• 05.10.2011, 22:02:19
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Kommentar zu Berlin / Parteien / Koalition

Osnabrück (ots) - Riskanter Schwenk

In der SPD werden sie die Faust in der Tasche ballen. Ausgerechnet
der vermeintliche Parteilinke Klaus Wowereit dämpft die rot-grüne
Euphorie, die sich angesichts einer siechen schwarz-gelben
Bundesregierung breitmachte. Mögen sie es im Willy-Brandt-Haus auch
bestreiten: Die Chancen für einen Machtwechsel im Bund sind durch
Wowereits Volte gesunken.

Vielen erschien Rot-Grün zuletzt als harmonischer Gegenentwurf zu
einer tief gespaltenen bürgerlichen Koalition. Dieses Bild hat
Kratzer bekommen. Die Ereignisse von Berlin lehren, dass eine
rot-grüne Regierung nicht zwingend Garant für neue Stabilität und
Verlässlichkeit wäre. Das Fingerhakeln in der Hauptstadt ruft
vielmehr die Regierungsjahre unter Kanzler Gerhard Schröder ins
Gedächtnis, als sich die erklärten Wunschpartner erbittert um die
Rolle von Koch und Kellner stritten.

Auch für Wowereit selbst ist der Schwenk zur Union nicht ohne Risiko.
Denn die Mehrheit seiner Wähler wollte Rot-Grün. Warum das Bündnis an
drei Kilometer Stadtautobahn scheitern musste, dürfte ihnen schwer zu
vermitteln sein. Zumal ein Kompromiss in Reichweite war. Wowereit
wollte offenbar nicht, weil ihm die Mehrheit in einer Koalition mit
aufmüpfigen Grünen zu wacklig war. Nun muss er sich mit der CDU
arrangieren, die der SPD in vielen Fragen ferner steht als die
Grünen. Schluckt der Bürgermeister dabei um der Macht willen zu viele
Kröten, werden viele Berliner ihm das nachtragen.

Rückfragehinweis:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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