- 13.12.2011, 15:45:30
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Mauthausen-Überlebender Hans Marsálek gestorben
Nazi-Opfer, Lager-Chronist, Widerstandskämpfer und Gedenkstätten-Mitbegründer
Wien (OTS) - Einer der letzten und prominentesten Zeitzeugen der
Gräuel im Konzentrationslager Mauthausen, Hofrat Dr. Hans Marsálek,
ist in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 2011 in Wien verstorben. Mit
ihm verliert Österreich einen unermüdlichen Aufklärer und Mahner vor
Totalitarismus und Inhumanität. Marsálek hat sich unschätzbare
Verdienste um den Aufbau der KZ-Gedenkstätte Mauthausen erworben. Als
Bindeglied zwischen der Lagergemeinschaft und dem Bundesministerium
für Inneres war Marsálek die treibende Kraft zur Entwicklung und
Neugestaltung dieses wichtigen Erinnerungsortes.
Er war nicht nur Überlebender und Chronist des KZ-Mauthausen, sondern
auch der Gründer des Museums und des Archivs der KZ-Gedenkstätte
Mauthausen. Er legte den Grundstein für die heutige Arbeit und die
neuen Entwicklungen an der KZ-Gedenkstätte. Mit seiner Publikation
zur Geschichte des Lagers Mauthausen, das 1974 erstmals erschien,
schuf er das Standardwerk - es ist bis heute das wichtigste Buch zum
Thema Mauthausen.
Hans Marsálek wurde am 19. Juli 1914 in Wien als Kind tschechischer
Eltern geboren. 1938, nach dem "Anschluss" Österreichs und seiner
Einberufung zur Deutschen Wehrmacht, flüchtete er nach Prag. Er wurde
1941 aufgrund illegaler politischer Tätigkeiten im kommunistischen
Widerstand von der Gestapo verhaftet und am 28. September 1942 in das
Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Ab Mai 1944 wurde er als
zweiter Lagerschreiber eingesetzt. In seiner Funktion konnte er
seinen Mithäftlingen helfen, indem er kranke und schwache Häftlinge
anderen Kommandos zuteilte und sich aktiv am Widerstand innerhalb des
Lagers beteiligte.
Am 28. Mai 1945 kam Marsálek nach Wien zurück, trat in den
Polizeidienst ein und wurde im Jahr 1963 vom Bundesministerium für
Inneres damit betraut, in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein Museum
einzurichten. Er engagierte sich vor allem bei diversen
Überlebendenorganisationen. Er war Vorstandsmitglied der
Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, deren
Nachfolgeorganisation das Mauthausen-Komitee Österreich ist, und
Mitglied des Comité International de Mauthausen.
Am 24. November 2009 wurde Hofrat Hans Marsálek in Anerkennung seiner
herausragenden Verdienste um die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, um die
wissenschaftliche und publizistische Aufarbeitung der Geschichte der
Konzentrationslager Mauthausen und Gusen sowie für seinen Widerstand
gegen das NS-Regime der Ehrendoktor der Sozial- und
Wirtschaftswissenschaften der Johannes-Kepler-Universität Linz
verliehen.
Für Hans Marsálek war die Arbeit an der KZ-Gedenkstätte ein aktives,
politisches Statement für Frieden und eine Verpflichtung gegenüber
der Gesellschaft.
"Nie, nie wollen wir wieder Waffen tragen, nie, nie wollen wir wieder
Krieg": Diese Prämisse war für Hans Marsálek wohl der größte Antrieb
für seine Arbeit.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Abteilung IV/7
(Gedenkstätten und Kriegsgräberfürsorge) trauern um Hans Marsálek!
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Inneres Kompetenzcenter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit - Pressestelle Tel.: +43-(0)1-53 126-2488 mailto:[email protected] www.bmi.gv.at DDr. Barbara Glück Leiterin der Abteilung IV/7 Gedenkstätten und Kriegsgräberfürsorge Tel.: +43-(0)1-53 126-3801 www.bmi.gv.at
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