- 28.09.2011, 07:46:39
- /
- OTS0008 OTW0008
Gemeindebau-Benennung nach Johanna Dohnal
Namenswidmung des Penzinger Gemeindebaus Jenullgasse nach der großen österreichischen Frauenpolitikerin
Wien (OTS) - Die Benennung von Wiener Gemeindebauten ist eine
Ehrung für herausragende Persönlichkeiten, die Wien auf positive
Weise nachhaltig geprägt haben. Mit der Benennung der städtischen
Wohnhausanlage in Wien Penzing, Jenullgasse 18-26, in
"Johanna-Dohnal-Hof" ehrt die Stadt Wien die ehemalige
Frauenministerin und mutige Vorkämpferin für Frauenrechte und
Gleichberechtigung, die insbesondere für die Frauen in Österreich
Meilensteine gesetzt und wesentliche Verbesserungen erreicht hat.
Gestern, Dienstag, nahmen Vizebürgermeisterin Renate Brauner,
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Staatssekretär Andreas Schieder und
Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner die offizielle Namensgebung
vor. Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte die Frauenband
"femous orchestra - acoustic group". ****
"Ihr Name ist untrennbar verbunden mit Frauenrechten,
Selbstbestimmung, Solidarität, Frieden und Antirassismus. Sie hat
viele durch ihren Weitblick und ihre Beharrlichkeit beim Kampf für
die Gleichstellung von Mann und Frau beeindruckt, beeinflusst und
dafür motiviert", würdigte Vizebürgermeisterin Renate Brauner die
Verdienste Johanna Dohnals. "Jeder der sie kannte, weiß, dass sie die
Benennung eines Gemeindebaus in ihrem Heimatbezirk Penzing als große
Ehre empfunden hätte", unterstrich Brauner die Bedeutung der
Namensgebung.
"Johanna Dohnal ist in einem Gemeindebau aufgewachsen und hat auch
später viele Jahre in einer Gemeindewohnung gelebt. Die Benennung
einer Städtischen Wohnhausanlage nach ihr - in den rund 2.000
Gemeindebauten lebt fast ein Drittel der Wiener Bevölkerung - stellt
eine besondere Würdigung dar und ist ein sichtbares Zeichen tiefer
Wertschätzung und Anerkennung", so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.
"Den Lebensweg Johanna Dohnals kennzeichnen unzählige Verdienste.
Man denke nur an die Fristenregelung, die Familienrechtsreform oder
das Kindschaftsrecht. Dinge, die heute selbstverständlich sind, gehen
auf Dohnal zurück, etwa dass beide Partner in der Ehe dieselben
Rechte und Pflichten haben oder dass Mütter einen Passantrag für ihre
Kinder unterschreiben dürfen. Gleichzeitig mahnt das Andenken an
Johanna Dohnal auch weiterhin die Forderung nach Verbesserungen ein",
betonte Staatssekretär Andreas Schieder.
"Johanna Dohnal war und ist Vorbild für viele Frauen. Ihr Einsatz
für die Rechte der Frauen war unermüdlich und ich bin stolz, dass wir
heute die Benennung des Gemeindebaus nach ihr durchführen können",
hob Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner hervor.
Johanna Dohnal (1939-2010)
Johanna Dohnal wurde am 14. Februar 1939 als Johanna Diez in Wien
geboren. Sie wuchs bei ihrer Großmutter, einer Schneiderin, in Wien
Penzing auf, wo sie die Volks- und die Hauptschule besuchte. 1953
begann sie eine Lehre als "Industriekaufmann" in einer
Kunstharzpresserei und blieb auch nach dem Lehrabschluss noch fünf
Jahre im Betrieb.
Ihr politisches Engagement begann bereits 1957 mit ihrem Beitritt
zur SPÖ. Sie engagierte sich in der Bezirksorganisation und bei den
Kinderfreunden, indem sie Parteiveranstaltungen und Spielnachmittage
für Kinder organisierte.
1969 Jahr wurde Johanna Dohnal Bezirksrätin in Penzing, 1971
erfolgte ihre Wahl zur Vorsitzenden der Penzinger Sozialistinnen.
1972 machte sie die Politik zu ihrem Beruf und wurde Wiener
Landesfrauensekretärin der SPÖ und im selben Jahr Mitglied des
Bundesparteivorstandes. 1973 wurde Johanna Dohnal als Wiener
Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete angelobt. In dieser Funktion
setzte sie sich vor allem für die Ausweitung der Sozialdienste und
die Forcierung der Sexualaufklärung in den Schulen ein.
