegel", von Wolfgang Braun

Ausgabe vom 16. Jänner 2012

Linz (OTS) - Jetzt ist es also passiert - Österreich hat seine
höchste Bonitätsstufe, das Triple-A, verloren. Zusätzlich bitter,
dass es mit Standard & Poor's die einflussreichste der drei
Ratingagenturen war, die das dritte A aberkannte. Noch bitterer ist
die Reaktion, mit der viele heimische Politiker vom Bundeskanzler
abwärts die Entscheidung kommentierten: Da wurde Unverständnis zur
Schau getragen, da wurde relativiert und sogar gemutmaßt, dass hinter
der Herabstufung ein weltpolitisches Ränkespiel stecken könnte. Es
war ein leider erwartbarer Reflex. Wir kennen das von der
PISA-Studie.
Natürlich sind die Rating-Agenturen nicht das absolut objektive Maß
aller Dinge. Natürlich haben auch sie schon schwer gefehlt - man
denke an die Top-Noten für die US-Bank Lehman Brothers, kurze Zeit
bevor diese 2008 spektakulär pleiteging und eine weltweite
Finanzkrise befeuerte.
Aber im aktuellen Fall ist es fahrlässig, sich auf den Boten
einzuschießen, der die schlechte Nachricht überbracht hat. Standard &
Poor's hat ein Urteil gefällt, das die meisten Wirtschaftsexperten im
In- und Ausland nicht anders erwartet haben. Ein Land wie Österreich,
in dem es zur Folklore gehört, dass das durchschnittliche
Pensionsantrittsalter bei rund 58 Jahren liegt, ein Land, in dem die
Politik so beharrlich Reformen vor sich herschiebt und ein Land,
dessen Banken in beträchtlichem Ausmaß in osteuropäischen
Risikoländern engagiert sind, musste damit rechnen, dass die
Top-Bonität irgendwann nicht mehr zu halten sein würde.
Österreich liegt bei den meisten internationalen Vergleichskriterien
im Spitzenfeld. Die Voraussetzungen, den Verlust des Triple-A zu
einer einmaligen Episode zu machen, sind also da. Die Rezepte sind
seit Jahren bekannt, komprimiert zusammengefasst in den Berichten des
Rechnungshofs. Voraussetzung für eine Wiedererlangung der Top-Bonität
ist aber, dass die Politik in Bund und Ländern akzeptiert, dass der
Spiegel, den uns Standard & Poor's vorhält, kein Zerrbild zeigt,
sondern die Realität.

Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401, 434 od. 422

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