- 31.10.2011, 10:18:59
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unternehmer geben Politik schlechte Noten - von Esther Mitterstieler
Wie wäre es, meine Herren, wenn Sie in die Politik gingen?
Wien (OTS) - Die Stimmung gegenüber der Politik war schon einmal
besser. Das ist die Quintessenz der quartalsmäßigen Befragung der
Industriellenvereinigung zur Lage der Wirtschaftsnation unter 50
Teilnehmern - davon 25 Industriebetriebe sowie Banken, Verbände und
Wissenschaftsvereine. In vielen wichtigen Bereichen sehen die
Befragten die Ampel knallrot. Und: Mehr rot geht nicht mehr. So
gesehen etwa beim Thema Öffentlicher Haushalt, Sozialsystem,
Sozialkapital und Energie. Fazit: Der Standort Österreich ist ganz
und gar nicht attraktiv, es ist ein Gefrierpunkt erreicht.
Nun mag man sich frei nach Alfred Gusenbauer denken: Die sudern halt
fröhlich vor sich hin, aber insgeheim wissen sie: So schlecht wie den
Griechen geht es uns noch lange nicht. Das mag wohl sein, aber ganz
beiseite räumen sollte man eine Umfrage unter so diversen Branchen
keineswegs. Schließlich gibt sie einen Querschnitt über wichtige
Bereiche der Wirtschaft. Ergebnis: Die Wirtschaft hat es satt.
Besonders die ständige Diskussion um eventuelle Steuererhöhungen -
wenn nicht gar neue Steuern - kann keiner mehr hören.
Übrigens sind davon auch Nicht-Unternehmer betroffen. Im Gegenzug
gibt es freilich nicht einmal den Ansatz von Seiten der Politik,
längst gemachte Versprechen einzuhalten. Beispiel gefällig? Die
Lohnnebenkosten sollen empfindlich gesenkt werden, um den Faktor
Arbeit endlich zu entlasten - zum Vorteil von Unternehmen und
Dienstnehmern.
Was die Befragten zudem gerne hören würden: Die öffentlichen
Haushalte sollen sparen, am besten über eine gesetzlich verankerte
Schuldenbremse. Die wird ja vielleicht nach dem Gipfel in Brüssel
bald Wirklichkeit. Finanzministerin Maria Fekter hat sich jedenfalls
schon dafür ausgesprochen. Damit wäre zumindest schon ein erster
Knoten der Unzufriedenheit der Manager gelöst. Parallel zur
Attraktivität des Wirtschaftsstandortes schrumpft auch jene des
Kapitalmarktes. Die Crux an der Gesamtlage: Es geht die Angst um,
weil die Banken praktisch sofort ihr Kernkapital ordentlich auffetten
müssen. Was zu einer neuen Kreditklemme führen mag. Denn die Banken
werden sich genau anschauen, welchem Unternehmen sie einen Kredit
geben.
Bei aller Unzufriedenheit muss man den Unternehmern allerdings sagen:
Wir sitzen alle im selben Boot und können die Ampel nur gemeinsam auf
Grün bringen. Wie wäre es, meine Herren (Damen gibt es ja
erwiesenermaßen wenige), wenn einer von Ihnen in die Politik ginge
und nicht nur sudert? Dann können Sie zeigen, wie's anders geht.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
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