BM Schmied verlieh Dietmar Schönherr das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse - Bild als download

"In seiner Rolle als sozial engagierte Persönlichkeit leistete er einen realen Beitrag zur scheinbar utopischen Vorstellung die Welt verbessern zu wollen", so BM Schmied

Wien (OTS) - Kulturministerin Dr. Claudia Schmied verlieh am Donnerstag dem bekannten Schauspieler, Moderator, Regisseur und Autor Dietmar Schönherr das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Die Laudatio hielt Ernst Grissemann, Gerhard Klingenberg meldete sich als Freund des Ehrenkreuzträgers zu Wort.

"Als provakanter Moderator der legendären Fernsehsendung 'Wünsch Dir was' platzierte Dietmar Schönherr gemeinsam mit seiner Frau Vivi Bach aktuelle und kontroverse Themen spielerisch in die Wohnzimmer der Gesellschaft und löste damit bewegte Diskussionen aus ohne die Kritik zu scheuen. Seine zahlreichen Bühnen- und Fernsehauftritte waren mehr von überlegter Provokation als von raschen Pointen oder spontanem Witz geprägt und gerade diese Provokationen sorgten für das nötige Salz im Film- und Fernsehgeschehen. Dietmar Schönherr reduziert seine Rolle für die Gesellschaft aber keinesfalls darauf Schauspieler, Moderator, Regisseur und Autor zu sein. Dietmar Schönherr setzt sich aktiv für Gerechtigkeit, Frieden und vor allem für Hilfe zur Selbsthilfe ein und beweist, wie viel ein einzelner mit Überzeugung, sozialer Haltung und Unterstützung Gleichgesinnter bewegen kann. Dietmar Schönherr meinte über sein soziales und politisches Engagement einmal bescheiden, er hätte das Gefühl etwas tun zu müssen. Nun haben wir das Gefühl etwas tun zu wollen und so darf ich Sie, geschätzter Herr Schönherr, heute mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse auszeichnen", so Kulturministerin Claudia Schmied.

"In seiner legendären Rolle in der Science-Fiction-Serie 'Raumpatrouille' sammelte Dietmar Schönherr viel Erfahrung im Umgang mit Utopien. In seiner Rolle als sozial engagierte Persönlichkeit leistete er einen realen Beitrag zur scheinbar utopischen Vorstellung die Welt verbessern zu wollen", sagte Bundesministerin Dr. Schmied.

Gerhard Klingenberg sagte "Dietmar Schönherr ist mein einziger Freund, er kann nicht mein bester sein, denn er ist mein einziger". Außerdem berichtete Klingerberg von vielen gemeinsamen Erlebnissen, die die Basis zur Freundschaft bildeten. Als er und Schönherr damals für zwei Monate durch Afrika fuhren, kam Schönherr auf die Idee Tierstimmen aufzunehmen und diese beim Lagerfeuer sitzend abzuspielen. Die beiden schliefen ein und als sie aufwachten, waren sie von einem Rudel Löwen umzingelt, die vom Tonband gerufen wurden, Glücklicherweise waren die Löwen enttäuscht und "angefressen". Solche Ideen und Schönherrs Spontanität erklärte Klingenberg mit den Worten:
"Dietmar ist ein brillanter Kopf mit hoher Intelligenz, aber es kann sich gar keiner vorstellen, wie blöd er ist. Er ist nämlich liebenswert."

Laudator Ernst Grissemann hielt eine mit vielen persönlichen Erlebnissen gespickte Laudatio und verriet dabei viel über Dietmar Schönherr als Mensch: "Es sind fünf Prinzipien, die das Leben und die Arbeit Dietmar Schönherrs bestimmen: Freiheit, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und die Kunst. Die Motoren seines Handelns heißen: Liebe und heiliger Zorn!" Grissemann lieferte auch die Hintergründe, "the very beginning", wie er es nannte zur großartigen Erfolgsgeschichte des Engagements Dietmar Schönherrs in Nicaragua:
"Als der berüchtigte Nato-Doppelbeschluss über die Bühne ging und mitten in Europa die todbringenden amerikanischen Atomraketen stationiert wurden, da saß der inzwischen als Schauspieler, Regisseur, Talkmaster bekannte Schönherr, den man überall als Weltraumpilot und schweizweit mehrheitlich als Reagan-Kritiker bejubelte, an der Seite von Heinrich Böll, Walter Jens, Peter Härtling und vielen anderen Prominenten aus allen Lagern mitten auf der Zufahrtsstraße zum Mutlanger Sperrgebiet. Die Polizei zeigte so was wie Solidarität und griff am ersten Tag nicht ein. Am zweiten wurden Dietmar und die Anderen weggetragen und später zu DM 8.000 Strafe verurteilt, die - so besagte es das Urteil, an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen sei. Schönherr nutzte die Freiheit der Entscheidung, gründete rasch einen gemeinnützigen Verein und überwies den Betrag dorthin. Das war nun "the very beginning" der großartigen Erfolgsgeschichte seines Engagements im kleinen, krisengeschüttelten Nicaragua, das sich in einen grausamen Bürgerkrieg verfangen hatte."

