- 24.11.2011, 15:56:11
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BM Schmied verlieh Dietmar Schönherr das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse - Bild als download
"In seiner Rolle als sozial engagierte Persönlichkeit leistete er einen realen Beitrag zur scheinbar utopischen Vorstellung die Welt verbessern zu wollen", so BM Schmied
Wien (OTS) - Kulturministerin Dr. Claudia Schmied verlieh am
Donnerstag dem bekannten Schauspieler, Moderator, Regisseur und Autor
Dietmar Schönherr das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und
Kunst I. Klasse. Die Laudatio hielt Ernst Grissemann, Gerhard
Klingenberg meldete sich als Freund des Ehrenkreuzträgers zu Wort.
"Als provakanter Moderator der legendären Fernsehsendung 'Wünsch
Dir was' platzierte Dietmar Schönherr gemeinsam mit seiner Frau Vivi
Bach aktuelle und kontroverse Themen spielerisch in die Wohnzimmer
der Gesellschaft und löste damit bewegte Diskussionen aus ohne die
Kritik zu scheuen. Seine zahlreichen Bühnen- und Fernsehauftritte
waren mehr von überlegter Provokation als von raschen Pointen oder
spontanem Witz geprägt und gerade diese Provokationen sorgten für das
nötige Salz im Film- und Fernsehgeschehen. Dietmar Schönherr
reduziert seine Rolle für die Gesellschaft aber keinesfalls darauf
Schauspieler, Moderator, Regisseur und Autor zu sein. Dietmar
Schönherr setzt sich aktiv für Gerechtigkeit, Frieden und vor allem
für Hilfe zur Selbsthilfe ein und beweist, wie viel ein einzelner mit
Überzeugung, sozialer Haltung und Unterstützung Gleichgesinnter
bewegen kann. Dietmar Schönherr meinte über sein soziales und
politisches Engagement einmal bescheiden, er hätte das Gefühl etwas
tun zu müssen. Nun haben wir das Gefühl etwas tun zu wollen und so
darf ich Sie, geschätzter Herr Schönherr, heute mit dem
österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
auszeichnen", so Kulturministerin Claudia Schmied.
"In seiner legendären Rolle in der Science-Fiction-Serie
'Raumpatrouille' sammelte Dietmar Schönherr viel Erfahrung im Umgang
mit Utopien. In seiner Rolle als sozial engagierte Persönlichkeit
leistete er einen realen Beitrag zur scheinbar utopischen Vorstellung
die Welt verbessern zu wollen", sagte Bundesministerin Dr. Schmied.
Gerhard Klingenberg sagte "Dietmar Schönherr ist mein einziger
Freund, er kann nicht mein bester sein, denn er ist mein einziger".
Außerdem berichtete Klingerberg von vielen gemeinsamen Erlebnissen,
die die Basis zur Freundschaft bildeten. Als er und Schönherr damals
für zwei Monate durch Afrika fuhren, kam Schönherr auf die Idee
Tierstimmen aufzunehmen und diese beim Lagerfeuer sitzend
abzuspielen. Die beiden schliefen ein und als sie aufwachten, waren
sie von einem Rudel Löwen umzingelt, die vom Tonband gerufen wurden,
Glücklicherweise waren die Löwen enttäuscht und "angefressen". Solche
Ideen und Schönherrs Spontanität erklärte Klingenberg mit den Worten:
"Dietmar ist ein brillanter Kopf mit hoher Intelligenz, aber es kann
sich gar keiner vorstellen, wie blöd er ist. Er ist nämlich
liebenswert."
Laudator Ernst Grissemann hielt eine mit vielen persönlichen
Erlebnissen gespickte Laudatio und verriet dabei viel über Dietmar
Schönherr als Mensch: "Es sind fünf Prinzipien, die das Leben und die
Arbeit Dietmar Schönherrs bestimmen: Freiheit, Gewaltlosigkeit,
Gerechtigkeit, Solidarität und die Kunst. Die Motoren seines Handelns
heißen: Liebe und heiliger Zorn!" Grissemann lieferte auch die
Hintergründe, "the very beginning", wie er es nannte zur großartigen
Erfolgsgeschichte des Engagements Dietmar Schönherrs in Nicaragua:
"Als der berüchtigte Nato-Doppelbeschluss über die Bühne ging und
mitten in Europa die todbringenden amerikanischen Atomraketen
stationiert wurden, da saß der inzwischen als Schauspieler,
Regisseur, Talkmaster bekannte Schönherr, den man überall als
Weltraumpilot und schweizweit mehrheitlich als Reagan-Kritiker
bejubelte, an der Seite von Heinrich Böll, Walter Jens, Peter
Härtling und vielen anderen Prominenten aus allen Lagern mitten auf
der Zufahrtsstraße zum Mutlanger Sperrgebiet. Die Polizei zeigte so
was wie Solidarität und griff am ersten Tag nicht ein. Am zweiten
wurden Dietmar und die Anderen weggetragen und später zu DM 8.000
Strafe verurteilt, die - so besagte es das Urteil, an eine
gemeinnützige Einrichtung zu zahlen sei. Schönherr nutzte die
Freiheit der Entscheidung, gründete rasch einen gemeinnützigen Verein
und überwies den Betrag dorthin. Das war nun "the very beginning" der
großartigen Erfolgsgeschichte seines Engagements im kleinen,
krisengeschüttelten Nicaragua, das sich in einen grausamen
Bürgerkrieg verfangen hatte."
