FPÖ: Österreich droht akuter Ärztemangel

Gegenmaßnahmen dringend erforderlich - Bedarfsstudie wird zurückgehalten

Wien (OTS) - Die freiheitlichen Gesundheitspolitiker sehen die Gefahr eines akuten Ärztemangels in Österreich und verlangten daher heute in einer Pressekonferenz rasche Gegenmaßnahmen. Ärztesprecher NAbg. Dr. Andreas Karlsböck verwies auf die EU-Kommission, die einen Mangel von 230.000 Ärzten in der Union in zehn Jahren errechnet habe. Dieser werde zweifellos auch in Österreich schlagend, spätestens dann wenn die mehr als 13.000 Ärzte, die heute zwischen 46 und 55 Jahre alt sind, in Pension gingen. "Auf der anderen Seite wurden heuer nur 1150 Studenten an den Medizin-Unis neu zugelassen. Auf Grund der Quoten für Ausländer sind darunter nur 860 Österreicher. Zieht man davon noch die Studienabbrecher ab und jene, die wegen der schlechten postgradualen Ärzteausbildung ins Ausland gehen, so wird klar erkennbar, dass damit nicht einmal der Abgang in die Pension gedeckt werden kann", rechnet Karlsböck vor.

FPÖ-Gesundheitssprecherin NAbg. Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein konstatierte Untätigkeit bei den verantwortlichen Politikern im Gesundheits- und Wissenschaftsministerium: "Eine Ärztebedarfsstudie, die erstmals im Juni 2010 angekündigt wurde, liegt noch immer nicht vor. Mittlerweile können wir uns auch denken warum, nachdem bei der gestrigen Diskussion zum Thema Ärztemangel im Parlament Sektionschef Auer aus dem Gesundheitsministerium offen gesagt hat, dass die Zahlen zwar schon vorhanden sind, es aber unterschiedliche Auffassungen über deren Interpretation gibt. Das lässt erwarten, dass die Ergebnisse unsere Befürchtungen bestätigen und daher noch schöngerechnet werden sollen", so Belakowitsch-Jenewein. Sie fordert, dass die Fakten jetzt endlich auf den Tisch gelegt werden, damit geeignete Maßnahmen ergriffen werden können.

Neben einer Aufhebung der Zugangsbeschränkungen und der Errichtung einer zusätzlichen Medizinischen Universität in Linz fordern die Freiheitlichen eine Reform des Ärzteausbildungssystems. Vorbild könne dafür das deutsche Bundesland Sachsen sein, wo Turnus und Facharztausbildung in einem integrierten Curriculum in maximal sechs Jahren absolviert werden können. "In Österreich dauert das gemeinsam neun Jahre, die fast schon obligatorische Wartezeit von durchschnittlich zweieinhalb Jahren auf einen Turnusplatz gar nicht einberechnet", so Karlsböck, der auch hervorhebt, dass in Deutschland die Absolventen von Beginn an als vollwertige Mediziner tätig werden können und dabei einen Ausbildungsbevollmächtigten als Tutor zur Seite gestellt bekommen. "Ein solcher Ausbildungsassistent wird auch in Österreich schon seit zwanzig Jahren gefordert, doch das Problem ist weiterhin ungelöst", erklärt Karlsböck. Problematisch sei auch, dass es so gut wie keine Teilzeit-Turnusplätze gebe, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen würden, und die Lehrpraxis als Alternative für einen Teil der Ausbildung nicht ausreichend gefördert werde.

Für Belakowitsch-Jenewein ist evident, dass alle Beteiligten sich der Gefahr eines Ärztemangels bewusst seien, aber nicht handeln. "Es ist bemerkenswert, wenn Ärztekammerpräsident Dorner bei der gestrigen Veranstaltung angekündigt hat, dass man sich noch vor den 70jährigen Ärzten niederknien werde, damit sie in den Ordinationen bleiben. Das kann jedoch kein Rezept für eine zukunftsorientierte Gesundheitspolitik sein. Wir verstellen auf der einen Seite zahlreichen hochqualifizierten jungen Menschen den Zugang zum Medizinstudium und vertreiben sie dann noch durch eine abschreckend lange und schlecht organisierte Weiterbildung ins Ausland, woher viele nicht zurückkehren." Die Gesundheitssprecherin verweist darauf, dass die Ärztekammer die Vermittlung von Medizin-Absolventen nach Deutschland sogar aktiv betreibt. "Dies ist für die jungen Menschen zwar eine Hilfe, weil sie schneller vorankommen, für unser Gesundheitssystem jedoch in Summe schädlich."

Wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen würden - sowohl im Bereich der Uni-Zulassung als auch bei der Facharztausbildung - so befürchten die Freiheitlichen zwei Szenarien: Entweder müsse man um teures Geld fertige Mediziner aus dem Ausland anwerben oder es würden chronisch unterversorgte Gebiete insbesondere im ländlichen Bereich entstehen. Beide Alternativen seien nicht wünschenswert und die Verantwortlichen daher dringend gefordert, jetzt gegenzusteuern, solange sich der Trend noch stoppen lasse.

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