• 23.11.2011, 10:23:17
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FPÖ: Österreich droht akuter Ärztemangel

Gegenmaßnahmen dringend erforderlich - Bedarfsstudie wird zurückgehalten

Wien (OTS) - Die freiheitlichen Gesundheitspolitiker sehen die
Gefahr eines akuten Ärztemangels in Österreich und verlangten daher
heute in einer Pressekonferenz rasche Gegenmaßnahmen. Ärztesprecher
NAbg. Dr. Andreas Karlsböck verwies auf die EU-Kommission, die einen
Mangel von 230.000 Ärzten in der Union in zehn Jahren errechnet habe.
Dieser werde zweifellos auch in Österreich schlagend, spätestens dann
wenn die mehr als 13.000 Ärzte, die heute zwischen 46 und 55 Jahre
alt sind, in Pension gingen. "Auf der anderen Seite wurden heuer nur
1150 Studenten an den Medizin-Unis neu zugelassen. Auf Grund der
Quoten für Ausländer sind darunter nur 860 Österreicher. Zieht man
davon noch die Studienabbrecher ab und jene, die wegen der schlechten
postgradualen Ärzteausbildung ins Ausland gehen, so wird klar
erkennbar, dass damit nicht einmal der Abgang in die Pension gedeckt
werden kann", rechnet Karlsböck vor.

FPÖ-Gesundheitssprecherin NAbg. Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein
konstatierte Untätigkeit bei den verantwortlichen Politikern im
Gesundheits- und Wissenschaftsministerium: "Eine Ärztebedarfsstudie,
die erstmals im Juni 2010 angekündigt wurde, liegt noch immer nicht
vor. Mittlerweile können wir uns auch denken warum, nachdem bei der
gestrigen Diskussion zum Thema Ärztemangel im Parlament Sektionschef
Auer aus dem Gesundheitsministerium offen gesagt hat, dass die Zahlen
zwar schon vorhanden sind, es aber unterschiedliche Auffassungen über
deren Interpretation gibt. Das lässt erwarten, dass die Ergebnisse
unsere Befürchtungen bestätigen und daher noch schöngerechnet werden
sollen", so Belakowitsch-Jenewein. Sie fordert, dass die Fakten jetzt
endlich auf den Tisch gelegt werden, damit geeignete Maßnahmen
ergriffen werden können.

Neben einer Aufhebung der Zugangsbeschränkungen und der Errichtung
einer zusätzlichen Medizinischen Universität in Linz fordern die
Freiheitlichen eine Reform des Ärzteausbildungssystems. Vorbild könne
dafür das deutsche Bundesland Sachsen sein, wo Turnus und
Facharztausbildung in einem integrierten Curriculum in maximal sechs
Jahren absolviert werden können. "In Österreich dauert das gemeinsam
neun Jahre, die fast schon obligatorische Wartezeit von
durchschnittlich zweieinhalb Jahren auf einen Turnusplatz gar nicht
einberechnet", so Karlsböck, der auch hervorhebt, dass in Deutschland
die Absolventen von Beginn an als vollwertige Mediziner tätig werden
können und dabei einen Ausbildungsbevollmächtigten als Tutor zur
Seite gestellt bekommen. "Ein solcher Ausbildungsassistent wird auch
in Österreich schon seit zwanzig Jahren gefordert, doch das Problem
ist weiterhin ungelöst", erklärt Karlsböck. Problematisch sei auch,
dass es so gut wie keine Teilzeit-Turnusplätze gebe, die eine
Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen würden, und die
Lehrpraxis als Alternative für einen Teil der Ausbildung nicht
ausreichend gefördert werde.

Für Belakowitsch-Jenewein ist evident, dass alle Beteiligten sich der
Gefahr eines Ärztemangels bewusst seien, aber nicht handeln. "Es ist
bemerkenswert, wenn Ärztekammerpräsident Dorner bei der gestrigen
Veranstaltung angekündigt hat, dass man sich noch vor den 70jährigen
Ärzten niederknien werde, damit sie in den Ordinationen bleiben. Das
kann jedoch kein Rezept für eine zukunftsorientierte
Gesundheitspolitik sein. Wir verstellen auf der einen Seite
zahlreichen hochqualifizierten jungen Menschen den Zugang zum
Medizinstudium und vertreiben sie dann noch durch eine abschreckend
lange und schlecht organisierte Weiterbildung ins Ausland, woher
viele nicht zurückkehren." Die Gesundheitssprecherin verweist darauf,
dass die Ärztekammer die Vermittlung von Medizin-Absolventen nach
Deutschland sogar aktiv betreibt. "Dies ist für die jungen Menschen
zwar eine Hilfe, weil sie schneller vorankommen, für unser
Gesundheitssystem jedoch in Summe schädlich."

Wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen würden - sowohl im Bereich der
Uni-Zulassung als auch bei der Facharztausbildung - so befürchten die
Freiheitlichen zwei Szenarien: Entweder müsse man um teures Geld
fertige Mediziner aus dem Ausland anwerben oder es würden chronisch
unterversorgte Gebiete insbesondere im ländlichen Bereich entstehen.
Beide Alternativen seien nicht wünschenswert und die Verantwortlichen
daher dringend gefordert, jetzt gegenzusteuern, solange sich der
Trend noch stoppen lasse.

Rückfragehinweis:

Freiheitlicher Parlamentsklub
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