Weniger bekannt, aber nicht weniger relevant ist Dietmar
Schönherr, der Schriftsteller. Sein zuletzt erschienenes Buch
"Begrabt mein Herz am Fuße des Berges" handelt von der dänischen
Insel Samsö, auf der die Resistance und die deutschen Besetzer
beschlossen, dass der II. Weltkrieg auf dieser Insel nicht stattfinde
- und es gelang. Eine wahre Geschichte und ein schönes Vorbild, von
Dietmar Schönherr kunstvoll literarisch gestaltet und dennoch populär
formuliert.
Die Überreichung des Dekrets und der Insignien fand im Rahmen
eines Festakts im Kreise zahlreicher Wegbegleiter, KünstlerInnen und
KollegInnen sowie Freunde und Familienmitgliedern des Preisträgers im
Audienzsaal des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur
statt. Musikalisch wurde der Festakt vom Christoph Mallinger Trio,
vertreten durch Christoph Mallinger (Violine), Reinhard Schraml
(Gitarre) und Martin Heinzle (Bass) mit ausgewählten Stücken von
Jazz-Legende Thelonious Monk und Junior Mance umrahmt.
Dietmar Schönherr, geboren 1926 in Innsbruck, wendete sich in den
1940er Jahren dem Schauspiel zu. 1947 stieg Schönherr beim
Österreichischen Rundfunk ein, wo er bis 1952 als Regisseur, Sprecher
und Redakteur tätig war. Zugleich begann er ab 1951 eine intensive
Schauspielerkarriere auf der Bühne und im Film, wo er in mehr als 70
Rollen zu sehen war. Große Popularität beim deutschsprachigen
Fernsehpublikum errang Schönherr durch seine Mitwirkung an der
Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille" in der Rolle des Commander
McLane. Unvergesslich ist er einem Millionen-Publikum auch durch
seine Moderation der ZDF-Quiz-Show "Wünsch Dir was" aus den Jahren
1970 bis 1972, die er gemeinsam mit seiner Frau, der Schauspielerin
Vivi Bach, moderierte, und durch "Je später der Abend", der ersten
Talkshow in der Bundesrepublik Deutschland aus den Jahren 1973 und
1974.
Dietmar Schönherr engagiert sich auch in politischer wie sozialer
Hinsicht. Anfang der 1980er Jahre wurde er ein aktiver Unterstützer
der deutschen Friedensbewegung. Mit den Einnahmen aus seinen
Filmengagements und mit den Spenden vieler Freunde und Gönner
unterstützt er seit 1985 fünf Solidaritätsprojekte in Nicaragua,
darunter das Kulturzentrum Casa de los tres mundos in Granada. Dabei
handelt es sich um eine integrierte Kunst- und Musikschule, die er
mit seinem Freund Ernesto Cardenal und Peter Reichelt ins Leben rief.
1985 gründete er zusammen mit dem Mannheimer Filmemacher und
Ausstellungsproduzenten Peter Reichelt die Hilfsorganisation Stiftung
Hilfe zur Selbsthilfe Pronica e.V. Diese wurde 1994 in den
Spenderverein Pan y Arte e.V. überführt.
Dietmar Schönherr wurde bereits mit mehreren Preisen
ausgezeichnet. 1976 erhielt er die "Goldene Kamera" der "HörZu". 1999
ehrte man ihn für sein politisches Wirken mit dem
"Heinz-Galinski-Preis". Im Rahmen des "Deutschen Fernsehpreises" im
Oktober 2005 wurde Dietmar Schönherr mit dem Ehrenpreis der Stifter
bedacht. Im selben Jahr wurde er auch mit dem "Change the World
Award" des "Club of Budapest" ausgezeichnet.
Das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I.
Klasse" zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich durch besonders
hochstehende schöpferische bzw. anerkennenswerte Leistungen auf den
Gebieten der Wissenschaft oder der Kunst allgemeine Anerkennung und
einen hervorragenden Namen erworben haben.
Fotos und Programm der Verleihung, die Laudatio Ernst Grissemanns,
sowie Informationen zu Dietmar Schönherrs Verein "Pan y Arte" sind
unter http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/20111124.xml anrufbar.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Mag. (FH) Julia Flunger-Schulz Pressesprecherin Tel.: +43 1 53120 5030 mailto:[email protected] http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/index.xml
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