- 27.10.2011, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das ist nicht das Ende der Krise - von Wolfgang Unterhuber
Wir Europäer haben noch einmal eine Chance bekommen. Mehr nicht.
Wien (OTS) - Es war ein guter Gipfel. Die Staats- und
Regierungschefs der Eurozone sind in positivem Sinne endlich in der
Wirklichkeit angekommen und haben sich auf ein Gesamtpaket im Kampf
gegen die Schulden- und Bankenkrise geeinigt. Damit hat Europa
endlich wieder Handlungsfähigkeit bewiesen. Die Krise des Euro war in
der Vergangenheit ja zunehmend eine politische Krise. Gekennzeichnet
durch eine Strategie des Zauderns und Zögerns. Man hatte den Eindruck
als seien die Verantwortlichen an den Schalthebeln der Macht mit der
Situation überfordert. Diesen Eindruck darf man fürs Erste als
widerlegt betrachten.
Ist jetzt also alles paletti? Ist das der Anfang vom Ende der Krise?
Leider nein! Der 50-prozentige Schuldenschnitt für Griechenland war
nur der letzte Ausweg. Die Griechen - und in Wahrheit wir Europäer -
haben noch einmal eine Chance bekommen. Mehr nicht. Die Griechen (und
nicht nur sie) müssen weiterhin einen strengen Spar- und
Restrukturierungskurs verfolgen.
Die Schuldenlast soll so bis 2020 von derzeit rund 160 Prozent des
BIP auf 120 Prozent gedrückt werden. Dorthin also, wo momentan
Italien liegt. Zur Erinnerung an längst vergangene Tage: Die
Obergrenze in der EU liegt bei 60 Prozent. Dass die privaten
Griechenlandgläubiger - also Banken, Versicherungen, Investmentfonds
- auf die Hälfte ihrer Kreditforderungen (von rund 200 Milliarden
Euro) verzichten, ist ein wichtiger Schachzug. Zu welchen Bedingungen
und Sicherheiten, muss im Detail allerdings noch geklärt werden. Viel
Hoffnung setzt man auf die Hebelung künftiger Investments aus dem
Rettungsschirm. Begibt ein Euroland eine neue Staatsanleihe, soll
der Rettungsschirm einen Teil des Ausfallsrisikos (20 bis 30 Prozent)
übernehmen. Der Hebel soll daraus bestehen, dass durch die
garantierte Ausfallsversicherung private Investoren freudig zulangen.
Das erinnert an einen anderen Hebel: Die US-Notenbank hat vor zehn
Jahren den Finanzmarkt mit billigem Geld geflutet, damit am Ende der
Nahrungskette jeder Amerikaner freudig einen Kredit schnappen konnte,
um ein Eigenheim zu kaufen. Das war bekanntlich der Beginn jener
Krise, in der wir uns noch immer befinden. Und diese Krise ist noch
lange nicht vorbei. Der Euro-Gipfel war ein Hoffnungsschimmer, aber
kein Sonnenaufgang.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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