• 22.10.2011, 19:30:00
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Kleine Zeitung Leitartikel: "Folgt den Veteranen!" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 23. Oktober 2011

Graz (OTS/Vorausmeldung) - Die Jungen, die Jungen, tut was für
die Jungen, so heißt es auch in den Zeitungen. Ja, eh. Es ist schön
in der Gegenwart junger Menschen, aber es gibt gute Argumente, die
Älteren tendenziell interessanter zu finden. Das ist kein Vorwurf an
die Jungen. Die denken das vermutlich ja auch, sonst strömten sie
nicht in Heerscharen zu weisen Greisen wie Stéphane Hessel oder
anderen Päpsten. Am mittleren Alter reiben sich die Jungen, aber das
reife Alter ist für sie Pop. Sie spüren: Ältere wissen mehr vom
Leben. Sie haben die besseren Geschichten. Sie haben mehr zu sagen
und sind, entgegen dem Klischee, furchtloser als die Jungen. Sie
haben sich freigelebt von Rücksichten und Opportunität. Je weniger
Zähne die Älteren haben, desto bissiger werden sie, sagt ein frivoles
Bonmot über den Zorn der Fortgeschrittenen.

Nur die Dummen schmähen oder missachten sie. Die Gescheiten hören hin
und lernen; sie nützen den Erfahrungsschatz für sich, eine kluge Form
parasitärer Intelligenz. Es ist ein Elend, dass sowohl Kanzler als
auch Vizekanzler Hemmungen haben, sich dieser Gruppe zugehörig zu
fühlen.

Sie wissen mit Österreichs Klub der zornigen Alten geistig und
politisch nichts anzufangen. Sie fühlen sich nicht einmal belästigt,
so fern stehen sie. Raidl, Busek, Androsch, Neisser, Schilcher,
Portisch, Bacher, und wie die blutjungen Alten alle heißen:
Leidenschaftlich stoßen die Wutsenioren in jene Hohlräume, die die
Regierung, die ihre Willenlosigkeit in Zahlen goss, aufgerissen
haben. "Wir sind zornig, weil die heutige poitische Generation nur an
das politische Überleben oder an individuelle Bereicherung zu denken
scheint", schreibt Anton Pelinka, auch einer aus der Generation 68,
der seinen Groll über den Verfall der Politik öffentlich gemacht hat.
Dass die Ehemaligen weder in der SPÖ noch in der ÖVP Gehör oder
Herberge finden, sagt viel über die geistige Verwahrlosung in beiden
Parteien.

Mag sein, dass bei den Vorstößen aus dem Altenteil Restbestände
ungestillter Eitelkeit im Spiel sind, Sehnsucht nach dem Duft des
Ruhms früher Zeiten. Und es mag sein, dass der eine oder andere
emeritierte Würdenträger mit dem feurigen Begehren in Sachen
Demokratiereform oder Bildung eigene Versäumnisse aufarbeitet. Aber
diese Einwände der Stillstandsverwalter können den Wert der
Intervention nicht mindern. Der öffentliche Zorn des Weisenrats ist
der relevanteste zivilgesellschaftliche Kontrapunkt zu den
Verhältnissen im Land. Man kann den alten Unruhestiftern nur
wünschen, dass ihnen viele junge folgen. Von innen heraus ist diese
Regierung nicht mehr zu heilen. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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