• 04.10.2011, 19:20:43
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Schweizer Teamchef - warum eigentlich nicht?" (Von Achim Schneyder)

Ausgabe vom 05.10.2011

Graz (OTS) - Es war und ist der typisch österreichische Reflex.
Ja, gab's denn wirklich keine heimische Lösung?, hört man das
Fußballvolk schon vor dem ersten Training murren. Andi Herzog zum
Beispiel, Kurt Jara, Paul Gludovatz und wie sie alle heißen. Oder
zumindest eine österreichisch-deutsche mit Sturms Franco Foda? Muss
es wirklich einer sein, der zwei Jahre lang weg vom Geschehen, sprich
ohne Job war, und den zuletzt sogar Aachen, derzeit Tabellenletzter
in der zweiten Deutschen Liga, nicht als neuen Chefcoach wollte?

Diese Fragen sind legitim. Absolut. Genauso legitim ist es, die neuen
Strukturen zu hinterfragen, die es schon gibt beim ÖFB oder bald
geben soll. Klar ist bis dato eines: Der Teamchef und der
Sportdirektor, Willi Ruttensteiner heißt er, werden künftig sehr eng
zusammenarbeiten, quasi die Oberhoheit über den gesamten Nachwuchs
haben. Zudem wird der Sportdirektor mehr Einfluss auf das Geschehen
beim A-Team nehmen. Wenn das gut geht und nicht zu Reibereien führt,
dann soll es nur recht sein.

Und was in allererster Linie legitim ist: Marcel Koller zu holen. Der
war offenbar in der Lage, ÖFB-Präsident Leo Windtner von sich, seiner
Philosophie, seiner Art, Fußball zu denken, zu überzeugen.

Dazu kommt, dass Windtner als "Macher" gilt, als Mann der Tat, als
einer, der sich keine Meinung oktroyieren lässt, der selbst die Fäden
zieht.

Franco Foda jedoch wäre eine "Erfindung" vom Ex-Sturm-Präsidenten und
nunmehrigen Bundesligachef Hans Rinner gewesen. Kurt Jara der Favorit
von ÖFB-General Alfred Ludwig. Die Liste der Kandidaten und ihrer
"Fürsprecher" ließe sich fortsetzen.

Leo Windtner aber wollte unter allen Umständen "seinen" Mann.
Matthias Sammer hat er (leider) nicht bekommen, also galt es, rasch
einen anderen zu finden. Die Zeit war knapp.

Nun heißt der neue Teamchef des österreichischen Fußballnationalteams
also Marcel Koller. Kein absoluter No Name, immerhin zweifacher
Meister in der Schweiz und mit Köln und Bochum auch in der Deutschen
Bundesliga erprobt.

Natürlich darf man die schon eingangs erwähnte Frage stellen, ob's
einen wie den Schweizer nicht auch hier in Österreich gegeben hätte.
Natürlich darf man anmerken, dass eine internationale Lösung nur dann
schon aufs erste Hinschauen wirklich nachvollziehbar gewesen wäre,
wenn es sich, allein vom Namen her, um einen Kapazunder gehandelt
hätte. Aber der war nicht zu bekommen. Also sollte man Koller eine
faire Chance geben. Mehr als scheitern kann auch er nicht.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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