• 21.11.2011, 10:17:22
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ungarn zeigt die Grenzen des IWF auf - von Hans Weitmayr

Als ob man ein Buschfeuer mit Spritzpistolen bekämpft

Wien (OTS) - Nur äußerst vorsichtig nähert sich Ungarn dieser Tage
dem IWF an. Man suche eine neue Art der Kooperation mit dem Fonds,
Gelder sollen keine fließen. Denn mit IWF-Krediten sind immer auch
ökonomische Auflagen verbunden - für die national orientierte
Regierung Orban ein unerträglicher Souveränitätsverlust. Erst im
Sommer des Vorjahres waren Verhandlungen über milliardenschwere
Kreditfreigaben gescheitert. Der Fonds forderte Sparmaßnahmen, Orban
konterte mit einer Bankensteuer und der Bemerkung, man verbitte sich
Einmischungen in interne Angelegenheiten.

Bemerkenswerterweise reagierten die Finanzmärkte auf die äußerst
vorsichtige und maximal halbherzige Annäherung zwischen IWF und
Budapest positiv. Der ins Rutschen geratene Forint erholte sich und
legte gegen den Euro die stärkste Rally seit eineinhalb Jahren hin.
Man ist auf den ersten Blick versucht, mit dieser Reaktion die
Durchschlagskraft und Sinnhaftigkeit des IWF zu rühmen - leider zeigt
das Beispiel Ungarn aber eher seine Beschränkungen als seine
Möglichkeiten auf. Denn der kurzfristige Erfolg, den der Fonds ohne
wirkliche Eigenleistung für Ungarns Währungsmarkt erzielte, wirft nur
ein umso grelleres Schlaglicht auf sein Unvermögen, wo es derzeit am
wichtigsten ist: Der Euro-Peripherie. Sieht man sich das derzeit
bereitgestellte Kreditvolumen von rund 220 Milliarden Euro an und
zieht in Betracht, dass selbst die Europäer mittlerweile glauben,
ihre EFSF müsste mit zumindest einer Billion Euro ausgestattet sein,
weiß man, dass der IWF versucht, mit einer Spritzpistole einen
Flächenbrand zu löschen, der längst das Ausmaß eines australischen
Buschfeuers angenommen hat.

Tatsächlich hat der IWF - ebenso wie die gesamte Europäische Union -
nur dann eine Chance gehabt, dieses Feuer zu löschen, als es noch ein
auf Griechenland reduzierter Schwelbrand war. Gescheitert ist man an
den eigenen Institutionen, der europäischen Politmühle, aber auch dem
Misstrauen, das Einzelstaaten dem Fonds praktisch prinzipiell
entgegenbringen. Auch mit dem Versuch, von den Emerging Markets
Mittel zur Aufstockung der EFSF auf die berühmte Billion zu erhalten,
ist man de facto an die Wand gefahren.

Das Wohl und Wehe von kontinentalen Volkswirtschaften wie der
ungarischen wird schon längst nicht mehr in den einzelnen Ländern
selbst entschieden. Alles entscheidet sich in der Peripherie. Gelingt
es in diesem Sinne nicht, EZB oder EFSF möglichst bald als
glaubwürdige Verteidiger der Eurozone aufzustellen, bleiben alle
Bemühungen zur Stabilisierung einzelner Volkswirtschaften genau
eines: Zeitverschwendung.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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