• 06.12.2011, 09:34:16
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AKNÖ fordert detailliertes Bildungskonzept für Menschen mit Behinderung

Haneder: "Irritiert über angebliche Einigung, dass Sonderschulen beibehalten werden"

Wien (OTS/AKNÖ) - Die Landesschulräte haben sich offenbar
geeinigt, die Sonderschulen in Österreich beizubehalten. In der
Niederösterreichischen Arbeiterkammer zeigt man sich von der
Entscheidung beunruhigt. Statt an alten Konzepten festzuhalten sollte
es endlich ein umfassendes Konzept geben, wie die Inklusion von
Kindern mit Behinderung ins Schulsystem funktionieren kann.

"Drei Jahre lang ist nichts geschehen und jetzt einigen sich die
Landesschulräte, dass das so bleiben soll". Reinhard Schmitt,
AKNÖ-Experte für Menschen mit Behinderung schüttelt den Kopf. Seit
2008 gilt auch in Österreich die UN-Konvention für Menschen mit
Behinderung. Diese fordert wörtlich "ein integratives Bildungssystem
auf allen Ebenen". Die Unterzeichnerstaaten hätten Sorge zu treffen,
dass, "Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen
Bildungssystems die notwendige
Unterstützung geleistet wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu
erleichtern".

Aus Sicht von Experten Schmitt hapert es in Österreich mit der
Umsetzung: "2008 hat die Republik die Konvention ratifiziert und bis
heute gibt es kein Konzept, wie eine vollständige Inklusion von
Kindern mit Behinderung ins Bildungssystem funktionieren soll. Das
ist eine magere Bilanz, vor allem, wenn ich mir die existierenden
Probleme ansehe." Allen Fortschritten der vergangenen Jahre zum Trotz
gebe es nach wie vor Schulen, die mit Kindern mit Behinderung
überfordert seien. "Das reicht von bautechnischen Maßnahmen bis
dahin, dass LehrerInnen oft nur unzureichend geschult sind. Ich kenne
zum Beispiel einen Fall, wo ein Kind mit Behinderung zuerst ganz
normal in Volks- und Hauptschule gegangen ist. Die Polytechnische
Schule war aber so ungenügend auf ein Kind mit Behinderung
vorbereitet, dass die Mutter es lieber für das letzte Schuljahr in
eine Sonderschule gegeben hat."

Klar sei, dass es die Inklusion, wie es im Fachjargon heißt, nicht
von heute auf morgen geben könne. "Dazu brauchen wir ein umfassendes
Konzept", sagt der Experte. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder fordert
das Unterrichtsministerium auf, dieses Konzept rasch bereitzustellen.
"Erfahrungen aus Österreich und anderen Ländern gibt es ja schon. Und
ganz wichtig ist, dass Menschen mit Behinderung eingebunden werden."
Am Ende müsse ein integratives Konzept herauskommen "das den Namen
auch wirklich verdient". Das würde heißen: "Keine Sonderschulen mehr.
Dass sich die Landesschulräte, die gar nicht für solche Konzepte
zuständig sind, darauf geeinigt haben, die Sonderschulen
beizubehalten, irritiert mich. Und im Übrigen: Menschenrechte gelten
auch im Schulsystem."

Rückfragehinweis:
AKNÖ Arbeits- und Sozialrecht, Reinhard Schmitt
01/58883 - 1333
Aktuelle Informationen finden Sie auch noe.arbeiterkammer.at/presse

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