Diskussion in ATV "Am Punkt": Feiert der Job "Hausfrau" ein Comeback?

Ex-Frauenministerin Rauch-Kallat fordert finanzielle Absicherung für Hausfrauen

Wien (OTS) - Jede zweite junge Österreicherin wäre gerne
Hausfrau, wenn ihr Partner genug Geld verdienen würde. Gleichzeitig unterschätzen viele, welche finanzielle Unsicherheit diese Entscheidung mit sich bringen kann - so die einhellige Meinung gestern in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt". Die Universitätsdozentin Maria Mesner sagte, die Entscheidung, zuhause zu bleiben, sei riskant: "Sie hängt davon ab, ob eine Beziehung funktioniert. Und ich finde es schon eine sehr schlechte Voraussetzung für eine Beziehung, wenn man in ihr bleiben muss, weil man sich nicht leisten kann, wegzugehen." Anders als die bekennende Feministin Mesner betrachtet die deutsche Journalistin und vierfache Mutter Birgit Kelle den Job "Hausfrau" als erstrebenswert und erfüllend. Sie forderte in "Am Punkt" mehr Unterstützung für die Frauen: "Ich denke, es ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, wenn sie den Frauen die Verantwortung für den Fortbestand der Gesellschaft überträgt und dafür keine Anerkennung - auch nicht in der Rente später - gibt."

Die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) ergänzte:
"Eine Ehe ist keine Garantie für eine wirtschaftliche Absicherung und eine Ehe kann sehr schnell zu Ende sein. Und vor allem ist eine Ehe kaum mehr eine Altersabsicherung. Das heißt: die Frauen müssen ihre Rechte einfordern, wenn sie zu Hause bleiben." Konkret forderte Rauch-Kallat ein verpflichtendes "Pensionsplitting", d.h. dass der Elternteil, der Vollzeit gearbeitet hat, seine Pensionsansprüche mit dem Partner, der wegen der Kinder weniger oder gar nicht gearbeitet hat, teilt. Seit 2005 gibt es die Möglichkeit des freiwilligen Splittings. Es ist allerdings so gut wie gar nicht genutzt worden und kann als gescheitert betrachtet werden.

Anlass der Diskussion auf ATV war eine Studie des Wirtschaftsministeriums, wonach 55 Prozent der 14 bis 24jährigen Frauen gerne Hausfrauen sein würden, wenn sie es sich leisten könnten. Mesner sieht die Ursachen dafür darin, "dass die jungen Frauen Angst haben vor einer Arbeitswelt, die zunehmend von Konkurrenz geprägt ist, die zunehmend brutal ist, die zunehmend weniger Sicherheit bietet."

Ob es besser für die Kinder ist, wenn die Mutter zuhause bleibt oder wenn beide Eltern arbeiten, darüber gab es in "Am Punkt" keine Einigkeit. Ex-Ministerin Rauch-Kallat mochte niemandem einen Weg vorschreiben, hat aber als zweifache Mutter ihre eigenen Erfahrungen gemacht: "Ich wäre eine schreckliche Mutter gewesen, wenn ich keinen außerhäuslichen Berufstätigkeiten nachgegangen wäre, weil ich es nicht ausgehalten hätte und ich hätte wahrscheinlich alle meine Energien auf meine armen Kinder losgelassen - sie waren viel besser dran, dass sie mich nur am Nachmittag hatten und ich eine zufriedene Mutter war."

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