- 05.10.2011, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: China rettet alle Börsianer und deren Depots - von Astrid Schuch
Peking wird keine Staatsanleihen kaufen, sondern die Zinsen senken
Wien (OTS) - Die schlechte Nachricht zuerst: China wird die Welt
nicht retten.
Dazu ist die wirtschaftliche Bedeutung des "Drachen" noch immer viel
zu gering. 2010 lag Chinas BIP pro Kopf bei 6000 US-$. Die Deutschen
kommen auf 40.000 und selbst die Griechen brachten es Ende letzten
Jahres noch auf 27.000 US-$. Eine Reihe von Ökonomen setzt dennoch
unbeirrt weiter auf die Stärke des chinesischen Konsumenten.
Immerhin war China Ende 2010 bereits der siebentgrößte Exportmarkt
Deutschlands. Ende 2011, so die Ökonomen, soll China bereits auf
Platz drei aufgestiegen sein. Nun ist das Potenzial der Chinesen
unbestritten, aber ebenso unbestritten ist, dass auch China keine
Insel ist. Die Welt war schon 2008 verflochten - und ist es 2011
sicher kein bisschen weniger.
Geradezu absurd ist indes die Hoffnung, China würde mit seinem Berg
an Devisenreserven die Euro-Staatsanleihenmärkte stützen. Sie
könnten, aber wieso sollten sie? Wieso sollte Lou Jiwei, der Chef des
chinesischen Staatsfonds und damit Herr über Billionen $, freiwillig
bei einem Hellas-Schuldenschnitt von 50 Prozent mitmachen? Für ein
"Danke - gut gemacht" aus Brüssel? Wohl kaum.
Was können und wollen die Chinesen für den Westen tun? Sie können die
Geldpolitik lockern - und sie werden es auch. Auf Jahressicht.
Insofern ist gut, dass China keine Insel ist. Denn die schwächelnde
Wirtschaft des Westens wird auch dort spürbar. Sie zeigt sich bereits
bei der Industrieproduktion oder beim Exportwachstum, das in Zukunft
zurückgehen soll. Die Flaute in Europa und den USA sorgt auch für
Abwärtskorrekturen bei den Rohstoffpreisen. Früher oder später werden
diese auf die bislang stabilen Nahrungsmittelpreise, die etwa 30
Prozent des chinesischen Inflationskorbs ausmachen, durchschlagen.
Außerdem werden die Maßnahmen der Regierung spürbar.
Die mehrfache Anhebung der Leitzinsen und der
Mindestreserveanforderungen der Banken resultierte in einer
dramatischen Verlangsamung des Kredit- und Geldmengenwachstums.
Alles in allem wird sich eines der großen Probleme für Peking schon
bald fast wie von selbst lösen. Die Inflation. Dann wird die
Zentralbank die Geldpolitik in der einen oder anderen Form lockern,
und die Börsen werden beim ersten Anzeichen eine fulminante Rally
starten. Warum? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass alles, was der
chinesischen Wirtschaft gut tut, den Börsen gut tut - und umgekehrt.
18 Monate lang hat China die Geldpolitik gestrafft, jede einzelne
Aktion sorgte für Verluste an den Börsen. Weltweit. Nun steht die
Zykluswende bevor - und damit die Rally.
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