Kärntner Tageszeitung - Kommentar: Wie man Ratern die Polit-Bühne überlässt (Von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 15. Jänner 2012

Klagenfurt (OTS) - Es ist noch nicht allzu lange her, dass eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Karmasin Motivforschung ein entlarvendes Ergebnis zutage förderte: Eine Mehrheit der Befragten hält Ratingagenturen für mächtiger als Politiker. Hätte man neoliberale Wurzeln, wäre das der Zeitpunkt für virtuelle Luftsprünge gewesen: Endlich wäre es also geschafft, die Finanzurteilsverkünder auch in den Augen der Bürger zu den Overrulern der demokratisch gewählten Volksvertreter zu machen. Die Reaktionen auf den Triple-A-Verlust Österreichs und Frankreichs von Standard & Poors Gnaden demonstrieren jetzt einmal mehr, wie sehr die US-Agentur selbst politisch agiert. Etwa, indem sie in ihrer Begründung aus einer amerikanischen Sicht auf die Finanzmärkte heraus nach allen Regeln der Kunst das Schuldenkrisenmanagement der politischen Vertreter der EU, also auch Österreichs, konterkariert. Noch mehr Macht für Ratingagenturen schwebt offenbar FPÖ-Chef Strache vor: Er möchte Österreich von Standard & Poors gar Neuwahlen diktieren lassen.

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