• 16.12.2011, 19:59:52
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Dauerschuldner müssen sich warm anziehen" (von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 17.12.2011

Graz (OTS) - Stürmisch wie das Wetter sind die Aussichten der
Weltwirtschaft: Im kommenden Jahr werden Europas Staaten und Banken
die unvorstellbare Summe von zweitausend Milliarden Euro brauchen, um
fällige Altschulden durch neue zu ersetzen, laufende Defizite zu
finanzieren und das Eigenkapital der Banken auf ein solides Niveau zu
bringen.

Man wird also an allen Ecken und Enden vertrauensselige Gläubiger
brauchen. Geld an sich gäbe es zwar genug - es liegt in privaten
Händen der institutionellen Großanleger, also etwa US-Pensionsfonds.
Doch für die chronischen Schuldner wird es immer teurer, an dieses
Geld heranzukommen. Die Banken trauen einander ebenso wenig über den
Weg wie die Staaten. Die Rating-Agenturen tun ein Übriges, erst
gestern stuften sie zahlreiche Banken in der Kreditwürdigkeit herab.
Die Agentur Standard & Poor's sieht Europa in eine tiefe Rezession
rutschen, wovon Exportländer wie Österreich stark betroffen wären.
Und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde,
zeichnet ein tiefschwarzes Zukunftsbild.

Droht also mit Jahresanfang 2012 endgültig die Wiederholung der Krise
von 2008/09? Niemand kann es verlässlich sagen. Einige Pflöcke kann
man aber einschlagen. Erstens: Bisher ist es gelungen, durch
vorbeugende Maßnahmen der Bankenstärkung zu verhindern, dass Engpässe
in der Geldbeschaffung und Kreditgewährung auf Unternehmen
durchschlagen. Die "Realwirtschaft" hat daher noch nichts von der
Krise gespürt. Allerdings sind die Konjunkturaussichten schlecht,
dort und da ist wieder von Kurzarbeits-Modellen wie 2009 die Rede.
Zweitens: Generell werden einzelne Wirtschaftsteilnehmer - seien es
Staaten, Unternehmen oder Private - umso besser dastehen, je weniger
Schulden sie haben und je solider sie wirtschaften. Gerade die
Privathaushalte wurden jahrelang durch niedrige Kreditzinsen
verwöhnt, außerdem ist der Anteil der Fremdwährungskredite mit 29
Prozent noch immer hoch. Hier schlummern beträchtliche
Zinsänderungsrisiken.

Drittens: Für die Politik geht die Zeit des hemmungslosen
Schuldenmachens auf jeden Fall zu Ende. Vor diesem Hintergrund ist es
skurril, dass laut einer Umfrage die Österreicher ausgerechnet auf
US-Präsident Barack Obama Hoffnungen setzen, er könne bei der Lösung
der Euro-Krise helfen. Immerhin sind die USA höher verschuldet als
viele Staaten der Welt. Jedoch: Dass die Bürger den heimischen
Schuldenbeschleunigern gar nicht vertrauen, kann man ihnen nicht
verdenken.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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