- 15.12.2011, 19:40:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ami, go home! Das ist leichter gesagt als getan" (Von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 16.12.2011
Graz (OTS) - Der Irak-Krieg war eines der düsteren Kapitel der
jüngeren amerikanischen Geschichte. US-Präsident George W. Bush hat
ihn vom Zaun gebrochen und schon nach wenigen Wochen voreilig den
Sieg seiner Soldaten verkündet. Bushs Nachfolger Barack Obama hat
versprochen, die US-Truppen rasch aus dem Irak abzuziehen - auch ein
wenig voreilig. Denn das war 2007. Tatsächlich verlassen die Marines
erst jetzt, Ende Dezember 2011, das Zweistromland und 16.000
amerikanische "Berater" werden auch danach dafür zu sorgen haben,
dass sich die ohnedies prekäre Sicherheitslage im Irak nicht wieder
dramatisch verschlechtert.
Der irakische Premier Nuri al-Maliki kam dieser Tage ins Weiße Haus,
um mit Präsident Obama den Übergang in eine neue Phase der
Beziehungen zu zelebrieren. Der Irak ist nun laut Obama souverän und
bestimmt sein Schicksal selbst. Der Präsident kann Amerikas Wählern
sagen, er habe ein zentrales Versprechen erfüllt. Tatsächlich aber
fürchten Maliki und Obama jetzt mögliche Konsequenzen.
Die Amerikaner waren im Irak Befreier und Besatzer zugleich. Saddam
Husseins grausame Diktatur ist Geschichte, aber der Preis dafür war
ein sehr hoher. 4500 US-Soldaten sind gefallen. Amerika hat über
tausend Milliarden Dollar für die Invasion und den Wiederaufbau
ausgegeben. Mehr als 100.000 irakische Zivilisten haben im
Bürgerkrieg zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden ihr Leben
verloren.
Der US-Abzug schmeichelt vielleicht dem Nationalstolz, aber er macht
aus den Besiegten deshalb noch keine Sieger und aus der Niederlage
keine Befreiung. Maliki und Obama wissen: Dieser nun beschlossene
Komplettabzug ist gefährlich. Denn nicht nur ein Wiederaufflammen des
Bürgerkrieges im Irak ist nun - ohne die Amerikaner - wieder
wahrscheinlicher geworden. Und vor allem: Nachbarn wie der Iran,
Syrien, aber auch die Türkei sehen in einem instabilen Irak mit einer
schwachen Zentralregierung eine Spielwiese für eigene nationale
Interessen. Der Iran könnte versuchen, den Irak zu einem zweiten
Libanon zu machen - mit starken schiitischen Milizen, die ihre
militärische Macht bald in politischen Einfluss verwandeln werden.
Amerikas Präsenz in Unruheregionen ist immer mit Problemen verbunden.
Das war am Balkan ebenso wie nun im Irak. "Ami, go home!" heißt es
dann immer. Aber gehen die Amis tatsächlich heim, ist dies kein
Garant für eine Verbesserung der Lage, jetzt im Irak, 2014 in
Afghanistan. Ami, go home! Leicht gesagt, aber schwer zu
realisieren.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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