Das lange Warten auf Selbstlosigkeit (von Claudia Grabner)

Ausgabe 24. Nov. 2011

Klagenfurt (OTS) - Letztens ein Gespräch mit einem
Mittelverdiener, 40 Stunden Arbeitszeit, inklusive Wochenende, detto Feiertag, Vater von drei Kindern, der schauen muss, wie es sich "ausgeht" bis zum Monatsende, sparen für den Schikurs des Sohnes, Weihnachtsgeld weglegen für die Nachhilfe der Tochter ... Besagter Mann jedenfalls reißt im Laufe besagten Gesprächs die Augen auf, just als die Rede auf die Reichensteuer kommt: "Was soll das? Diese Steuer bringt gar nichts, ein paar Millionen, wir brauchen aber Milliarden. Die kann man sich nur holen, wenn die Masse zahlt, also auch wir Kleinen." Womit ich es bin, die die Augen aufreißt - weniger im Schrecken, als im Ärger ob derartiger Naivität: "Es geht um ein Zeichen, dass jene, die haben, ein bisschen mehr geben." Ich sage es und weiß, dass die tatsächliche Naivität in dieser meiner Hoffnung auf die Selbstlosigkeit von Vermögenden oder in welcher Weise auch immer Privilegierten liegt ... Es gibt Zeiten, da hilft kein Warten auf den freiwilligen Verzicht, kein Warten auf selbstlose Einsicht. Da zählt nur das Tun.

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