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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die nebulose Uni-Politik muss ein Ende finden" (Von Norbert Swoboda)
Ausgabe vom 30.11.2011
Graz (OTS) - Es gehen wahrlich unübliche Dinge vor an den
Universitäten: Der Kampf um mehr Mittel wird via Höchstgerichte und
Schlichtungskommissionen geführt statt auf den Straßen - und
Teilerfolge werden sichtbar. Jetzt hat die Wirtschafts-Uni quasi
schriftlich, dass ihr der Staat weit mehr an Leistung zumutet, als er
bereit ist zu zahlen.
Die Urteile zeigen auf: Je blumiger die Sonntagsreden zum Thema
Bildung sind, umso nebuloser und verworrener ist die konkrete
Politik. Studiengebühren werden überfallsartig - und planlos -
abgeschafft, die stete Steigerung der Studierendenzahlen mit
sinkenden Budgets beantwortet.
Zwar kann sich der WU-Rektor jetzt über ein paar Millionen Euro mehr
freuen, aber es ist nur ein kleiner Geländegewinn. Die besten Urteile
nützen allerdings wenig, wenn sich an drei Stellen nichts bewegt.
Zum einen ist der Ressortminister Karlheinz Töchterle nicht in der
Lage, seiner Ministerkollegin Maria Fekter definitiv mehr Geld zu
entlocken. Das mag mit seinen fehlenden Wurzeln in der ÖVP, seinem
noblen Auftreten oder dem Rand-Thema Wissenschaft insgesamt zu tun
haben. Wenn Seniorenvertreter oder Beamtenvertreter mit der Regierung
Tacheles reden, ist Töchterle nicht einmal als Kiebitz dabei. Auch
sein neuer Hochschulplan wird da nicht viel ändern.
Zweitens sperrt sich die Hochschülerschaft gegen die
Studienbewirtschaftung. Kaum anzunehmen, dass sie so jene Tausenden
Studenten vertritt, die in Massenfächern übereinander sitzen. Es ist
zwar klar, dass die ÖH gegen Studiengebühren ist; hilfreicher wäre
aber ein kühler Abtausch Gebühren gegen ein gutes Stipendiensystem.
Fataler noch ist die Bewegungslosigkeit der linken und grünen
Reichsteile. Sollen die Studierenden irgendwie und betreuungslos
durchs Studium strampeln; Geld gibt es keines dafür, Bedingungen auch
nicht. Das sind keine Modelle, die zu guter Ausbildung führen,
sondern Rattenfänger-Methoden. Es sind 1968er-Slogans, jenseits der
heutigen Realität.
Mag sein, dass die heutige Politikerkaste damals bei gemütlichen
Sit-Ins sozialisiert wurde. Heute gilt der globale Wettbewerb. War
vor 40 Jahren hinter Wien und Frankfurt die Welt schon zu Ende, gehen
Studenten heute ins Ausland. Abschlussarbeiten sind wesentlich
aufwendiger (auch in der Betreuung) als früher. Und - anders als in
den Boom-Jahren - herrscht heute heftige Job-Konkurrenz.
Unis und Studierende haben darauf reagiert. Jetzt müssen auch Politik
und Studentenvertretung das kapieren.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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