- 05.11.2011, 08:00:32
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"profil": Wolfgang Schüssel: "Es wurden lange Zeit Probleme übersehen"
Ex-Bundeskanzler fordert Sanktionen für Defizitsünder - militärische Kooperation "absolut notwendig" - Kritik an EU-Kommission
Wien (OTS) - In einem Interview in der Monatg erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" macht der frühere
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für die aktuelle EU-Krise "viele
kleinere Fehler" verantwortlich. "Bei einigen war ich selbst dabei",
räumt der ehemalige ÖVP-Politiker ein. "Es wurden lange Zeit viele
Dinge nicht für möglich gehalten und Probleme übersehen. Es ist
möglich, aus der EU auszutreten, aber nicht aus der Euro-Zone. Das
ist natürlich unsinnig."
Um übermäßige Schulden eines EU-Landes zu unterbinden, soll
künftig ein Mitglied der Europäischen Kommission die Haushalte der
Mitgliedsländer überwachen. "Es wäre vernünftig, Länder mit
überbordenden Schulden auch mit entsprechenden Sanktionen zu
belegen", so Schüssel.
Der frühere Bundeskanzler fordert mehr Anstrengungen in der Außen-
und Sicherheitspolitik. Europa agiere hier "sehr naiv". "Auf der
ganzen Welt findet ein Wettrüsten wie schon lange nicht mehr statt,
und wir Europäer glauben, dass man darauf keine Antwort zu geben
braucht. Das halte ich für sehr gefährlich. Eine militärische und
sicherheitspolitische Kooperation in Europa ist absolut notwendig."
Kritik äußert Schüssel in dem "profil"-Interview an der
EU-Kommission: "Sie müsste in dieser Situation noch stärker Ideen
liefern und die Debatte bestimmen. Das geschieht zu wenig."
Das langfristige Ziel, nach dem Vorbild der USA die "Vereinigten
Staaten von Europa" zu gründen, lehnt der ehemalige Kanzler ab. "Das
geht zu weit. Auch eine zentrale Wirtschaftsregierung, die sich in
jedes Detail einmischt, ist nicht durchsetzbar."
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion, Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502
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