- 09.11.2011, 09:04:44
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Geschäftsklima in Mittelosteuropa stark abgekühlt
Direktinvestoren schrauben Geschäftserwartungen für ihre MOE-Niederlassungen erheblich zurück / Konjunkturaussichten für die Region ebenfalls schlechter
Wien (OTS) - Die Oktober-Erhebung des Thomson Reuters & OeKB
Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa zeigt eine markante Eintrübung
des Geschäftsklimas in der Region. Nachdem der
Geschäftsklima-Indikator bereits im Juli 2011 gesunken war, setzt
sich die Abwärtsbewegung nun in verstärkter Form fort.
Ausschlaggebend dafür sind in erster Linie die merklich weniger
optimistischen Erwartungen der Direktinvestoren für die künftige
Performance ihrer MOE-Beteiligungen. Darüber hinaus weisen die
Angaben der Erhebungsteilnehmer auf einen erneuten konjunkturellen
Abschwung in der Region hin.
In Hinblick auf die aktuelle Performance ihrer Niederlassungen
zeigen sich die rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus
ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen steuern, insgesamt zufrieden:
Für immerhin 44% der Betriebe vor Ort wird ein guter Geschäftsgang
gemeldet, während für 15% der Beteiligungen die Lage als negativ
eingestuft wird. Der entsprechende Indikator verzeichnet gegenüber
Juli einen nur geringfügigen Rückgang um 1 Prozentpunkt auf einen
Wert von +29. Die Einschätzungen hinsichtlich der
Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten haben die
Direktinvestoren hingegen deutlich zurückgeschraubt. Konkret sinkt
der Indikator der Geschäftserwartungen im Oktober um 25 Prozentpunkte
auf +6. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass die
Geschäftserwartungen per Saldo erstmals seit April 2009 wieder
schlechter beurteilt werden als die derzeitige Geschäftslage.
Dementsprechend bricht der Geschäftsklima-Indikator im Oktober um 13
Prozentpunkte ein und liegt mit einem aktuellen Wert von +17 klar
unter seinem langfristigen Durchschnitt (2007-2011) von +28.
Insgesamt deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass auf die
Erholungsphase nach der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009
erneut schwierigere Zeiten für Mittelosteuropa folgen werden.
Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima Mittelosteuropa; MOE
insgesamt (Salden in Prozentpunkten)
Link zur druckfähigen Grafik:
http://www.ots.at/redirect/oekbinfografik
MOE-Exporte schwächen sich ab
Neben den Geschäftserwartungen haben die Direktinvestoren in der
aktuellen Erhebung auch ihre Einschätzungen hinsichtlich der
Exportentwicklung merklich nach unten revidiert. Rechneten im Juli
2011 noch mehr als die Hälfte der Unternehmenszentralen mit
steigenden Exportumsätzen in den nächsten zwölf Monaten, so sinkt der
Vergleichswert im Oktober auf ein Drittel. Gleichzeitig verdreifacht
sich der Anteil jener MOE-Headquarters, die einen Rückgang bei den
Ausfuhrumsätzen erwarten, von 4% auf 12%. Insgesamt könnten sich
daher die Impulse, die von den Exporten nach Mittelosteuropa auf die
österreichische Wirtschaft ausgehen, im nächsten Jahr etwas
abschwächen. Starke Einbrüche im Exportwachstum sind allerdings nicht
zu erwarten, zumal immerhin 55% der Unternehmenszentralen mit einer
gleichbleibenden Entwicklung der Ausfuhren rechnen.
Drohender Konjunktureinbruch in der Gesamtregion, vor allem in Ungarn
Hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Perspektiven für die
Region Mittelosteuropa verdichten sich die Anzeichen für einen
erneuten Dämpfer in den kommenden Monaten. Nachdem die Rückgänge des
Konjunktur-Indikators in den letzten beiden Erhebungen bereits auf
eine Abschwächung der Wachstumsdynamik hingewiesen haben, verzeichnet
der Saldenwert im Oktober 2011 einen massiven Einbruch um 38
Prozentpunkte auf -6. Zum ersten Mal seit über zwei Jahren rutscht
der Indikator damit wieder in den negativen Bereich. Dies bedeutet,
dass die Negativmeldungen zur Konjunktur in Mittelosteuropa die
optimistischen Stellungnahmen übersteigen. Ein dermaßen drastischer
Absturz des Konjunktur-Indikators war erstmals im Oktober 2008, also
beim Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise, zu beobachten. Die
Direktinvestoren scheinen somit von einem Rückschlag im
Erholungsprozess der zum Teil schwer krisengeschüttelten MOE-Staaten
auszugehen.
Eine nähere Betrachtung der aktuellen Ergebnisse auf Länderebene
zeigt, dass insbesondere in Ungarn dunkle Wolken am Konjunkturhimmel
aufziehen: Konkret gehen 42% der Direktinvestoren von einer
Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds in den kommenden zwölf
Monaten aus. 51% der Befragten erwarten einen gleichbleibenden
Wirtschaftsverlauf, wohingegen lediglich 7% mit einer
wirtschaftlichen Verbesserung rechnen. Der ausgeprägte
Konjunkturpessimismus für das stark verschuldete Ungarn spiegelt wohl
auch die Verunsicherung der Direktinvestoren wider, die mit
umstrittenen Maßnahmen wie dem neuen Fremdwährungsgesetz oder
Sondersteuern für ausgewählte Branchen (z.B. Telekom, Banken, Handel)
konfrontiert sind. Dementsprechend trüb sind auch die
Geschäftserwartungen für die ungarischen Beteiligungen, was sich
wiederum in einer Verschlechterung des Geschäftsklimas niederschlägt.
