"Kleine Zeitung" Kommentar: "Einmal Volltanken um 500.000 Euro" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 27.12.2011

Graz (OTS) - Wenn man durch die Medien streunt, findet man
Zahlen, die einen wütend machen. Oder fassungslos. Begleiten Sie mich auf einem solchen Streifzug.

Britische Zeitungen berichteten jüngst folgende Tatsache: 1980 lag die Entlohnung des Chefs der Barclays Bank beim 13-Fachen eines Durchschnittsgehalts dieses Institutes. 2010 betrug sie das 169-Fache. (Wobei man betrug am liebsten groß schreiben möchte).

Die derzeit teuersten Yachten von Roman Abramowitsch (Öl, Gas etc.) und Spezis kosten laut P.M.-Magazin um die 400 Millionen Euro, einmal Volltanken schlägt mit bis zu 500.000 Euro zu Buche. Und dann liest man, dass sich im siebtreichsten Land der Erde, in Österreich, über 300.000 Menschen es sich heuer nicht mehr leisten können, ihre Wohnstätten adäquat zu beheizen. Siebtreichstes Land? Sie haben schon richtig gelesen. Diese Zahl ist pro Kopf gerechnet. Auf Millionärsdichte bezogen liegen wir sogar an weltweit fünfter Stelle.

Bei uns besitzen zehn Prozent die Hälfte des gesamten Privatvermögens. In Deutschland sind es sogar fast zwei Drittel. Und wenn man den globalen Berechnungen glauben darf, so hält 1 Prozent der Weltbevölkerung etwa 40 Prozent des Privatvermögens.

Neueste Schätzungen vermuten, dass es in China, in dem Abermillionen Wanderarbeiter in archaischer Armut leben, bereits um die 500 Dollarmilliardäre gibt.

Das eine hängt mit dem anderen stark zusammen: Vermögen dieser Art sind ja nicht über Jahrzehnte, Jahrhunderte durch kluges Wirtschaften und ein wenig Fortüne entstanden. Die russischen Oligarchen sind geradezu leuchtende Beispiele hiefür. Nein, sie wachsen aus den Leistungen zahlloser Arbeitnehmer, deren Entlohnung in keinem Verhältnis zu ihrer Wertschöpfung steht.

Die teils aberwitzigen Gewinnspannen in der Designermodenbranche sickern niemals zu den elendigen Billignähern in Bangladesch oder sonst wo durch. Die bleiben in Mailand, Tokio oder Paris hängen. Bei den ohnehin Reichen.

Freilich, die Geschichte der Menschheit kennt extreme soziale Unterschiede seit der Homo etwas sapiens wurde. Aber zum einen lädt die Demokratie dazu ein, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Und zum anderen waren die Informationen darüber noch nie so transparent wie heute.

Das alles hat nichts mit der Schürung von Neid zu tun. Die gigantische Umverteilung nach oben wird bald fürchterliche Konsequenzen zeitigen. Nicht in Bangladesch. Nein hier in Europa und in den USA. Und wohl auch in Österreich.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001