HIV-Therapie ermöglicht gute Lebensqualität, zentrales Ziel bleibt Entstigmatisierung

Wien (OTS) - 7.000 bis 8.000 HIV-Infizierte leben in Österreich, knapp 3.700 davon werden in Spitalsambulanzen und von niedergelassenen Ärzten betreut. Dank einer breiten Palette wirksamer Medikamente können die HIV-Infektion und AIDS gut behandelt werden. Anlässlich des Welt-AIDS-Tages präsentiert die ÖGNÄ-HIV die Ergebnisse einer Patientenbefragung zum Thema Lebensqualität und HIV-Therapie im Rahmen eines Pressefrühstücks.

"Das Leben mit HIV hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt - im positiven Sinn", so der 56-jährige Krankenpfleger Helmut, der sich Ende 1995 infizierte. "Die Kombinationstherapie ermöglicht ein relativ normales Leben." Vor Beginn der Therapie werden die Patienten umfassend über die diversen Einnahmemöglichkeiten und etwaige Nebenwirkungen informiert. "Da die verfügbaren Therapieschemen eine vergleichbare Wirksamkeit haben, können und sollen individuelle Bedürfnisse, zum Beispiel Essgewohnheiten und die berufliche Situation des Patienten, in der Therapiewahl berücksichtigt werden", betont OA Dr. Brigitte Schmied, Leiterin der Immunambulanz im Otto-Wagner-Spital, II. Interne Abteilung SMZ Baumgartner Höhe. Dies ist nicht zuletzt deshalb sinnvoll, weil die Zufriedenheit des Patienten eine zentrale Voraussetzung dafür ist, dass er die lebenslang erforderliche Dauerbehandlung auch zuverlässig einnimmt.

Erfolgreiche Kombinationstherapien

Die Start-Therapie besteht aus einer Kombination von drei Substanzen, die die Vermehrung des Virus an unterschiedlichen Stellen hemmen. "Ziel ist es, die Virusvermehrung möglichst stark zu unterdrücken und so die Virusmenge unter die Nachweisbarkeitsgrenze zu senken", erklärt Schmied. Dadurch bleibt die Funktion des Immunsystems erhalten bzw. wird wieder verbessert, der Ausbruch von AIDS wird verhindert. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung bzw. Verbesserung von Gesundheitszustand und Lebensqualität sowie der Leistungs- und Berufsfähigkeit des Einzelnen. Auf der anderen Seite sinkt durch die Verringerung der Virusbelastung auch das Infektionsrisiko für andere. Damit ist die Therapie auch eine effektive Präventionsmethode.

Detaillierte Dokumentation der ÖGNÄ-HIV

Die Betreuung HIV-infizierter Patienten erfolgt zu 85 Prozent in den Spitalsambulanzen der sieben größten Behandlungszentren (Allgemeine Krankenhäuser in Wien und Linz, Otto-Wagner-Spital in Wien, Landeskrankenhäuser in Graz, Klagenfurt und Salzburg und Universitätsklinik Innsbruck). Die "Österreichische Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Betreuung HIV-Infizierter" (ÖGNÄ-HIV) untersucht die Daten jener 15 Prozent an HIV-positiven Patienten, die von niedergelassenen Ärzten betreut werden. Weiters wurde von der ÖGNÄ-HIV im Herbst 2009 mit Unterstützung von Merck Sharp & Dohme Österreich die Lebensqualität von Patienten mit einer HIV-Therapie in HIV-Schwerpunktpraxen und drei HIV-Ambulanzen untersucht. "Insgesamt wurden 472 Patienten in diese im deutschsprachigen Raum größte Studie zu diesem Thema eingeschlossen", berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Horst Schalk, Gründungsmitglied von ÖGNÄ-HIV.

Nebenwirkungen belasten nur wenig

Die meisten Behandelten berichten von Nebenwirkungen der HIV-Therapie. Neben therapiespezifischen Beschwerden wie zum Beispiel Gelbsucht werden uncharakteristische Nebenwirkungen wie etwa Müdigkeit, Energiemangel, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Schwindel und Ängste genannt. Jeder zweite befragte HIV-Patient gibt an, sich von Nebenwirkungen in den meisten Lebensbereichen nicht beeinträchtigt zu fühlen.

Stigmatisierung und Angst vor Ansteckung

Der wichtigste die Lebensqualität mindernde Aspekt ist nach wie vor die Angst davor, dass andere Menschen von der HIV-Infektion erfahren und vor der damit häufig immer noch verbundenen Stigmatisierung. Weiters fürchten HIV-Patienten besonders, andere Menschen anzustecken. Diese Sorge spiegelt sich in einem hohen Verantwortungsbewusstsein wieder: 80 Prozent der Befragten geben an, immer oder meistens auf sicheren Sex zu achten - und dies, obwohl Patienten unter einer gut funktionierenden, laufend kontrollierten Therapie de facto nicht mehr infektiös für andere Menschen sind.

Herausforderungen für die Zukunft

Prävention bleibt nach wie vor der wichtigste Faktor. "Auch wenn die Epidemie in Österreich nicht jenes Ausmaß angenommen hat, welches Mitte der 1980er-Jahre zu befürchten war, muss betont werden, dass sich in Österreich täglich nach wie vor ein bis zwei Personen mit dem HI-Virus infizieren", so Dr. Magdalena Arrouas, Bundesministerium für Gesundheit. "Eine weitere Herausforderung ist die breite Aufklärung der Bevölkerung, um die Diskriminierung abzubauen und HIV-Infizierten ein normales Leben - auch Arbeitsleben - zu ermöglichen."

Pressemappe (PDF- Download):
http://www.ots.at/redirect/pressemappe1

Die Studie der ÖGNÄ (PDF- Download):
http://www.oegnae-hiv.at//Lebensqualitaet_und%20_ART_%28Studie%29.pdf

Weitere aktuelle Fotos vom Pressefrühstück:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2531

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Daniela Hennrich
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