"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Schweizer Teamchef - warum eigentlich nicht?" (Von Achim Schneyder)

Ausgabe vom 05.10.2011

Graz (OTS) - Es war und ist der typisch österreichische Reflex.
Ja, gab's denn wirklich keine heimische Lösung?, hört man das Fußballvolk schon vor dem ersten Training murren. Andi Herzog zum Beispiel, Kurt Jara, Paul Gludovatz und wie sie alle heißen. Oder zumindest eine österreichisch-deutsche mit Sturms Franco Foda? Muss es wirklich einer sein, der zwei Jahre lang weg vom Geschehen, sprich ohne Job war, und den zuletzt sogar Aachen, derzeit Tabellenletzter in der zweiten Deutschen Liga, nicht als neuen Chefcoach wollte?

Diese Fragen sind legitim. Absolut. Genauso legitim ist es, die neuen Strukturen zu hinterfragen, die es schon gibt beim ÖFB oder bald geben soll. Klar ist bis dato eines: Der Teamchef und der Sportdirektor, Willi Ruttensteiner heißt er, werden künftig sehr eng zusammenarbeiten, quasi die Oberhoheit über den gesamten Nachwuchs haben. Zudem wird der Sportdirektor mehr Einfluss auf das Geschehen beim A-Team nehmen. Wenn das gut geht und nicht zu Reibereien führt, dann soll es nur recht sein.

Und was in allererster Linie legitim ist: Marcel Koller zu holen. Der war offenbar in der Lage, ÖFB-Präsident Leo Windtner von sich, seiner Philosophie, seiner Art, Fußball zu denken, zu überzeugen.

Dazu kommt, dass Windtner als "Macher" gilt, als Mann der Tat, als einer, der sich keine Meinung oktroyieren lässt, der selbst die Fäden zieht.

Franco Foda jedoch wäre eine "Erfindung" vom Ex-Sturm-Präsidenten und nunmehrigen Bundesligachef Hans Rinner gewesen. Kurt Jara der Favorit von ÖFB-General Alfred Ludwig. Die Liste der Kandidaten und ihrer "Fürsprecher" ließe sich fortsetzen.

Leo Windtner aber wollte unter allen Umständen "seinen" Mann. Matthias Sammer hat er (leider) nicht bekommen, also galt es, rasch einen anderen zu finden. Die Zeit war knapp.

Nun heißt der neue Teamchef des österreichischen Fußballnationalteams also Marcel Koller. Kein absoluter No Name, immerhin zweifacher Meister in der Schweiz und mit Köln und Bochum auch in der Deutschen Bundesliga erprobt.

Natürlich darf man die schon eingangs erwähnte Frage stellen, ob's einen wie den Schweizer nicht auch hier in Österreich gegeben hätte. Natürlich darf man anmerken, dass eine internationale Lösung nur dann schon aufs erste Hinschauen wirklich nachvollziehbar gewesen wäre, wenn es sich, allein vom Namen her, um einen Kapazunder gehandelt hätte. Aber der war nicht zu bekommen. Also sollte man Koller eine faire Chance geben. Mehr als scheitern kann auch er nicht.****

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