• 03.01.2012, 19:50:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie zwei in gegenseitige Geiselhaft geraten sind" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 04.01.2012

Graz (OTS) - Zur Erinnerung: Eine Brandrede des
Robert-Hochner-Preisträgers Armin Wolf leitete 2006 den Sturz der
damaligen ORF-Generalin Monika Lindner ein. Man zieh sie großer
Willfährigkeit gegenüber der damals regierenden schwarz-blauen
Koalition. Ein paar Monate später gelang das Kunststück, im
Stiftungsrat die Stimmen von SPÖ, FPÖ und Grünen zu bündeln und
Alexander Wrabetz an die Spitze des Unternehmens zu bringen. (Der
politische Regisseur des Streiches, Pius Strobl, wurde danach
Unternehmenssprecher des ORF.)

Auf dem Küniglberg wurde der neue General wie eine wandelnde
Freiheitsstatue gefeiert und man wundert sich fast, dass er keine
Fackel mit sich trug. Galt Wrabetz auch nicht als Programm-Prophet,
so doch als umgänglicher Mensch und ordentlicher Manager.

Nun hat er diesen Nimbus verloren: Politischer Autismus, juristische
Fehler und eine undiplomatische Ansage reihen sich aneinander.

Da bestellte er Niko Pelinka zum Büroleiter und musste die Stelle
danach ausschreiben. Sie wurde mit der Verwendungs- und
Entlohnungsgruppe 16 ausgewiesen, die laut ORF-Kollektivvertrag
ausschließlich leitenden Redakteuren zusteht. Und genau das wolle er
nicht sein, beteuert Pelinka stets.

Zurzeit unterschreiben Hunderte ORF-Mitarbeiter einen Protestbrief,
für den Büroleiterposten gibt es Tausende formloser Bewerbungen (ohne
Chance) und ein paar Dutzend, die sehr wohl ernst genommen werden
müssen. Womit Wrabetz und Pelinka in wechselseitige Geiselhaft
gerieten: Hieße der neue Büroleiter nach Ende der Bewerbungsfrist
immer noch Niko Pelinka, würde das einer Volksverhöhnung
gleichkommen, die ORF und SPÖ gleichermaßen in horrendem Ausmaß
schaden würde.

Übrigens: Seit 1. Jänner gibt es eine neue Fernsehdirektorin, Kathrin
Zechner, Sie erinnern sich? Sie ist per Gesetz für Unterhaltung und
Information verantwortlich. Dass Wrabetz erst dieser Tage sagte, die
Information werde weiterhin ihm unterstellt sein, ist juristisch
haltbar, für Frau Zechner aber eine echte Zumutung. So einen Start
hat die bewährte ORF-Heimkehrerin nicht verdient.

Eine schauerliche Bilanz: ORF-Image ramponiert, Volkszorn entfacht,
Mitarbeiter in Wut versetzt. Wrabetz hätte in der Tat einen
Büroleiter gebraucht, der das Gröbste hätte verhindern können. Noch
dringender braucht er einen Niko Pelinka, der einsieht, dass allein
sein Rückzug den Schaden ein wenig begrenzen kann. Ob er die
menschliche Reife für diese strategische Einsicht hat, wird sich
weisen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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