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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein zweiter Anlauf mit berechtigten Chancen" (Von Claudia Gigler)
Ausgabe vom 25.11.2011
Graz (OTS) - Es war nicht zu erwarten, dass die Gewerkschaft
mit Jubelrufen auf das Ansinnen reagiert, die Lehreranwesenheitszeit
zu erhöhen. Dennoch sind die Voraussetzungen dafür, dass die
Regierung diesmal damit ins Ziel kommt, günstiger als bisher.
Am Anfang steht die Erkenntnis ins Unmögliche. Den Versuch, in
bestehende Dienstverhältnisse einzugreifen, hat die Politik
aufgegeben. Übrigens nicht, weil sie machttechnisch dazu nicht in der
Lage wäre: Regierungen in ganz Europa, vor einigen Jahren auch
Deutschland, haben vorgezeigt, dass die Kollektivverträge der Beamten
- und nichts anderes ist das Dienstrecht - gleich behandelt werden
können und dürfen wie die Kollektivverträge der Privaten. Dass sie
also in beiderseitigem Einvernehmen änderbar sind, mit Folgewirkung
auch für bereits aktive Arbeitnehmer, wenn sie nicht mehr den
gesellschaftspolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen
entsprechen.
Im Falle der Lehrer hat man sich dennoch dazu entschlossen, dass nur
neu eintretende Lehrer von der längeren Anwesenheitspflicht betroffen
sein sollen. Zum einen, weil der bevorstehende Systemwandel leichter
zu schaffen ist, wenn er mit den älteren Kollegen, nicht gegen sie
bewerkstelligt werden kann. Zum Zweiten, weil auch nur die Junglehrer
von der Anhebung der Einstiegsgehälter profitieren. Zum Dritten, weil
diese sich tatsächlich auch besser einstellen können auf jene neuen
Arbeitsbedingungen, die eine stärkere Präsenz in den Schulen sinnvoll
erscheinen lassen.
Schule neu auf Basis der bereits eingeleiteten Reformen ist anders
als Schule alt: Lehrer sind nicht mehr Alleinunterhalter, sondern
Begleiter des selbstständigen Lernens, Vorbereitungen werden nicht
von jedem Lehrer neu erfunden, sondern im Kollektiv entwickelt und
weitergegeben, der Lehrer ist nicht nur Fachvortragender, sondern
auch Begleiter, bis hin zum gemeinsamen Mittagessen.
Mehr Anwesenheit bedeutet weniger Vereinzelung, mehr Teamarbeit heißt
weniger Vorbereitungsarbeit in den eigenen vier Wänden. Mehr Stunden
in der Schule sollten also keine größere Belastung sein, sondern eine
sinnvollere Verteilung der Arbeit.
Der Reiz, den Bayern mit höheren Gehältern bei höherer Anwesenheit
auf österreichische Junglehrer ausübt macht Mut. Dass es diesmal
nicht eine einzelne SPÖ-Ressortministerin ist, die sich in den Ring
stellt, sondern die ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter, zeigt, dass
die ÖVP endlich entschlossen ist, in Sachen Bildung nicht am Rande zu
stehen, sondern mitzureden.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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