Tschad-Einsatz war Schub und Motor für Veränderungen im Bundesheer

Sicherheit für unsere Soldaten hat immer oberste Priorität

Wien (OTS/BMLVS) - 48 Jahre nach der bis dahin letzten Afrika-Mission im Kongo (1960) stellte der UNO-Friedenseinsatz der Europäischen Union im Tschad (2008 bis 2010) das Österreichische Bundesheer vor völlig neue Herausforderungen in einem bis dahin unbekannten Einsatzspektrum. Bestmögliche Rahmenbedingungen und höchstmögliche Sicherheit der Soldaten hatten daher oberste Priorität bei der Einsatzplanung. Alle Beschaffungen im Zuge des Einsatzes wurden ausschließlich unter dem Aspekt der Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten durchgeführt. Durch professionelle Vorbereitung und Durchführung verlief die Mission für das Bundesheer erfolgreich. Der Tschad-Einsatz brachte wichtige Erfahrung, hohe internationale Reputation und wesentliche Verbesserungen für künftige Einsätze.

Selbst der Rechnungshof (RH) stellt in seinem aktuellen Prüfbericht fest, dass "die Aufgabenerfüllung der österreichischen Truppen international anerkannt wurde." Darüber hinaus hat der RH bestätigt, dass "durch die rasche Einleitung von Planungen die Einsatzbereitschaft zeitgerecht vorgelegen ist".

Verbesserungen für künftige Einsätze
"Der Tschad- Einsatz brachte für das Bundesheer eine wesentliche Verbesserung für zukünftige Einsätze. Er war der Motor und Anlass für viele Beschaffungen, die auch für kommende Einsätze verwendet werden", sagt der Leiter der Einsatzsektion im BMLVS, Generalleutnant Christian Segur-Cabanac. Viele Anmerkungen des RH seien dabei längst eingeflossen bzw. wurden oder werden umgesetzt, so Segur. Dies betrifft z.B.
den Ankauf eines Flugrettungscontainer für die C130,
die systematische Auswertung aller Einsatzerkenntnisse,
ein Kalkulationsmodell für Auslandseinsätze,
die Vollkostenrechnung für Auslandseinsätze mittels SAP, Kooperationen mit zivilen Gesundheitseinrichtungen für die Ausbildung des Sanitätspersonals,
die Regierungsvorlage, mit der die Rechtsgrundlagen im Auslandseinsatzgesetz verankert werden, oder
der Beitritt zum "Movement Coordination Center Europe", der kostengünstige Transport-Ressourcen anderer Mitgliedsländer u.a. zur Luft und See nützt

Alle Beschaffungen für die Sicherheit der Soldaten
"Alle Beschaffungen für den Tschad-Einsatz sind unter dem ausschließlichen Aspekt der Sicherheit unserer Soldaten zu beurteilen", so Generalleutnant Segur. Wie in vielen anderen europäischen Staaten auch wird bei derartigen dringenden Beschaffungen auf die bestehenden Ausnahmeregelungen für die "Dringende Einsatzbeschaffung" zurückgegriffen.

So können nun z.B. getätigte Investitionen und Adaptierungen an Hubschraubern und Flugzeugen auch für zukünftige Einsätze genutzt werden. Das Bundesheer entwickelte, konstruierte und baute das Modell des PUCH G "Sandviper". Durch den Fahrzeughersteller wurden kostengünstig lediglich geringfügige Änderungen am Fahrgestell vorgenommen. Ein Fahrzeug für die Wüste war im Bundesheer vor dem Einsatz nicht verfügbar und musste daher für die Sicherheit unserer Soldaten adaptiert werden.

Der Einsatz erforderte z.B. auch den raschen Ankauf von "wüstentauglichen" Notebooks, um einerseits die internationalen Bestimmungen der Geheimhaltung einhalten zu können und anderseits auch bei extremen Temperaturunterschieden, Staub und Hitze funktionierende Geräte zur Verfügung zu haben. Die Geräte waren bereits vor dem Einsatz in der Beschaffungsplanung und wurden nur in einem beschleunigten Verfahren vorgezogen.
Der RH bemängelt auch die Höhe der Transportkosten und hat die Verwendung alternativer Transportvarianten (Bahn-, Schiff- und Straße) vorgeschlagen. In diesem Fall hätte der Transport in den Einsatzraum aber zwei (!) Monate gedauert.

"Eine spätere Beurteilung eines militärischen Einsatzes ausschließlich nach Buchhalterkriterien übersieht den Aspekt der Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten, der für uns absolut im Vordergrund steht", sagt Generalleutnant Christian Segur-Cabanac.

Viele RH-Empfehlungen bereits umgesetzt
Darüber hinaus wurden viele brauchbare Empfehlungen des RH bereits eingeleitet bzw. längst umgesetzt. Dazu zählt u.a. die Schaffung der Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung auf internationaler Ebene, die Teil des neuen "Sanitätskonzepts 2013 des Bundesheeres" wird. Das Konzept "Lessons Learned und Einsatzerfahrungen" ist in Bearbeitung. Das Konzept bildet die Grundlage für den Aufbau und die Entwicklung einer "Lessons Learned-Fähigkeit" im Bundesheer, welche sich im Einklang mit den in der NATO und der EU angewandten Prozessen befindet.
Mit der möglichen Ursache der Fehlbestände, insbesondere im Bereich der Munition, beschäftigt sich nun die Disziplinarabteilung.
"Der Erfahrungsgewinn unserer Soldaten und die internationale Reputation haben den Tschad-Einsatz zum Erfolg gemacht. Und vor allem ist festzuhalten, dass alle Soldaten wieder gesund nach Österreich zurückgekommen sind. Dies ist wohl das beste Zeugnis für die einsatztaugliche Ausrüstung und Ausbildung", so Segur abschließend. Der RH wurde gebeten, sensible Daten, die die Sicherheit unserer Soldaten bei künftigen Einsätzen gefährden könnten, nicht zu veröffentlichen. Aus völlig unverständlichen Gründen hat der RH dennoch auf einer Veröffentlichung bestanden.

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