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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kulturhauptstädte: Tue Gutes und rede darüber" (Von Frido Hütter)
Ausgabe vom 7. Jänner 2012
Graz (OTS) - Ersonnen hat ihn die griechische Ministerin Melina
Mercouri. Als Erstes erhalten hat ihn 1985 Athen: den Titel
"Kulturhauptstadt Europas". Heuer tragen ihn das portugiesische
Guimaraes und das slowenische Marburg/Maribor.
Es ist ein Titel mit wenig Mitteln: Maximal eineinhalb Millionen Euro
kommen jeweils aus Brüssel. Doch allein die letzte österreichische
Kulturhauptstadt, Linz, hatte 2009 ein Budget von 60 Millionen.
Marburg gibt es erheblich billiger: Bei der Bewerbung vor fünf Jahren
ging man noch von 50 Millionen Euro aus, die aktuellen
Wirtschaftsprobleme Sloweniens komprimierten den Etat auf nunmehr 8,5
Millionen.
Das ist ja auch noch genug Geld, um sich zu fragen: Ist das die Sache
wert? Was bringt uns so ein Titel? Die Antworten auf diese Frage sind
vielfältig. Etliche Beispiele der Vergangenheit zeigen das recht
drastisch.
Die sicherste Methode, einem Kulturhauptstadtjahr geringe
Nachhaltigkeit zu verleihen, ist, das Budget vorrangig in
künstlerischem Schaffen anzulegen. Das mag zynisch klingen, ist aber
so. Dementsprechend nützt der Titel jenen am wenigsten, die ohnedies
als kulturell erste Adresse gelten. So war das mit Paris oder
Florenz.
Den größten Nutzen ziehen zwei Stadttypen: Die weitgehend unbekannten
Schönen beziehungsweise die Heruntergekommenen. Es hat sich nämlich
gezeigt, dass der Titel aus Brüssel in der Regel am Ort selbst
ungeahnte Kräfte freisetzt und bündelt. Plötzlich werden Projekte
machbar, die der lokalen Politik jahrelang nicht gelangen.
So hat sich etwa 1990 die industrielle Abraumhalde Glasgow zu einer
trendigen Euro-City gemausert. Weimar setzte 1999 mit großem Elan
eine Umfahrung und die Renovierung des Bahnhofs um. Und selbst
kulturell auch sonst aktive Städte wie Graz und Linz schufen in ihren
Hauptstadtjahren Bauten von Bestand.
Ganz wesentlich ist auch, wie sehr man von sich und jenen Vorzügen
reden machen kann, die auch im Jahr danach einen Besuch lohnen. Graz
brachte es 2003 auf weltmeisterliche 9.291 Medienberichte in 37
Ländern. Unter anderem deshalb, weil der kluge Intendant Wolfgang
Lorenz einen großen Budgetanteil ins Marketing steckte.
Auch das rumänische Sibiu oder das estnische Tallinn konnten sich
dank zahlreicher Abbildungen besser auf der Karte des Städtetourismus
positionieren. Das ungarische Pécs dank mangelhafter Werbung gar
nicht.
Noch hört man wenig aus Marburg. Zu wenig. Wenn man dort die Gefahr,
unter sich zu bleiben, nicht rechtzeitig bannt, sind auch achteinhalb
Millionen zu viel gewesen.****
Rückfragehinweis:
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