Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 20. November 2011. Von LIANE PIRCHER. "Handeln statt nur formulieren."

Mit Kinderrechten lässt sich politisch gut PR betreiben. Beim Umsetzungswillen ins "echte Leben" sieht es hingegen düster aus.

Innsbruck (OTS) - Kinder haben Rechte: auf persönliche
Entwicklung, eine gewaltfreie Erziehung und auf den besonderen Schutz vor Vernachlässigung und Ausbeutung. Dagegen argumentiert hierzulande wohl niemand mehr. Gut und längst überfällig war, dass Kinderrechte aus der UNO-Kinderrechtskonvention in die Bundesverfassung gehoben wurden - wenigstens Teile davon. Ein symbolischer Akt, der zur Bewusstseinsbildung beiträgt und rechtlich durchsetzbare Ansprüche junger Menschen verbessert. Das ändert aber nichts daran, dass zwischen Recht und Wirklichkeit eine dunkle Lücke klafft. Formulierungen am Papier verpuffen, sind Alibi, wenn parallel nicht gehandelt und geholfen wird. Zum Beispiel mit Geld: Damit möglichst alle Kinder sich entfalten können, müssen Eltern, Sozialarbeiter, Pädagogen und Psychologen Zeit haben, in vielerlei Hinsicht unterstützt werden - und das kostet. Was nützt einem Kind die Verfassungsänderung, wenn es von seiner überfordeten Mutter, seinem Vater, geschlagen wird? Wenn Eltern das Kind zwar versorgen, doch für Liebe und Förderung keine Kraft bleibt? Geht es Eltern materiell, sozial und seelisch schlecht, geht es Kindern schlecht.
Will man Kinderrechte wirklich verbessern, dann müsste man auch einzelne Praktiken von Behörden (u.a. Jugendwohlfahrt) hinterfragen und genauer hinschauen, wo es Probleme gibt. Aber dazu müsste die Politik auf Kompetenzen, Prävention, Finanzen, detaillierte Gesetze und echte Entschlossenheit setzen. Handeln statt formulieren. Neu denken und mehr in Familienarbeit und psychosoziale Netzwerke ab der Geburt bis ins Jugendalter investieren. All das käme den Kinderrechten zugute. Dafür fehlt politisch der Wille.

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