WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das ist nicht das Ende der Krise - von Wolfgang Unterhuber

Wir Europäer haben noch einmal eine Chance bekommen. Mehr nicht.

Wien (OTS) - Es war ein guter Gipfel. Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone sind in positivem Sinne endlich in der Wirklichkeit angekommen und haben sich auf ein Gesamtpaket im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise geeinigt. Damit hat Europa endlich wieder Handlungsfähigkeit bewiesen. Die Krise des Euro war in der Vergangenheit ja zunehmend eine politische Krise. Gekennzeichnet durch eine Strategie des Zauderns und Zögerns. Man hatte den Eindruck als seien die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht mit der Situation überfordert. Diesen Eindruck darf man fürs Erste als widerlegt betrachten.

Ist jetzt also alles paletti? Ist das der Anfang vom Ende der Krise? Leider nein! Der 50-prozentige Schuldenschnitt für Griechenland war nur der letzte Ausweg. Die Griechen - und in Wahrheit wir Europäer -haben noch einmal eine Chance bekommen. Mehr nicht. Die Griechen (und nicht nur sie) müssen weiterhin einen strengen Spar- und Restrukturierungskurs verfolgen.

Die Schuldenlast soll so bis 2020 von derzeit rund 160 Prozent des BIP auf 120 Prozent gedrückt werden. Dorthin also, wo momentan Italien liegt. Zur Erinnerung an längst vergangene Tage: Die Obergrenze in der EU liegt bei 60 Prozent. Dass die privaten Griechenlandgläubiger - also Banken, Versicherungen, Investmentfonds - auf die Hälfte ihrer Kreditforderungen (von rund 200 Milliarden Euro) verzichten, ist ein wichtiger Schachzug. Zu welchen Bedingungen und Sicherheiten, muss im Detail allerdings noch geklärt werden. Viel Hoffnung setzt man auf die Hebelung künftiger Investments aus dem Rettungsschirm. Begibt ein Euroland eine neue Staatsanleihe, soll der Rettungsschirm einen Teil des Ausfallsrisikos (20 bis 30 Prozent) übernehmen. Der Hebel soll daraus bestehen, dass durch die garantierte Ausfallsversicherung private Investoren freudig zulangen.

Das erinnert an einen anderen Hebel: Die US-Notenbank hat vor zehn Jahren den Finanzmarkt mit billigem Geld geflutet, damit am Ende der Nahrungskette jeder Amerikaner freudig einen Kredit schnappen konnte, um ein Eigenheim zu kaufen. Das war bekanntlich der Beginn jener Krise, in der wir uns noch immer befinden. Und diese Krise ist noch lange nicht vorbei. Der Euro-Gipfel war ein Hoffnungsschimmer, aber kein Sonnenaufgang.

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