Arzneimittelversandhandel nach und in Österreich: Die Liberalisierung auf Schleichwegen?

Wien (OTS) - Am 29. und 30. November 2011 veranstaltet IIR Österreich die Fachkonferenz "Arzneimittelversandhandel nach und in Österreich", auf der das in der Branche so heiß umstrittene Thema von allen Seiten und Standpunkten beleuchtet wird.

Arzneimittelversandhandel nach Österreich - ein umstrittenes Thema

Der Versand von Arzneimitteln ist in Österreich zwar strikt verboten, da er jedoch in anderen europäischen Ländern erlaubt ist, gelangen Arzneimittel sehr wohl auf dem Postweg nach Österreich. "Das Verbot des Versandhandels mit Arzneimitteln ist EU-rechtswidrig. Ich weiß, da trete ich jetzt in einen österreichischen Fettnapf", beurteilt Dr. Ruth E. Hütthaler-Brandauer, Rechtsanwältin und Referentin auf der IIR Fachkonferenz, die österreichische Rechtslage. Klaus Gritschneder, Vorstand und Generalsekretär des Europäischen Verbands der Versandapotheken ist der Meinung: "Der Versandhandel mit Arzneimitteln hat sich in den letzten 10 Jahren in Europa fest etabliert und hat eine hohe Akzeptanz bei den Kunden. Das Ende des Wachstums ist noch nicht in Sicht."

Versandapotheke "Zur Rose" kooperiert mit "dm Österreich"

Durch die Kooperation zwischen der Schweizer Versandapotheken-Marke "Zur Rose" und "dm drogeriemarkt Österreich" seit Beginn des Jahres ist der Versandhandel mit rezeptfreien Arzneimitteln in Österreich etwas greifbarer geworden, ohne tatsächlich in Österreich stattzufinden. Walter Oberhänsli, CEO der Zur Rose Gruppe, vertritt die These, dass der Versand die zeitgemäße Form für die Basisversorgung mit rezeptfreien Medikamenten ist und dass Österreicherinnen und Österreicher jedes Jahr 100 Euro sparen würden, wenn sie rezeptfreie Medikamente über Zur Rose bestellten.

Rechtliche Grauzone Österreich

Durch die unterschiedlichen Rechtslagen innerhalb eines gemeinsamen europäischen Markts entsteht in Österreich eine rechtliche Grauzone. Pharmahersteller stehen etwa vor der Herausforderung, die Qualität ihrer über den Versand gehandelten Produkte zu garantieren. Mag. Helga Tieben vom Verband der österreichischen pharmazeutischen Industrie PHARMIG ermahnt: "Die Anforderungen an Transport und Lagerung von Arzneimittel müssen für die gesamte Vertriebskette gleichermaßen sichergestellt sein. Auch beim Versandhandel ist auf die lückenlose Umsetzung und Einhaltung dieser Qualitätsstandards zu achten."

Zudem stellt sich die Frage, wie sie sich gegen Arzneimittelfälschungen, die durch den Versandhandel leichter in die legale Lieferkette einsickern, schützen können. Apotheker sehen sich durch Versandapotheken trotz Gebietsschutz zusätzlicher Konkurrenz ausgesetzt.

Verschiedene Player - unterschiedliche Blickwinkel

Die wichtigsten österreichischen Player wie Apothekerkammer, Ärztekammer, ARGE Pharmazeutika etc. werden bei der Fachkonferenz ihre Sicht der Dinge darstellen und diskutieren. "Die persönliche Beratung beim Kauf von Arzneimitteln durch die Apothekerin, den Apotheker ist unverzichtbar", meint etwa Mag.pharm. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. Auch Ing. Franz Floss vom Verein für Konsumenteninformation begegnet dem Arzneimittelversandhandel mit Skepsis: "Der Kauf von Medikamenten im Internet von unbekannten und nicht überprüfbaren Anbietern kann die Gesundheit schädigen."

Andere wiederum sehen die Chancen, die in neuen Geschäftsmodellen wie Online-Shops, Katalogverkauf und Versand stecken und bieten ihr Warensortiment auf diesem Weg an - Arzneimittel allerdings nur gegen Abholung.

Weitere Informationen unter www.iir.at/arzneimittel.html

Rückfragen & Kontakt:

Mag. (FH) Karin Grünauer, IIR Österreich GmbH, Tel.: +43 (1) 891 59-311, E-mail: karin.gruenauer@iir.at.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | IIR0001