- 02.12.2011, 19:46:09
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Putin hält sein Volk für dumm und klein" (von Nina Koren)
Ausgabe vom 03.12.2011
Graz (OTS) - Es gibt einiges, das Wladimir Putin gut
beherrscht, aber ganz besonders ist es das Spiel mit der Angst. An
die Macht kam er vor elf Jahren, nachdem Wohnhäuser in Moskau
explodiert waren und er in einem neuen Krieg in Tschetschenien unter
Beweis stellen konnte, dass er erstens ein starker Mann ist und
zweitens Russland genau das braucht.
Jetzt, vor der nächsten Parlamentswahl, geht das Angst-Spiel in eine
neue Runde. Angesichts der bevorstehenden Krise - die nach russischer
Diktion eine rein westliche ist - brauche es weiter Stabilität und
natürlich Putin. Nachdem das alleine den Umfragen zufolge bei den
Bürgern zu wenig zieht, werden sie vom Bahnhof bis in die Metro
dauerbeschallt mit angeblichen Gefahren: Achtung! Sie könnten auf die
Gleise stürzen! Das hat etwas hilflos Lächerliches in einem Land,
dessen Bürger in den vergangenen 20 Jahren nicht nur zwei
Währungskrisen, sondern den Zusammenbruch des gesamten Staatswesens
verdaut haben.
Putins Selbstinszenierung als Stabilitätsfaktor ist Teil der
Wahl-Show, mit der er versucht, sein selbstbewusster gewordenes Volk
für dumm zu verkaufen. Tatsächlich ist es ihm in den ersten Jahren
als Präsident gelungen, wieder mehr Struktur ins Chaos zu bringen.
Doch der Preis ist hoch: Die Strukturen, auf die sich Putin stützt,
ähneln den autoritären der Vergangenheit. Das gesamte immer stärker
zentralisierte System ist auf Putin zugeschnitten; die unter Jelzin
nach demokratischem Vorbild aufgebauten Institutionen werden
umgangen. Die Regierenden kontrollieren sich selbst; die Korruption
hat einen neuen Höhepunkt erreicht.
Sollte Putin weitere zwölf Jahre Präsident bleiben, wäre er länger an
der Macht als Breschnew - und könnte an ähnlichen Problemen
scheitern. Die Unfähigkeit, Reformen durchzuführen und zu erkennen,
wann es Zeit ist, zu gehen, zeigt, wie verkrustet und erstarrt das
System ist, das sich immer weiter von der Wirklichkeit seiner Bürger
entfernt. Dass ausgerechnet Putin der Mann sein soll, der Russland
durch die Krise führt, lässt leider wenig Erfolg erwarten.
Der Westen macht in all dem keine gute Figur. Dabei ist es nicht nur
so, dass wir Gas brauchen. Russland braucht auch Abnehmer. Doch aus
dem Glauben, sich aufgrund der Abhängigkeit mit Moskau gutstellen zu
müssen, nimmt man dem Land die inszenierte Demokratie-Fassade einfach
ab. Am Sonntag, nach Ende eines unfairen Wahlkampfes und einer
voraussichtlich gefälschten Wahl, bietet sich eine gute Gelegenheit
für mehr Aufrichtigkeit.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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