Weniger bekannt, aber nicht weniger relevant ist Dietmar Schönherr, der Schriftsteller. Sein zuletzt erschienenes Buch "Begrabt mein Herz am Fuße des Berges" handelt von der dänischen Insel Samsö, auf der die Resistance und die deutschen Besetzer beschlossen, dass der II. Weltkrieg auf dieser Insel nicht stattfinde - und es gelang. Eine wahre Geschichte und ein schönes Vorbild, von Dietmar Schönherr kunstvoll literarisch gestaltet und dennoch populär formuliert.

Die Überreichung des Dekrets und der Insignien fand im Rahmen eines Festakts im Kreise zahlreicher Wegbegleiter, KünstlerInnen und KollegInnen sowie Freunde und Familienmitgliedern des Preisträgers im Audienzsaal des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur statt. Musikalisch wurde der Festakt vom Christoph Mallinger Trio, vertreten durch Christoph Mallinger (Violine), Reinhard Schraml (Gitarre) und Martin Heinzle (Bass) mit ausgewählten Stücken von Jazz-Legende Thelonious Monk und Junior Mance umrahmt.

Dietmar Schönherr, geboren 1926 in Innsbruck, wendete sich in den 1940er Jahren dem Schauspiel zu. 1947 stieg Schönherr beim Österreichischen Rundfunk ein, wo er bis 1952 als Regisseur, Sprecher und Redakteur tätig war. Zugleich begann er ab 1951 eine intensive Schauspielerkarriere auf der Bühne und im Film, wo er in mehr als 70 Rollen zu sehen war. Große Popularität beim deutschsprachigen Fernsehpublikum errang Schönherr durch seine Mitwirkung an der Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille" in der Rolle des Commander McLane. Unvergesslich ist er einem Millionen-Publikum auch durch seine Moderation der ZDF-Quiz-Show "Wünsch Dir was" aus den Jahren 1970 bis 1972, die er gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin Vivi Bach, moderierte, und durch "Je später der Abend", der ersten Talkshow in der Bundesrepublik Deutschland aus den Jahren 1973 und 1974.

Dietmar Schönherr engagiert sich auch in politischer wie sozialer Hinsicht. Anfang der 1980er Jahre wurde er ein aktiver Unterstützer der deutschen Friedensbewegung. Mit den Einnahmen aus seinen Filmengagements und mit den Spenden vieler Freunde und Gönner unterstützt er seit 1985 fünf Solidaritätsprojekte in Nicaragua, darunter das Kulturzentrum Casa de los tres mundos in Granada. Dabei handelt es sich um eine integrierte Kunst- und Musikschule, die er mit seinem Freund Ernesto Cardenal und Peter Reichelt ins Leben rief. 1985 gründete er zusammen mit dem Mannheimer Filmemacher und Ausstellungsproduzenten Peter Reichelt die Hilfsorganisation Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Pronica e.V. Diese wurde 1994 in den Spenderverein Pan y Arte e.V. überführt.

Dietmar Schönherr wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 1976 erhielt er die "Goldene Kamera" der "HörZu". 1999 ehrte man ihn für sein politisches Wirken mit dem "Heinz-Galinski-Preis". Im Rahmen des "Deutschen Fernsehpreises" im Oktober 2005 wurde Dietmar Schönherr mit dem Ehrenpreis der Stifter bedacht. Im selben Jahr wurde er auch mit dem "Change the World Award" des "Club of Budapest" ausgezeichnet.

Das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse" zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich durch besonders hochstehende schöpferische bzw. anerkennenswerte Leistungen auf den Gebieten der Wissenschaft oder der Kunst allgemeine Anerkennung und einen hervorragenden Namen erworben haben.

Fotos und Programm der Verleihung, die Laudatio Ernst Grissemanns, sowie Informationen zu Dietmar Schönherrs Verein "Pan y Arte" sind unter http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/20111124.xml anrufbar.

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Mag. (FH) Julia Flunger-Schulz
Pressesprecherin
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