1978 nahm in Wien das erste Frauenhaus Österreichs den Betrieb
auf. Die Realisierung dieses Projekts, konzipiert von Vertreterinnen
der autonomen Frauenbewegung, ist der Initiative Johanna Dohnals zu
verdanken.
1979 holte sie Bruno Kreisky als Staatssekretärin für allgemeine
Frauenfragen in die Regierung. Während ihrer Zeit als
Staatssekretärin setzte Johanna Dohnal zahlreiche gesetzliche
Verbesserungen im Familienrecht, im Sexualstrafrecht und im
Sozialrecht durch und ließ ein Förderprogramm für Frauen im
Bundesdienst ausarbeiten. Außerdem engagierte sie sich in der
Friedens-, Bildungs- und Entwicklungspolitik. Am 2.
Weltfrauenkongress in Kopenhagen 1980 leitete sie die österreichische
Delegation und war Vizepräsidentin der Konferenz, die für sie auch
den Einstieg in die Entwicklungszusammenarbeit bedeutete.
1987 wurde Johanna Dohnals zur Vorsitzenden der österreichischen
Sozialistinnen, danach zur stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden
der SPÖ gewählt.
1990 wurde Johanna Dohnal als Bundesministerin für
Frauenangelegenheiten im Bundeskanzleramt angelobt. Die Vereinbarkeit
von Erwerbsarbeit und Familienarbeit und der Schutz der Frauen vor
Gewalt waren für sie weiterhin wichtige Anliegen. Anfang der
neunziger Jahre wurden in Österreich elementare Frauenrechte wie die
Beseitigung der Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern, das Recht zur
Betretungsverweigerung bei Gewalt in der Ehe und das gesetzliche
Verbot der sexuellen Belästigung auf Initiative Dohnals gesetzlich
festgeschrieben.
1992 wurde Johanna Dohnal von 500 Journalistinnen zur "Frau des
Jahres" gewählt.
1993 wurden Gleichbehandlungsgesetze für den öffentlichen Dienst
verabschiedet. Auf Initiative der Frauenministerin startete zudem
1993 die Aktion "Kriegsopfer: Vergewaltigte Frauen", an der sich auch
Familienministerin Rauch-Kallat und die Caritas beteiligten. Die
Aktion diente der medizinischen und psychologischen Unterstützung
vergewaltigter Frauen und Kinder im ehemaligen Jugoslawien und der
Errichtung von Beratungsstellen und Frauenhäusern. Im selben Jahr war
Johanna Dohnal ist Vorsitzende des Frauenrechtskomitees der
UN-Menschenrechtskonferenz in Wien.
Obwohl sie sich im Herbst 1995 von allen politischen Funktionen
zurückgezogen hatte, bezog Johanna Dohnal bis zu ihrem Tod zu
Frauenfragen, zu Fragen der Menschenrechte und sozialen Fragen
öffentlich Stellung. 1995/96 hielt sie am Institut für
Politikwissenschaft an der Universität Wien das Proseminar
"Historische und strukturelle Voraussetzungen für
institutionalisierte Frauenpolitik in Österreich" und 2007/2008
lehrte im Wintersemester als Gastprofessorin an der Universität
Innsbruck in der Fakultätsreihe "PolitikerInnen in Residence". Sie
engagierte sich bei dem vom Unabhängigen Frauenforum initiierten
"Frauen-Volksbegehren" 1997, das mehr als 645.000 Personen
unterschrieben haben.
2005 wurde Johanna Dohnal zur "Bürgerin der Stadt Wien" ernannt
und 2009 vom Bundespräsidenten mit dem Berufstitel "Professorin"
geehrt.
Im Jahr 2008 veröffentlichte sie im Studienverlag das Buch
Innenansichten österreichischer Frauenpolitiken, in dem sie über die
Entwicklung der Frauenpolitik in Österreich schreibt.
Johanna Dohnal starb kurz nach ihrem 71. Geburtstag in der Nacht
zum 20. Februar 2010. Sie wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener
Zentralfriedhof bestattet.
"Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus
ist nicht eine 'weibliche Zukunft'. Es ist eine menschliche Zukunft.
Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne
Männerbündelei und Weiblichkeitswahn."(Johanna Dohnal)
Rückfragehinweis:
Christiane Daxböck
Mediensprecher Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig
Tel.: 01 4000-81869
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK






