- 05.10.2011, 12:20:46
- /
- OTS0170 OTW0170
Welt Rheuma Tag 2011: Rheuma ist keine Frage des Alters
Salzburg (OTS) - Rheumatisch entzündliche Erkrankungen gehören in
Österreich zu den häufigsten Leiden. Sie haben Auswirkungen, die
neben den Betroffenen auch Familie und Arbeitsumfeld berühren.
Dennoch wissen die meisten Menschen hierzulande erschreckend wenig
über Rheuma und es gibt falsche Bilder in den Köpfen, die sich
hartnäckig halten. Um mehr Verständnis für die Lebensumstände von
RheumapatientInnen zu erreichen ist konsequente Aufklärungsarbeit
notwendig.
Unter dem Motto "Move to Improve" wird heuer der internationale
Welt Rheuma Tag am 12. Oktober begangen. Dieser Anlass wird von
Betroffenen und Medizinern genutzt, um auch hierzulande
Aufklärungsarbeit rund um das Thema zu leisten. Aufklärungsarbeit,
die laut Traude Schaffer, Präsidentin der Patientenorganisation
Österreichische Rheumaliga, dringend notwendig ist: "In Österreich
glauben immer noch viele, dass Rheuma eine Krankheit alter Menschen
ist. Tatsächlich sind Menschen jeden Alters davon betroffen, leider
auch Kleinkinder. Kaum jemand, der nicht selbst Rheumapatient oder
Angehöriger ist, versteht, mit welchen physischen Einschränkungen man
leben muss. Oft ist die Krankheit nach außen gar nicht sichtbar. Die
Schmerzen, unter denen viele Erkrankte leiden, können von der Umwelt
meist nicht nachvollzogen werden. Hier haben wir noch viel an
Informationsarbeit vor uns." Aus diesem Grund veranstaltet die
Österreichische Rheumaliga (ÖRL) zeitgleich mit dem Welt Rheuma Tag
am 12. Oktober den bereits elften Salzburger Rheumatag in Salzburg.
Im Rahmen dieses Informationstages wird es zahlreiche Vorträge und
Aktionen rund um Rheuma geben, um die öffentliche Aufmerksamkeit für
das Thema zu steigern und Betroffene und Interessierte über
rheumatische Erkrankungen aufzuklären.
Früherkennung und individuelle Therapie
Doch auch die Betroffenen selbst und auch so mancher Arzt sind
nicht immer ausreichend informiert. Diagnose und Therapie sind bei
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises hoch komplex und
erfordern eine spezialisierte Ausbildung. Früherkennung und
rechtzeitige Behandlung mit laufender Kontrolle der
Erkrankungsaktivität bzw. Überprüfung der Effektivität der gewählten
Therapie sind entscheidend für das ganze weitere Leben. Nur so kann
man beispielsweise bei Rheumatoider Arthritis irreversible Schäden an
Gelenken verhindern. Ein zerstörtes Gelenk bedeutet in der Regel eine
erhebliche Einschränkung der Funktionalität einer Gliedmaße bis hin
zum völligen Funktionsverlust. Das bedeutet für den Einzelnen oft
auch den Verlust des Arbeitsplatzes. Dr. Armin Vesenmayer, Facharzt
für Innere Medizin und Rheumatologie und ärztlicher Beirat der ÖRL
erklärt: "Die Identifikation rheumatischer Erkrankungen ist meist nur
auf der Grundlage einer Kombination von klinischen, röntgenologischen
und labormedizinischen Untersuchungen möglich. Oft sind Symptome
verschiedener Erkrankungen so ähnlich, dass eine klare Abgrenzung zu
Beginn schwierig ist. Ähnliches gilt für die Therapie: sie muss für
jeden Patienten individuell erstellt und im ständigen Dialog mit ihm
bei Bedarf auch laufend angepasst werden. Hier ist es jedenfalls
ratsam einen Rheumatologen aufzusuchen. Der Pferdefuß dabei ist, dass
wir in Österreich gerade einmal 200 Ärzte und Ärztinnen mit
rheumatologischer Zusatzausbildung haben. Ein Missstand, der dringend
korrigiert werden muss."
Erfolgreiche Therapie durch gute Kommunikation
Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient sieht auch
Gertraud Schaffer als einen entscheidenden Faktor für den
Therapieerfolg: "Als Betroffene erwarte ich zwei Dinge von meinem
Arzt: einen verständnisvollen Umgang mit meiner Situation, und ich
möchte wissen, was das Ziel einer bestimmten Therapie ist, welche
Therapieoptionen es gibt und warum der Arzt oder die Ärztin gerade
diese Behandlung für die richtige hält. Wenn diese Kommunikation gut
funktioniert, trage ich als Patientin die Therapie besser mit, ganz
einfach weil ich mich verstanden fühle und Vertrauen aufbaue. Das
klingt simpel, ist aber ganz wesentlich bei Menschen, die immer
wieder auf Unverständnis für ihre Bedürfnisse stoßen und in vielen
Fällen ständig unter Schmerzen leiden."
Schmerzlinderung mit Hilfe von Psychotherapie
Tatsächlich sind rheumatische Erkrankungen sehr häufig mit
chronischen Schmerzen verbunden, die einen Menschen mit der Zeit
mürbe machen. Die psychische Belastung durch ständige Schmerzen führt
bei vielen RheumapatientInnen zu Angst und Depression.
Hier ist es wichtig, bei Bedarf professionelle Hilfe in Form von
Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können. Mag. Franz Wendtner,
klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe und Psychotherapeut vom
Universitätsinstitut für Klinische Psychologie der Paracelsus
Medizinischen Privatuniversität und der Universitätsklinik für Innere
Medizin III im Landeskrankenhaus Salzburg sieht in diesem Fall die
Hauptaufgaben der psychotherapeutischen Begleitung in der Reduktion
der Schmerzen, der Verringerung der psychischen Belastung und der
Unterstützung beim Erhalt bzw. der Wiederherstellung der
Arbeitsfähigkeit und der Steigerung der Lebensqualität der
PatientInnen. Wendtner dazu: "Das wichtigste für einen
Schmerzpatienten ist die Linderung des Schmerzes. Dieses Ziel kann
durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit im Rahmen einer
Schmerztherapie unter Einbindung von Psychotherapie erreicht werden.
Dabei muss diese Therapie aber für den Patienten verstehbar gemacht
werden. Er muss erkennen können, dass Schmerz keine rein organische
Sache ist, sondern auch von sozialen Faktoren wie beispielsweise
familiärer Situation oder Arbeitsunfähigkeit beeinflusst wird und,
dass diese Faktoren auch relevant für die Linderung oder Bewältigung
des Schmerzes sind."
Aktive PatientInnen bleiben in Bewegung
Einigkeit herrscht bei allen Experten, dass RheumapatientInnen
selbst viel dazu beitragen können, dass sie mit guter Lebensqualität
ein erfülltes Leben - privat wie beruflich - leben können. Vesenmayer
dazu: "Eines der wichtigsten Ziele aus Sicht der Betroffenen ist,
trotz Rheuma beweglich zu bleiben. Denn bewegliche Gelenke
ermöglichen ein Leben mit hoher Qualität und bieten auch die
Möglichkeit aktiv im Berufsleben bleiben zu können." Und Wendtner,
der auch diplomierter Qigonglehrer ist, ergänzt: "Die Anwendung von
Qigong kann die Beweglichkeit fördern. Und wenn es den Patienten
ermöglicht wird, eigenverantwortlich und aktiv zum Gelingen ihrer
Schmerztherapie beizutragen, dann erhöht das nicht nur die Aussicht
auf Erfolg, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen." Diese
Hilfe zur Selbsthilfe ist seit jeher das Credo der Österreichischen
Rheumaliga und Gertraud Schaffer meint abschließend: "Wer rastet der
rostet, daher verstehen wir das Motto des Welt Rheuma Tages "Move to
Improve" durchaus als Auftrag und bieten in unseren österreichweit 16
Gruppen auch Bewegungsaktivitäten wie z.B. Rheumaunterwassergymnastik
an. Seine Beweglichkeit zu erhalten ist für fast jeden Menschen mit
Rheuma von zentraler Wichtigkeit, denn sie bedeutet ein
selbstbestimmtes Leben führen zu können."
Weitere Hintergrundtexte zum freien Download unter:
http://www.publichealth.at/p-57944.html
Pressefotos unter: http://www.publichealth.at/p-57944.html
O-Töne unter: www.o-ton.at
Rückfragehinweis:
Public Health PR
Mag. Michael Leitner, MAS
Tel.: 0699/155 244 31
Mail: [email protected]
Web: www.publichealth.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PHP