Ungarn ist derzeit das einzige Land, für das der
Geschäftsklima-Indikator einen negativen Saldenwert (- 4
Prozentpunkte) aufweist.
Gemischte Signale für die Ukraine
Bemerkenswert, allerdings in anderer Weise, sind auch die
Einschätzungen der Direktinvestoren in Bezug auf die Ukraine.
Herrschte in dem von der globalen Krise besonders stark getroffenen
Land vor einem Jahr noch das ungünstigste Geschäftsklima in der
Region, so weist der entsprechende Indikator im Oktober 2011 mit
einem Wert von +29 Prozentpunkten ein überdurchschnittlich gutes
Ergebnis auf. Dies liegt vor allem an der hohen Zufriedenheit der
Erhebungsteilnehmer mit der aktuellen Performance der Betriebe: Für
mehr als die Hälfte der Niederlassungen vor Ort werden gut laufende
Geschäfte gemeldet, wohingegen nur für 10% der Betriebe die Lage als
schlecht beurteilt wird. Im Lichte schlechterer
Konjunkturperspektiven schrauben die Direktinvestoren jedoch auch für
die Ukraine ihre Geschäftserwartungen zurück: Der diesbezügliche
Indikator fällt um 36 Prozentpunkte.
Verkehrssektor bekommt wirtschaftliche Abschwächung zu spüren
Differenziert nach Branchen, stechen vor allem die aktuellen
Ergebnisse für den Verkehrssektor ins Auge. Die konjunktursensible
Sparte reagiert erwartungsgemäß besonders stark auf die derzeitige
wirtschaftliche Abschwächung und den drohenden Konjunktureinbruch in
Mittelosteuropa: Sowohl bei der aktuellen Performance als auch bei
den Geschäftserwartungen korrigieren die Direktinvestoren ihre
Einschätzungen stark nach unten. Für das Geschäftsklima im
Verkehrssektor bedeutet dies eine merkliche Verschlechterung: Lag der
entsprechende Indikator im Juli mit einem Wert von +37 Prozentpunkten
noch im Spitzenfeld, so fällt der Wirtschaftszweig mit einem
aktuellen Ergebnis von nur mehr +7 Prozentpunkten im
Branchenvergleich deutlich zurück. Bemerkenswert ist, dass die
Direktinvestoren aus der Branche trotz der anspannten Situation
mehrheitlich an ihrer Präsenz in Mittelosteuropa festhalten: Mehr als
80% der Beteiligungen sollen im kommenden Jahr unverändert
beibehalten werden, bei 16% der Betriebe steht sogar ein Ausbau auf
dem Plan. Nur 3% der Niederlassungen sollen verkleinert bzw.
geschlossen werden. Dies unterstreicht die unverändert große
Bedeutung Mittelosteuropas für die Direktinvestoren aus dem
Verkehrssektor, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten.
Getrübte Stimmung bei den Banken
Im Bankensektor hat sich die Stimmung der Direktinvestoren
gegenüber der letzten Erhebung markant verschlechtert. Die
ungünstigeren Rahmenbedingungen, die sich etwa durch die Einführung
neuer Bankenabgaben in Ungarn und der Slowakei ergeben haben,
spiegeln sich offensichtlich direkt in den Einschätzungen der
Erhebungsteilnehmer wider. So sinkt im Oktober nicht nur die
Zufriedenheit mit der derzeitigen Performance, sondern auch die
Zuversicht in Bezug auf die Geschäftsentwicklung im nächsten halben
Jahr. Für das Geschäftsklima im Bankwesen hat dies eine eindeutige
Abkühlung zur Folge: Der entsprechende Indikator fällt um 26
Prozentpunkte auf +10. Weniger stark betroffen vom schwierigen
Marktumfeld scheint hingegen die zweite Sparte des
Finanzdienstleistungssektors, das Versicherungswesen, zu sein. Zwar
geht der Geschäftsklima-Indikator auch für diesen Sektor zurück,
allerdings mit einem Minus von 8 Prozentpunkten viel weniger deutlich
als im Bankwesen. Im Branchenvergleich weisen die Versicherungen mit
einem aktuellen Saldenwert von +22 ein relativ gutes Ergebnis auf.
Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
(MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400
Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die
zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa
befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der
Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen
hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den
Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und
Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der
Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das
Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur
allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.
Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und
Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft
Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen
u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen
Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.
Über die OeKB
Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) ist
Österreichs zentraler Finanz- und Informationsdienstleister für
Exportwirtschaft und Kapitalmarkt. Ihre speziellen Services stärken
den Standort Österreich und unterstützen die Wirtschaft im globalen
Wettbewerb. Die vielfältigen Dienstleistungen stehen Unternehmen und
Finanzinstitutionen sowie Einrichtungen der Republik Österreich zur
Verfügung.
Die OeKB handelt sektorübergreifend, zentral, neutral und in
Übereinstimmung mit ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Das 1946 gegründete
Spezialinstitut steht im Eigentum österreichischer Banken.
Rückfragehinweis:
Mag. Wolfgang Lueghammer Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) Information Services Tel. +43 1 531 27-2568 [email protected] Mag. Verena Ebner Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) Information Services Tel. +43 1 531 27-2560 [email protected]
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