- 12.01.2012, 20:46:33
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Vertrauen ist alles, Kommentar zu den Liquiditätsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), von Georg Blaha.
Frankfurt (ots) - Schön, wenn mal jemand mit sich zufrieden ist und
gesundes Selbstbewusstsein ausstrahlt: Mario Draghi, seit November
Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), stellte auf der ersten
Pressekonferenz der Notenbank im neuen Jahr seinen außerordentlichen
Liquiditätsmaßnahmen ein gutes Zeugnis aus. Der Dreijahrestender der
EZB vom Dezember habe eine Kreditklemme in der Eurozone verhindert.
Die Banken hätten durch das langfristige Geschäft eine Absicherung
gegen Liquiditätsengpässe erhalten. Bei dem Ende Februar folgenden
Dreijahresgeschäft erwartet Draghi eine "substanzielle Nachfrage"
seitens der Banken.
Neben einem zufriedenen Notenbankchef gab es am Donnerstag ein
weiteres Ereignis, das die Gemüter bzw. die Märkte bewegte. Spanien
konnte Staatsanleihen im Wert von 10 Mrd. Euro an den Mann bringen,
gut das Doppelte des angekündigten Emissionsvolumens. Dabei waren
fallende Renditen zu verzeichnen. Die Laufzeit der Anleihen: drei
Jahre.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, möchte man rufen. Im Markt ist
schon länger vom "Sarko-Trade" die Rede, in Anspielung auf Äußerungen
von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Hierbei sollen die Banken,
ähnlich wie schon 2009, die günstige EZB-Liquidität nutzen, um
Anleihen von Euro-Peripheriestaaten zu kaufen. Einmal davon
abgesehen, dass solch eine indirekte Finanzierung von Staaten durch
die Zentralbank ordnungspolitisch, höflich gesagt, höchst
problematisch wäre: So einfach geht es dann doch nicht. Vertrauen ist
alles beim Staatsanleihekauf.
Zu Recht wies Draghi darauf hin, dass die Käufer von Staatsanleihen
nicht notwendigerweise Banken aus der Eurozone sein müssen, sondern
sich auch aus anderen Finanzinvestoren und ausländischen Anlegern
zusammensetzen, die sich nicht über die EZB refinanzieren können.
Diese Anleger haben andere Alternativen als Anleihen von
Euro-Problemländern. Auf Bonds aus der Währungsunion setzen sie nur,
wenn sie wieder Vertrauen in die Finanzkraft dieser Länder gewinnen.
"Sarko-Trades" mit Notenbankgeld, selbst in Fantastilliardenhöhe,
helfen dabei nicht.
So soll(te) es ja eigentlich auch sein: Die EZB steht mit
flankierenden Maßnahmen zur Seite, das Vertrauen der Märkte muss aber
die Politik mit glaubhaften Reformen und Bekenntnissen zur Stabilität
der Währungsunion liefern. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst
bei den Versteigerungen von Staatsanleihen zeigen, deren Laufzeit
über drei Jahre hinausgeht.
(Börsen-Zeitung, 13.1.2012)
Rückfragehinweis:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
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