- 08.11.2011, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Infrastruktur:Wir brauchen eine Aufholjagd - von Wolfgang Unterhuber
Österreich fällt in puncto Infratstruktur kontinuierlich zurück.
Wien (OTS) - Wenn IHS-Chef Bernhard Felderer sorgenvoll sein Haupt
wiegt, dann sieht es mit der Konjunktur nicht rosig aus. Beim
gestrigen Infrastruktursymposium in Wien neigte er seinen Kopf
besonders tief. Man beobachte einen dramatischen Investitionsrückgang
in Europa, sagt er. Und: Die letzte Wachstumsprognose für 2012 muss
nach unten revidiert werden. Damit ist in Österreich eine über Monate
anhaltende Rezession (unabhängig von statistischen
Definitionsmustern, ab wann man davon sprechen kann) de facto
amtlich. Auch wenn Felderer nicht sagt, wo genau er den Boden sieht.
Zuletzt prognostizierten Wifo und IHS für das kommende Jahr ohnehin
nur noch ein Wachstum von 0,8 bzw. 1,3 Prozent.
Das Schöne bei Ebbe ist ja, dass man dann sieht, wer ohne Badehose
dasteht. Der Wirtschaftsstandort Österreich hat seine Badehose noch
an. Aber sie droht abzurutschen. Geld ist ja da: Wir leisten uns ein
superteures Pensions- und Gesundheitssystem oder eine ausufernde
Verwaltung. Das Problem ist nur, dass sich die Attraktivität eines
Wirtschaftsstandortes anders darstellt. Forschung und Entwicklung,
IKT, Energieversorgung, Schiene, Straße - darum geht es. Und gerade
in diesen Bereichen fällt Österreich langsam, aber sicher zurück
(siehe Bericht Seite 2). Nicht weil hierzulande nichts geschieht,
sonder weil uns andere Staaten einfach überholen. Für Österreich,
aber auch für ganz Europa ist eine moderne und gut ausgebaute
Infrastruktur zukunftsentscheidend. Dummerweise sind die Staatskassen
leer. Also gibt es nur zwei Optionen. Möglichkeit Nummer eins: So
weitermachen wie bisher. Dann kommen wir in ein paar Jahren in
Griechenland an. Möglichkeit Nummer zwei: Abschied nehmen vom
sozialen Paradies. Diese Botschaft hört natürlich niemand gerne.
Doch lässt es sich auch außerhalb eines Paradieses gut leben, wenn
man rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennt. Wir brauchen dringend
mehr Geld für Wissenschaft, Bildung, alternative Energie sowie
moderne Verkehrs- und Kommunikationssysteme. Das sind die Branchen
der Zukunft und jene, in denen tausende neue Jobs entstehen können.
Und die Politik sollte sich endlich vom billigen Populismus
verabschieden. Das Match heißt nicht etwa "Schiene statt Straße",
sondern "Schiene und Straße." Wohin Populismus führen kann, zeigte
sich jüngst ausnahmsweise nicht in Österreich, sondern in
Deutschland. Dort wurden nach der Katastrophe von Fukushima
Atomkraftwerke abgedreht. Das führt nun zu ersten
Versorgungsengpässen. Eine kluge Infrastrukturpolitik sieht eben
anders aus.
Rückfragehinweis:
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Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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