- 06.10.2011, 13:06:00
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Missbrauch: Zahl der Meldungen stark rückläufig
Sowohl Unabhängige Opferschutzanwaltschaft als auch kirchliche Ombudsstellen verzeichnen deutlich weniger Meldung
Wien, 06.10.11 (KAP) Stark rückläufig ist die Zahl jener Personen,
die sich als Betroffene von Gewalt und sexuellem Missbrauch im
kirchlichen Bereich gemeldet haben. Das ist das Ergebnis einer
"Kathpress"-Anfrage am Mittwoch bei kirchlichen Ombudsstellen und
bei der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft. Bei der von Waltraud
Klasnic geleiteten Stelle haben sich heuer seit Juni 32 Personen
gemeldet. Im Zeitraum von April 2010 bis Mai 2011 gab es
demgegenüber noch 1.091 Kontakte. Dieser Trend wird auch von den
kirchlichen Ombudsstellen bestätigt, die seit Juni dieses Jahres
wieder Erstanlaufstelle für alle Meldungen sind.
In Wien wie auch in den anderen Diözesen sind die Meldungen deutlich
zurückgegangen, erklärte der Leiter der Wiener Ombudsstelle, Prof.
Johannes Wancata, gegenüber "Kathpress". Demnach gab es in Wien im
Vorjahr insgesamt 379 Meldungen. "Heuer haben wir bis jetzt
insgesamt 58 Meldungen mit fallender Tendenz, obwohl die
Ombudsstellen seit Juni wieder die Erstanlaufstelle sind", sagte
Wancata. So habe es im Zeitraum von Jänner bis März 35 Meldungen
gegeben, von April bis Juni 12 und von Juli bis September haben sich
11 Personen gemeldet. Ähnliche Entwicklungen gäbe es bei allen
Ombudsstellen. Das habe sich bei einem österreichweiten Treffen der
Ombudsstellen am Dienstag in St. Pölten bestätigt, so Wancata.
Der Sprecher der Unabhängigen Opferschutzkommission, Prof. Herwig
Hösele, gab an, dass sich seit April 2010 insgesamt 1.123 Personen
gemeldet haben, davon gab es 32 Meldungen seit Juni dieses Jahres.
Bei der Bearbeitung der Fälle konnte eine deutliche Beschleunigung
erreicht werden: Im Vorjahr gab es insgesamt 729
Betroffenen-Meldungen, davon konnten 97 durch
Kommissions-Entscheidungen abgeschlossen werden. Demgegenüber gab es
heuer schon 310 Entscheidungen. Somit habe die Klasnic-Kommission
bis jetzt in 407 Fällen eine Entscheidung getroffen, so Hösele.
Ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle wird
laut Hösele mit einem begleitenden Forschungsprojekt gesetzt. Unter
dem Arbeitsthema "Psychotraumatologische Fragestellungen zu
sexuellem Missbrauch und Gewalt in der katholischen Kirche" wird man
sich unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Brigitte
Lueger-Schuster (Universität Wien) mit jenen Opfern befassen, die
mit der Klasnic-Kommission Kontakt hatten und sich freiwillig und
anonymisiert dafür bereit erklärt haben.
Mehr auf www.kathpress.at (ende) pwu/hkl/
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