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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Israels "Erstschlag" ist ein Krieg der Worte" (Von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 10.11.2011
Graz (OTS) - Als der Iran noch Persien hieß und als noch der
Schah auf dem Pfauenthron saß, hatte das damals noch junge Israel
keine Probleme mit den Iranern. Doch seit in Teheran die Mullahs
regieren und mit Mahmoud Ahmadinejad ein Präsident am Ruder steht,
der den Holocaust leugnet, Israel dezitiert ausradieren und die Juden
ins Mittelmeer treiben will, ist die Bedrohung eine sehr reale
geworden.
Offenbar basteln die Mullahs schon fleißig an ihrer Atombombe. Haben
sie schon in einem Jahr eine einsatzbereite oder wird es noch ein
paar Jahre dauern, bis es so weit sein wird? Auch der neueste Bericht
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien über das
iranische Atomprogramm, der gestern veröffentlicht wurde, konnte
diese Frage nicht klar beantworten.
Der schlüssige Beweis, ob tatsächlich etwas dran ist an der
iranischen Superbombe, wird wohl dann erst erbracht sein, wenn ein
erster Atomtest irgendwo unter dem Wüstenboden des Iran die Welt im
wahrsten Sinn des Wortes erschüttert.
So weit wollen die Israelis es erst gar nicht kommen lassen. Einmal
mehr drohen sie jetzt mit einem "Erstschlag" gegen die iranischen
Atomanlagen. Das wäre militärisch ein äußerst schwieriges
Unterfangen, weil die Mullahs ihre Anlagen tief unter die Erde
verlegt und auch nicht an einem Ort konzentriert haben. Vor allem
aber wären die Folgen eines derartigen israelischen Angriffs
militärisch, politisch und wirtschaftlich für die gesamte Region
unabsehbar.
Der Ex-Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan,
warnte kürzlich vor einem Angriff auf den Iran. "Das wäre eine ganz
dumme Idee!", sagte er. Dennoch mussten viele Israelis in diesen
Tagen den Eindruck bekommen, ein Angriff auf den Iran stehe
unmittelbar bevor: Am Mittwoch testete Israels Armee erfolgreich eine
Rakete, die nach Medienberichten mit nuklearen Sprengköpfen bestückt
werden und bis in den Iran fliegen kann. Fast zeitgleich trainierte
die israelische Luftwaffe über Sardinien Flüge zu weit entfernten
Zielen. Und die Armee probte den Notfall und simulierte massive
Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv.
Doch bei dem Säbelgerassel geht es wohl kaum um konkrete
Kriegsängste. Die Israelis wollen rund um den IAEO-Bericht vor allem
die propagandistische Gunst der Stunde nutzen, noch schärfere
Sanktionen gegen den Mullah-Staat zu fordern. Ein rascher
israelischer Waffengang ist sehr unwahrscheinlich. Aber der Krieg der
Worte ist voll im Gang.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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