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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Ungewöhnliche am Formel-1-Weltmeister" (Von Gerald Pototschnig)
Ausgabe vom 28.11.2011
Graz (OTS) - Nach dem Sieg von Sebastian Vettel beim ersten
Grand Prix in Indien ist Ö3-Radioreporter Gerhard Prohaska spontan
folgender Vergleich eingefallen: "Vettel hat an diesem Nachmittag so
viel verdient wie ein indischer Arbeiter in eintausend Jahren." Das
sagt einiges darüber aus, wie exorbitant kostspielig die Formel 1
auch in Zeiten von Krisen und Sparkursen immer noch ist.
Laut der englischen Tageszeitung "The Independent" hat der Rennstall
von Red Bull Racing heuer einen Jahresetat von 220 Millionen Euro zur
Verfügung. Vettel soll pro Jahr 15 oder noch mehr Millionen Euro
verdienen.
Aber ist es tatsächlich nur das liebe Geld, weshalb Red Bull den
Fixgrößen der Formel 1 wie Ferrari, McLaren oder Mercedes innerhalb
relativ kurzer Zeit davongefahren ist? Ja und nein. Ob sich Red Bull
nun an jenes sogenannte RRA (Resources Restriction Agreement),
welches sich die Rennställe gemeinsam zur Regelung von Budgets,
Belegschaften und damit Strukturen auferlegt haben, gehalten hat oder
nicht, spielt gar keine Rolle. "Ein Formel-1-Team wird immer so viel
Geld ausgeben, wie es zur Verfügung hat", hat der ehemalige
McLaren-Chef Ron Dennis einmal gesagt. Im Geschäftsjahr 2010 hatte
der Salzburger Getränkekonzern alleine 1,4 Milliarden Euro als
Marketingbudget zur Verfügung.
Auf der anderen Seite ist Red Bull Racing zwar nicht, was man früher
unter einem Privatteam mit Werkstatt im Hinterhof verstanden hat.
Aber die Grundphilosophie ist eine ähnliche. Ferrari muss dem
Fiat-Konzern Rechenschaft ablegen und Mercedes die Konzernspitze in
Stuttgart überzeugen. Bei Red Bull entscheidet der Firmengründer und
Mitbesitzer Dietrich Mateschitz (67), notfalls auch aus dem Bauch. Es
sind daher rasche, unkomplizierte Entscheidungen, die für einen
Vorsprung sorgen, noch bevor sie auf der Rennstrecke umgesetzt
werden.
Als Dietrich Mateschitz vor sieben Jahren für einen symbolischen
Dollar den maroden Jaguar-Rennstall gekauft hat, war Red Bull mit
seinem Spaß- und Party-Image der sterilen Formel 1 äußerst
willkommen. Spätestens mit dem ersten WM-Titel im Vorjahr wurde das
Ganze aber suspekt. Auf Sebastian Vettels Weg zum Doppel-Weltmeister
lagen heuer schon eine ganze Menge Steine.
Frontflügel, Auspuffgase und Budgetzahlen, überall sei gemogelt
worden. Nachweisen konnte man Red Bull bis zur Zielflagge gestern
Abend in Brasilien jedoch nichts. Ein Weltmeister ohne Kratzer und
Dellen. Auch das ist für die Formel 1 eher ungewöhnlich. ****
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