- 29.11.2011, 15:10:07
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Studie: Kirche riskiert Glaubwürdigkeit unter "modernen" Frauen
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Hauft: "Frauen spüren Ungerechtigkeitsverhältnisse"
Wien, 29.11.11 (KAP) Die katholische Kirche riskiert ihre
Glaubwürdigkeit unter Frauen und läuft Gefahr, dass sich vor allem
"moderne" und gebildete Frauen noch stärker als bisher aus der
kirchlichen Gemeinschaft zurückziehen. Zu diesem Schluss kommt eine
neue Studie der Theologen Paul Zulehner und Petra Steinmair-Pösel im
Auftrag der Zeitschrift "Welt der Frau", die am Dienstag in Wien
präsentiert worden ist. Demnach fühlen sich viele Frauen in der
Kirche ungerecht behandelt, weil sie trotz ihres im Vergleich zu
Männern größeren Einsatzes für das konkrete Leben Kirche zu wenig
Zugang zur "innerkirchlichen Gestaltungsmacht" haben.
Mit 77 Prozent gibt es nach den Daten der Studie - sie enthält im
Zeitraum von 1970 bis 2010 erhobenes Datenmaterial - unter den
Frauen in Österreich mehr katholische Kirchenmitglieder als unter
den Männern (71 Prozent). Mehr als doppelt so viele Frauen wie
Männer gehen regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst und auch 54 Prozent
der Pfarrgemeinderats-Mitglieder sind weiblich. Die Studienautoren
kommen dabei zum Schluss, dass die Tätigkeiten der Frauen in den
Gemeinden zu einem größeren Teil traditionellen Frauenbildern folgen.
Die Studie macht auch deutlich, dass das kirchliche Engagement von
Frauen abnehmend ist und sich jenem der kirchlichen Männer
angeglichen hat. Die Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung
Österreichs (kfbö), Margit Hauft, gibt als mögliche Erklärung dafür
an: "Frauen spüren wohl schon sehr lange
Ungerechtigkeitsverhältnisse in der Kirche und der Gesellschaft,
aber jetzt ziehen sie schnelle rund häufiger ihre Konsequenzen". Die
Kirche müsse mehr mit Frauen sprechen, statt über sie, betonte die
kfbö-Vorsitzende. "Wir brauchen pastorale Angebote, die für deren
Lebenssituationen passen, und müssen die drängenden Fragen nach
Gleichstellung der Frauen in der Kirche endlich ernsthaft angehen."
Die Abnahme bei der Kirchenbindung von Frauen sei nicht unabwendbar.
So verstehen sich laut der Studie fast zwei Drittel aller aus der
Kirche ausgetretenen Frauen weiterhin als Christinnen, auch wenn
viele unter ihnen der Ansicht sind, dass sich persönliche
Gläubigkeit und Christlichkeit auch ohne Kirche leben lasse. Auch
unter "modernen" Frauen, deren Kirchenbindung stärker abnimmt,
bestehe zudem nach wie vor eine sehr große Wertschätzung für die
kirchlichen Riten an den Lebenswenden, berichtete Studienautorin
Steinmair-Pösel.
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