- 12.12.2011, 10:05:23
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Großbritannien bleibt eine Geisel der USA - von Jochen Hahn
Diesmal schießen sich die Briten definitiv ins eigene Knie
Wien (OTS) - Viele Experten sprechen von Verschwörungstheorie,
wenn das Verhalten der USA bezüglich der Euro-Schuldenkrise als
abgekartetes Spiel bezeichnet wird. Auch einen Wirtschaftskrieg
wollen die wenigsten erkennen. Allerdings wurde in den vergangenen
Tagen deutlicher denn je, dass die USA keinerlei Interesse an einer
Lösung der Probleme in der Eurozone haben - ganz im Gegenteil. Dies
lässt sich auch am Verhalten eines alten US-Verbündeten am jüngsten
Eurogipfel ablesen.
Großbritannien wird nicht zu unrecht als 51. Bundesstaat der USA
gesehen. Denn die Politik in London orientiert sich schon seit jeher
mehr an der in Washington. Brüssel war den Briten noch nie wichtig.
Englands Premier David Cameron schlug mit seiner Blockadepolitik nun
ein neues Kapitel in der Europa-Skepsis, wenn nicht gar
Feindlichkeit, der Insel auf. Allerdings schießen sich die Briten
diesmal ins eigene Knie. Denn erstmals zeigt sich nach einem Gipfel,
dass Europa auf dem richtigen Weg ist, nämlich Richtung Fiskalunion.
Europa rückt zusammen und Großbritannien dürfte zum einsamen Mann in
der Gemeinschaft werden. Das befürchtet auch der liberale
Regierungspartner von David Cameron, Nick Clegg. Er ist damit einer
der wenigen Vernunftakteure in England. Denn auch die Bevölkerung hat
eine klare Meinung: In einer Umfrage für die "Mail on Sunday"
stellten sich 62 Prozent der Befragten hinter Camerons Entscheidung,
nur 19 Prozent lehnten sie ab.
Es zeichnet sich damit ein Schulterschluss der Schulden-Superstaaten
ab. Denn Großbritannien steht trotz laufendem Sparprogramm auf
fundamental und fiskalisch deutlich schwächeren Beinen als der
Großteil der Eurozone. Und der desaströse Staatshaushalt der USA ist
allseits bekannt. Europa, exklusive Großbritannien, ist daher das
Zentrum der Budgetkonsolidierung. Das dürfte uns zwar in den
kommenden zwei bis drei Jahren Wachstum kosten und 2012 wohl eine
Rezession einbrocken, aber danach spricht fast alles für Europa.
Genau dieses Faktum macht Politiker in den USA zunehmend nervös.
Kommt Europa nämlich schneller als gedacht aus seinem
Schulden-Schlamassel, dann steht plötzlich die Schuldenhochburg
Washington im Fadenkreuz der Märkte. Besonders im Lager der
Republikaner macht sich Panik breit. Eine Horde von 26
republikanischen US-Senatoren möchte nun sogar ein Gesetz auf den Weg
bringen, das die Auszahlung von weiteren IWF-Geldern an Euro-Staaten
untersagt.
Herr Cameron, da haben Sie sich wahrlich nette Scharfmacher für einen
Schulterschluss ausgesucht!
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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