• 26.12.2011, 19:39:12
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Einmal Volltanken um 500.000 Euro" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 27.12.2011

Graz (OTS) - Wenn man durch die Medien streunt, findet man
Zahlen, die einen wütend machen. Oder fassungslos. Begleiten Sie mich
auf einem solchen Streifzug.

Britische Zeitungen berichteten jüngst folgende Tatsache: 1980 lag
die Entlohnung des Chefs der Barclays Bank beim 13-Fachen eines
Durchschnittsgehalts dieses Institutes. 2010 betrug sie das
169-Fache. (Wobei man betrug am liebsten groß schreiben möchte).

Die derzeit teuersten Yachten von Roman Abramowitsch (Öl, Gas etc.)
und Spezis kosten laut P.M.-Magazin um die 400 Millionen Euro, einmal
Volltanken schlägt mit bis zu 500.000 Euro zu Buche. Und dann liest
man, dass sich im siebtreichsten Land der Erde, in Österreich, über
300.000 Menschen es sich heuer nicht mehr leisten können, ihre
Wohnstätten adäquat zu beheizen. Siebtreichstes Land? Sie haben schon
richtig gelesen. Diese Zahl ist pro Kopf gerechnet. Auf
Millionärsdichte bezogen liegen wir sogar an weltweit fünfter Stelle.

Bei uns besitzen zehn Prozent die Hälfte des gesamten
Privatvermögens. In Deutschland sind es sogar fast zwei Drittel. Und
wenn man den globalen Berechnungen glauben darf, so hält 1 Prozent
der Weltbevölkerung etwa 40 Prozent des Privatvermögens.

Neueste Schätzungen vermuten, dass es in China, in dem Abermillionen
Wanderarbeiter in archaischer Armut leben, bereits um die 500
Dollarmilliardäre gibt.

Das eine hängt mit dem anderen stark zusammen: Vermögen dieser Art
sind ja nicht über Jahrzehnte, Jahrhunderte durch kluges Wirtschaften
und ein wenig Fortüne entstanden. Die russischen Oligarchen sind
geradezu leuchtende Beispiele hiefür. Nein, sie wachsen aus den
Leistungen zahlloser Arbeitnehmer, deren Entlohnung in keinem
Verhältnis zu ihrer Wertschöpfung steht.

Die teils aberwitzigen Gewinnspannen in der Designermodenbranche
sickern niemals zu den elendigen Billignähern in Bangladesch oder
sonst wo durch. Die bleiben in Mailand, Tokio oder Paris hängen. Bei
den ohnehin Reichen.

Freilich, die Geschichte der Menschheit kennt extreme soziale
Unterschiede seit der Homo etwas sapiens wurde. Aber zum einen lädt
die Demokratie dazu ein, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Und zum
anderen waren die Informationen darüber noch nie so transparent wie
heute.

Das alles hat nichts mit der Schürung von Neid zu tun. Die
gigantische Umverteilung nach oben wird bald fürchterliche
Konsequenzen zeitigen. Nicht in Bangladesch. Nein hier in Europa und
in den USA. Und wohl auch in Österreich.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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