Erholung der europäischen Bauwirtschaft verzögert sich - weiterer Rückgang für 2012 erwartet

Wien (OTS/WIFO) - Nach wie vor ist die Bauwirtschaft in Europa
durch das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Konjunktureintrübung geschwächt. Eine nachhaltige Erholung ist im Durchschnitt der 19 vom europäischen Bauforschungsnetzwerk Euroconstruct untersuchten Länder derzeit nicht in Sicht. Euroconstruct erwartet für 2012 deshalb einen weiteren Rückgang der Bauproduktion um 0,3%. Die europäische Bauwirtschaft schrumpft damit das fünfte Jahr in Folge. Während der Sektor in Portugal, Spanien, Großbritannien und Irland immer noch unter den Nachwirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise leidet, ist in den nordischen Ländern bereits eine stabile Erholung zu verzeichnen. Auch für die österreichische Bauwirtschaft wird bis 2014 ein geringfügiges Wachstum erwartet.

Gemäß den Ergebnissen der 72. Euroconstruct-Konferenz, die am 9. November in Paris stattfand, verzögert sich die Erholung der Bauwirtschaft in Europa um ein Jahr - ein Wachstum wird somit erst für 2013 erwartet. Zwar waren bereits Anfang 2011 erste Anzeichen einer Erholung zu beobachten, die Verschärfung der Schuldenkrise und die Unterbrechung des Aufschwungs im Jahr 2012 dämpfen jedoch die Wachstumsmöglichkeiten des Sektors massiv. 2012 dürfte die Bauproduktion deshalb in den 19 vom Forschungsnetzwerk Euroconstruct untersuchten Ländern insgesamt um 0,3% schrumpfen - das fünfte Jahr in Folge. 2013 und 2014 sollte sie wieder um etwa 1,8% bis 2% wachsen, rascher als das Bruttoinlandsprodukt. Das Vorkrisenniveau wird jedoch bei weitem noch nicht erreicht.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern des Euroconstruct-Netzwerks: In den nordischen Ländern (Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden) wurde der Tiefpunkt der Baukonjunktur bereits 2010 (oder früher) erreicht, und auch in Mitteleuropa entwickelt sich die Bauwirtschaft sehr stabil; das Wachstum ist hier jedoch etwas niedriger als in den skandinavischen Ländern. Mit Ausnahme Polens, dessen Bausektor ausgesprochen dynamisch ist, zeichnet sich in Ostmitteleuropa noch keine Rückkehr auf einen Wachstumspfad ab. Am ungünstigsten sind die Aussichten jedoch weiterhin in den südlichen Ländern Spanien, Italien und Portugal sowie in Irland und Großbritannien - der Tiefpunkt wird in diesen Ländern frühestens 2012 erreicht.

Zwar sind in einigen Ländern gemeinsame Tendenzen zu erkennen, der Erholungsprozess ist dennoch stark länder- und vor allem auch spartenspezifisch. Im Durchschnitt der 19 Euroconstruct-Länder trug die Sanierungsaktivität zur Stabilisierung während und nach der Krise ebenso bei wie dank der öffentlichen Konjunkturbelebungsprogramme auch der Tiefbau (bis 2009). Ab 2013 werden mehr Impulse aus dem Neubau (insbesondere Hochbau, d. h. Wohnbau und sonstiger Hochbau) erwartet, wenn auch die Sanierung weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird (Übersicht 1).

Ähnlich diesem europäischen Trend ist auch in Österreich für 2011 und 2012 ein mäßiges Wachstum der Bauwirtschaft von 0,7% zu erwarten, das sich 2013 etwas beschleunigen wird, weil sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld verbessern sollte. Getragen wird dieses Wachstum vor allem durch den Hochbau. Während im Wohnbau die Sanierung eine größere Rolle spielt, wächst im sonstigen Hochbau der Neubau etwas stärker. Das Potential für den Tiefbau bleibt aufgrund des öffentlichen Sparkurses schwach.

Übersicht 1: Bauvolumen nach Sparten in den Euroconstruct-Ländern 2008/2014 - auf der WIFO-Website (
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12 )

Hinweis: Bauforschung im Rahmen des Euroconstruct-Netzwerkes

Dem Euroconstruct-Netzwerk gehören Bau- und Konjunkturforschungsinstitute aus 19 europäischen Ländern an, darunter auch das WIFO. Zweimal jährlich werden im Rahmen einer Konferenz Analysen und Prognosen zur Baukonjunktur und zur Entwicklung in den einzelnen Sparten (Wohnbau, sonstiger Hochbau, Tiefbau) vorgelegt.

Als die "19 Euroconstruct-Länder" werden hier 15 westeuropäische Länder (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien) und 4 ostmitteleuropäische Länder bezeichnet (Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn).

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Andrea Kunnert
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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