"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer A wie Antrittsalter sagt, muss auch B sagen" (von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 18.11.2011

Graz (OTS) - Länger hackeln am Fließband oder an der Kasse, länger jobben am Schreibtisch oder in der Klasse, Frauen sollen nicht spätestens mit ihrem 60. Geburtstag in Pension gehen - nun will also sogar Sozialminister Rudolf Hundstorfer, in seinem früheren Leben immerhin oberster Gewerkschaftsboss, "offen" darüber reden. Ist es nicht wirklich ein Wahnsinn, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen, wie das in der Fachsprache heißt, erst 2033 an jenes der Männer angeglichen sein wird?

Ja, brav, Rudi zeigt den Willen zur Reform, danke, sehr gut - jetzt aber nicht setzen. Sondern schnell weitergemacht! Wer A wie Antrittsalter der Frauen sagt, muss auch B wie Beamtengehälter sagen, das geht bis zu S wie Studiengebühren und dann fangen wir mit der Abschaffung der Altersteilzeit von vorne an.

Der Reihe nach: Der Grund dafür, dass Frauen auf dem Papier früher in Ruhestand treten dürfen, ist, dass viele Mütter jahrelang keinem Job nachgehen, daher also erst später als Männer die nötigen Versicherungszeiten für eine - kleinere - Pension gesammelt haben. Deshalb schaffen es viel mehr Männer in Frühpension als Frauen. Mit dem Resultat, dass Männer im Durchschnitt nicht fünf Jahre später in Rente gehen, sondern nur 1,4.

Also, ja, es geht nicht an, dass die Österreicher mit 58,2 Jahren aus dem Arbeitsmarkt drängen - oder gedrängt werden. Will man aber nicht nur bei den Frauen sparen, dann bitte auch gleich weg mit der Hacklerregelung und allen anderen, die Unternehmen subventionieren, wenn sie ihre altgedienten Mitarbeiter verabschieden.

Trotzdem muss es noch einmal betont werden: Schön, wenn der Sozialminister Reformeifer an den Tag legt. Gut, dass er seine Andeutung - mehr war es nicht - im Parlament gemacht hat. Denn der Nationalrat wird heute das Budget 2012 beschließen. Schuldenbremse, Sparpakete, 2 Milliarden weniger Defizit pro Jahr - all die Schlagworte, die uns in den letzten Tagen um die Ohren flogen, waren Schall und Rauch, Pardon: Signale an die Märkte. Im Budget 2012 wurde keine Kommastelle geändert.

Sparen will man erst im Wahljahr 2013. Wer's glaubt, wird selig. Und wenn nicht, muss halt die nächste Bundesregierung die Drecksarbeit machen. Die hochtrabend sogenannte Schuldenbremse wird ja erst später gezogen.

Wer S wie Sparen sagt, sagt noch lange nicht A wie Alleinverdienerabsetzbetrag für Pensionistenpaare abschaffen: Vor einem Jahr verkündete die Bundesregierung dessen Streichung; diese Woche, dass er wieder eingeführt wird.****

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