BAK Vizepräsident Zangerl beurteilt unkoordinierten Familienförderungsvorschlag kritisch

Vernünftige Lösung: Familien sollten zumindest eine Wahlmöglichkeit für eine "Familienförderung Alt" oder "Förderung Neu" haben.

Innsbruck (OTS) - Kritisch beurteilt der Tiroler AK-Präsident und BAK Vizepräsident Erwin Zangerl (AAB) den gemeinsamen Vorschlag von Industriellenvereinigung und Bundesarbeitskammer zu einer neuen Familienförderung. Dieser sieht vor, dass künftig für jedes Kind 210 Euro pro Monat ausbezahlt wird, darüber hinaus soll es zweckgebundene 35-Euro-Gutscheine geben. Insgesamt sollen mit dem neuen System rund 100 Millionen Euro gespart werden. Verlierer wären nach einer ersten Prüfung durch die Steuerexperten der AK Tirol Alleinverdiener und Großfamilien. "Das ist für uns ebenso wenig tragbar wie die Tatsache, dass nach dem letzten Sparpaket schon wieder die Familien bluten sollen, während Vermögen, Stiftungen und Gruppenbesteuerung weiter unangetastet bleiben", meint Zangerl.
Ich bedauere den Alleingang von BAK Präsident Herbert Tumpel, der diesen Vorschlag nicht mit unserer Fraktion akkordiert hat.
Dem Modell liegt das Motiv zugrunde, dass vermehrt Sachleistungen vom Staat zur Verfügung gestellt werden sollten (Kinderbetreuung) und weniger Geldleistungen. Diesen Ansatz gibt es insbesondere in den skandinavischen Ländern und fördert die Erwerbstätigkeit der Frauen. Zangerl: "Wo es Gewinner gibt, gibt es aber auch Verlierer, wie bei jeder Änderung eines Modells: Dies wären jene Familien, bei denen die Frau zu Hause bleibt und sich ausschließlich der Kindererziehung widmet oder auch Großfamilien mit drei oder mehr Kindern. Verlierer wären auch Familien mit Kindern, die älter als 15 Jahre sind.
Wir stehen daher diesem neuen Modell, das der Industrie und der Wirtschaft mit neu zur Verfügung stehenden "billigen" Arbeitskräften (teilzeitbeschäftigte Frauen) sehr entgegenkommen würde, äußerst kritisch gegenüber.
Familien mit älteren Kindern wurden gerade im vorigen Jahr durch die Streichung der Familienbeihilfe von über 24 jährigen zur Kasse gebeten. Ebenso würde der Alleinverdienerabsetzbetrag abgeschafft werden; daher würden jene Mütter, die bei ihren Kindern zu Hause bleiben, bestraft werden. Nach dem Affront im letzten Jahr, wo der Alleinverdienerabsetzbetrag für Pensionisten gestrichen wurde, welche keine Kinder mehr mit Familienbeihilfe haben, ginge es nunmehr auch jenen Familien an den Kragen, die noch Kinder mit Familienbeihilfe haben, aber die Mutter nicht im Erwerbsleben steht.
Weiters soll im neuen Modell die längste Variante des Kinderbetreuungsgeldes (30 Monate + 6 Monate) gestrichen werden. Also jene Variante, wo die Frau am längsten bei ihrem Kleinkind zu Hause bleiben kann. Der Mehrkindzuschlag (ab dem 3. Kind) würde nun komplett abgeschafft werden, nachdem er bereits im Vorjahr von monatlich Euro 36,40 auf nun Euro 20,- gesenkt worden ist.
Der AK-Präsident. "Teilaspekte des neuen Modells umzusetzen wäre denkbar: So etwa die Streichung des steuerlichen Absetzpostens "Kinderfreibetrag", der sich bei Kleinverdienern ohnehin nicht auswirkt und stattdessen die Erhöhung der Familienbeihilfe, die seit Jahren nicht mehr der Geldentwertung angepasst worden ist. " Zangerl: "Es darf keinesfalls dieses neue Modell als Argument von Finanzministerin Fekter hergenommen werden, um die Steuerreform als "einfach und familienfreundlich" zu verkaufen. Familienminister Mitterlehner sollte sich daran erinnern, dass er den Familien vor einem halben Jahr eine inflationsgesicherte Familienbeihilfe zugesichert hat, was gerade in unsicheren Zeiten mit Geldentwertungsgefahren eine enorme finanzielle Absicherung für Familien bedeuten würde."

Rückfragen & Kontakt:

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol, Pressestelle
Dr. Elmar Schiffkorn
Tel.: 0512/5340 - 1280
elmar.schiffkorn@ak-tirol.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKT0001