Diakonie: "Niemand darf verloren gehen": Start der Kampagne für "Jugendliche ohne Zukunft"

Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbruch und Hoffnungslosigkeit bekämpfen. Soziale Investitionen zahlen sich aus.

Wien (OTS) - 10.000 Jugendliche brechen jedes Jahr vorzeitig die Schule ab. 30.000 Kinder und Jugendliche sind auf Unterstützung der Jugendwohlfahrt angewiesen. 148.000 Jugendliche unter 19 Jahren in Österreich werden als "manifest arm" bezeichnet, das heißt sie müssen unter sozial bedrückenden Lebensverhältnissen leben. Und in ganz Europa verschärft sich in Folge der Finanzkrise die Situation für Jugendliche am Arbeitsmarkt.

Die Diakonie startet ihre Plakatkampagne "Hoffungsträger", um mit Nachdruck auf Jugendarbeitslosigkeit, Schulabbruch und Hoffnungslosigkeit hinzuweisen. "Niemand darf verloren gehen", betont Diakonie Sozialexperte Martin Schenk. "Es geht darum, jungen Leuten, die als 'verloren' geglaubt werden, Zukunft zu geben. Es geht darum, die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung zu sichten und zu verbinden. Es geht darum, präventiv und frühzeitig zu helfen", fasst Schenk die Anliegen der Kampagne zusammen.

Soziale Probleme erzeugen soziale und gesellschaftliche Kosten "Denn mangelnde Investitionen und Hilfe erzeugen soziale und gesellschaftliche Kosten", rechnet Schenk vor. "Mehr soziale Probleme verursachen volkswirtschaftliche Kosten. Eine höhere Schulabbrecher-Quote beispielsweise erzeugt durch steigende Sozialausgaben, höhere Gesundheitskosten und entgangene Steuereinnamen Kosten von 3 Milliarden Euro bei 10.000 Drop-Outs. Oder: Wird Kinderarmut nicht bekämpft, entstehen Kosten von 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr. Ihre Bekämpfung kostet aber nur 0,4% des BIPs, also 10 mal so wenig, wie jedes Jahr an Mehraufwand entstehen."

Soziales und bildungspolitisches Engagement zahlt sich aus "Hingegen zahlen sich soziales und bildungspolitisches Engagement aus", so Schenk. "Investitionen im frühkindlichen Bereich haben den höchsten Return on Investment. Ein investierter Dollar entspricht einer Rendite von 8 Dollar, hat Nobelpreisträger James Heckmann für die USA errechnet. Bei benachteiligten Kindern beträgt sie sogar 16 Dollar, also eine Hebelwirkung von 1 zu 16. Nie wieder wird man Zukunftsgeld so sinnvoll einsetzen können wie zu diesem Zeitpunkt." In Oberösterreich fängt das Diakonie Zentrum Spattstrasse junge Mädchen und Burschen in ihrer Krisen- und Notschlafstelle Wàki auf, investiert in frühe Hilfen für Eltern und begleitet Kinder im Pflichtschulalter mit intensiver pädagogischer und bei Bedarf auch therapeutischer Unterstützung.

"Jugendliche sind oft sehr verzweifelt, wenn zu Hause alles schief läuft. Diese Verzweiflung wirkt sich natürlich auf Schulleistungen aus. Sie kann aber auch so weit gehen, dass die Jugendlichen von zu Hause weglaufen - zu Freunden oder zu uns in die Krisenstelle Wàki. Wenn man bedenkt, dass 70% dieser Jugendlichen bereits Psychiatrie-Erfahrung haben, kann man sich vorstellen, wie groß ihre Not ist", berichtet Thomas Fux, Sozialpädagoge und Abteilungsleiter im Diakonie Zentrum Spattstraße.
Er plädiert aus langjähriger Erfahrung für frühe Hilfe: "In der heilpädagogischen Tagesklinik betreuen wir Kinder ab 6 Jahren, die mit ihrem auffälligen Verhalten nahe daran sind, von der Schule zu fliegen. Die Eltern sind häufig betroffen und hilflos, manchmal auch aggressiv und gewalttätig. Je früher die Hilfe ansetzt, umso leichter fällt es Eltern und Kindern, neue Verhaltensweisen zu erlernen."

In Kärnten unterstützt das Projekt Jobcoaching seit März 2011 Jugendliche, die in einer sozialpädagogischen Einrichtung der Diakonie de La Tour leben, und Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. "Oft erhalten diese Jugendlichen zahlreiche Ablehnungen auf Bewerbungsschreiben, manche haben bereits eine Ausbildung abgebrochen. Andere haben noch keine konkreten Vorstellungen für ihre Zukunft", berichtet Daniela Lackner, mobile Jobcoach für Jugendliche in Kärnten. "Mit dem Jobcoaching können wir eine konstante und flexible Begleitung und Unterstützung anbieten, und ermöglichen für diese als "schwierig" geltenden Jugendlichen eine Integration in den Arbeitsmarkt und somit in das soziale Leben," ergänzt Lackner.

Aktionsplan für benachteiligte Jugendliche notwendig

Das Jobcoaching in Kärnten oder die frühen Hilfen in Oberösterreich sind gute Beispiele für Unterstützung ohne Hürden: sie sind lebensnah, flexibel und unbürokratisch. "Beispiel heißt aber auch, dass es das nur bruchstückhaft gibt", kritisiert Martin Schenk. "Notwendig wäre ein flächendeckender Ausbau von schulunterstützender Sozialarbeit und Unterstützung an den Schnittstellen zwischen Schule und offener Jugendarbeit."

Sinnvoll wäre ein Aktionsplan, der Bildungsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium und Jugendagenden zusammenbringt. Es geht darum, die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung zu sichten und zu verbinden. "Überall dort, wo die Koordination zwischen Schule und Sozialem gelingt, gelingt es auch, Jugendlichen effektiv zu helfen", so Schenk abschließend.

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