WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Infrastruktur:Wir brauchen eine Aufholjagd - von Wolfgang Unterhuber

Österreich fällt in puncto Infratstruktur kontinuierlich zurück.

Wien (OTS) - Wenn IHS-Chef Bernhard Felderer sorgenvoll sein Haupt wiegt, dann sieht es mit der Konjunktur nicht rosig aus. Beim gestrigen Infrastruktursymposium in Wien neigte er seinen Kopf besonders tief. Man beobachte einen dramatischen Investitionsrückgang in Europa, sagt er. Und: Die letzte Wachstumsprognose für 2012 muss nach unten revidiert werden. Damit ist in Österreich eine über Monate anhaltende Rezession (unabhängig von statistischen Definitionsmustern, ab wann man davon sprechen kann) de facto amtlich. Auch wenn Felderer nicht sagt, wo genau er den Boden sieht. Zuletzt prognostizierten Wifo und IHS für das kommende Jahr ohnehin nur noch ein Wachstum von 0,8 bzw. 1,3 Prozent.

Das Schöne bei Ebbe ist ja, dass man dann sieht, wer ohne Badehose dasteht. Der Wirtschaftsstandort Österreich hat seine Badehose noch an. Aber sie droht abzurutschen. Geld ist ja da: Wir leisten uns ein superteures Pensions- und Gesundheitssystem oder eine ausufernde Verwaltung. Das Problem ist nur, dass sich die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes anders darstellt. Forschung und Entwicklung, IKT, Energieversorgung, Schiene, Straße - darum geht es. Und gerade in diesen Bereichen fällt Österreich langsam, aber sicher zurück (siehe Bericht Seite 2). Nicht weil hierzulande nichts geschieht, sonder weil uns andere Staaten einfach überholen. Für Österreich, aber auch für ganz Europa ist eine moderne und gut ausgebaute Infrastruktur zukunftsentscheidend. Dummerweise sind die Staatskassen leer. Also gibt es nur zwei Optionen. Möglichkeit Nummer eins: So weitermachen wie bisher. Dann kommen wir in ein paar Jahren in Griechenland an. Möglichkeit Nummer zwei: Abschied nehmen vom sozialen Paradies. Diese Botschaft hört natürlich niemand gerne.

Doch lässt es sich auch außerhalb eines Paradieses gut leben, wenn man rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennt. Wir brauchen dringend mehr Geld für Wissenschaft, Bildung, alternative Energie sowie moderne Verkehrs- und Kommunikationssysteme. Das sind die Branchen der Zukunft und jene, in denen tausende neue Jobs entstehen können. Und die Politik sollte sich endlich vom billigen Populismus verabschieden. Das Match heißt nicht etwa "Schiene statt Straße", sondern "Schiene und Straße." Wohin Populismus führen kann, zeigte sich jüngst ausnahmsweise nicht in Österreich, sondern in Deutschland. Dort wurden nach der Katastrophe von Fukushima Atomkraftwerke abgedreht. Das führt nun zu ersten Versorgungsengpässen. Eine kluge Infrastrukturpolitik sieht eben anders aus.

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