WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unternehmer geben Politik schlechte Noten - von Esther Mitterstieler

Wie wäre es, meine Herren, wenn Sie in die Politik gingen?

Wien (OTS) - Die Stimmung gegenüber der Politik war schon einmal besser. Das ist die Quintessenz der quartalsmäßigen Befragung der Industriellenvereinigung zur Lage der Wirtschaftsnation unter 50 Teilnehmern - davon 25 Industriebetriebe sowie Banken, Verbände und Wissenschaftsvereine. In vielen wichtigen Bereichen sehen die Befragten die Ampel knallrot. Und: Mehr rot geht nicht mehr. So gesehen etwa beim Thema Öffentlicher Haushalt, Sozialsystem, Sozialkapital und Energie. Fazit: Der Standort Österreich ist ganz und gar nicht attraktiv, es ist ein Gefrierpunkt erreicht.

Nun mag man sich frei nach Alfred Gusenbauer denken: Die sudern halt fröhlich vor sich hin, aber insgeheim wissen sie: So schlecht wie den Griechen geht es uns noch lange nicht. Das mag wohl sein, aber ganz beiseite räumen sollte man eine Umfrage unter so diversen Branchen keineswegs. Schließlich gibt sie einen Querschnitt über wichtige Bereiche der Wirtschaft. Ergebnis: Die Wirtschaft hat es satt. Besonders die ständige Diskussion um eventuelle Steuererhöhungen -wenn nicht gar neue Steuern - kann keiner mehr hören.

Übrigens sind davon auch Nicht-Unternehmer betroffen. Im Gegenzug gibt es freilich nicht einmal den Ansatz von Seiten der Politik, längst gemachte Versprechen einzuhalten. Beispiel gefällig? Die Lohnnebenkosten sollen empfindlich gesenkt werden, um den Faktor Arbeit endlich zu entlasten - zum Vorteil von Unternehmen und Dienstnehmern.

Was die Befragten zudem gerne hören würden: Die öffentlichen Haushalte sollen sparen, am besten über eine gesetzlich verankerte Schuldenbremse. Die wird ja vielleicht nach dem Gipfel in Brüssel bald Wirklichkeit. Finanzministerin Maria Fekter hat sich jedenfalls schon dafür ausgesprochen. Damit wäre zumindest schon ein erster Knoten der Unzufriedenheit der Manager gelöst. Parallel zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes schrumpft auch jene des Kapitalmarktes. Die Crux an der Gesamtlage: Es geht die Angst um, weil die Banken praktisch sofort ihr Kernkapital ordentlich auffetten müssen. Was zu einer neuen Kreditklemme führen mag. Denn die Banken werden sich genau anschauen, welchem Unternehmen sie einen Kredit geben.

Bei aller Unzufriedenheit muss man den Unternehmern allerdings sagen:
Wir sitzen alle im selben Boot und können die Ampel nur gemeinsam auf Grün bringen. Wie wäre es, meine Herren (Damen gibt es ja erwiesenermaßen wenige), wenn einer von Ihnen in die Politik ginge und nicht nur sudert? Dann können Sie zeigen, wie's anders geht.

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