Kinder und Jugendarmut konstant hoch: 135 000 Minderjährige in manifester Armut

Diakonie: "Wo sind die Gipfel gegen Jugendarmut und die soziale Spaltung in Europa?"

Wien (OTS) - "Besonders auffällig ist die konstant hohe Armutsbetroffenheit bei Kindern und Jugendlichen," kommentiert die Diakonie die heute veröffentlichten Daten der Statistik Austria. Als manifest arm können 135.000 Minderjährige bezeichnet werden, 250.000 leben in einkommensarmen Haushalten. Tendenz steigend. Weitere Ergebnisse der Statistik Austria: 84.000 können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten, 58.000 sich einen notwendigen Arztbesuch nicht leisten, über 200.000 Minderjährige müssen in feuchten und schimmligen, oft auch überbelegten Wohnungen leben.

Armut ist kein Naturereignis - wir können etwas tun

"Wir können etwas tun", so die Diakonie. "Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten, in der Schule, in der Frühförderung, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern. Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder neuen Statistik zu bestaunen gilt."

"Wo sind die Gipfel gegen Jugendarmut und gegen die soziale Spaltung In Europa? Es ist für niemand einsichtig, warum zur Reduzierung der Armut nicht dasselbe Engagement an den Tag gelegt wird wie in Sachen Finanzmärkte", so die Diakonie.

Die Situation für Jugendliche verschärft sich in Folge der Finanzkrise in ganz Europa. In Griechenland, Irland und den baltischen Ländern klettert die Jugendarbeitslosigkeit auf über 30 Prozent, in Spanien ist mittlerweile nahezu jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Auch in Österreich ist sie - von niedrigem Niveau -wieder stark im Ansteigen. Insgesamt weisen 11 von 27 Mitgliedsländern der EU eine Jugendarbeitslosenquote von mehr als 25 Prozent auf, 2007 war dies noch in keinem einzigen Land der Fall.

Kosten sozialer Probleme höher als Kosten für Prävention

"Mehr soziale Probleme verursachen volkswirtschaftliche Kosten", analysiert die Diakonie. Eine höhere Schulabbrecher-Quote beispielsweise bringt durch steigende Sozialausgaben, höhere Gesundheitskosten und entgangene Steuereinnamen Kosten von 3 Milliarden Euro bei 10.000 Drop-Outs. Oder: wird Kinderarmut nicht bekämpft, entstehen Kosten von 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr. Ihre Bekämpfung kostet aber nur 0,4% des BIPs, also 10 mal so wenig, wie jedes Jahr an Mehraufwand entstehen.

Angesichts der Entwicklung warnt die OECD bereits letzte Woche vor mehrfachen Risiken: "Zunehmende Ungleichheit schwächt die Wirtschaftskraft eines Landes, sie gefährdet den sozialen Zusammenhalt und schafft politische Instabilität - aber sie ist nicht unausweichlich", so OECD-Generalsekretär Angel Gurria.

Jugendliche ohne Zukunft? Niemand darf verloren gehen - Lesen Sie mehr:
Diakonie-Kampagne "Hoffnungsträger"
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