Allergieunkraut Ragweed breitet sich auch in Kärnten aus

Wien (OTS) - Die Allergiepflanze Ragweed (Ambrosia
artemisiifolia), auch unter den Namen Ambrosia und Traubenkraut bekannt, breitet sich in Österreich rasch aus. Auf welche Weise sie das bewerkstelligt, ist Thema eines Forschungsprojekts der Universität für Bodenkultur, an dem sich auch die AGES beteiligt. Gefördert wird das dreijährige DafFNE-Projekt, das im November 2011 seinen Abschluss finden wird, vom Lebensministerium und acht Bundesländern, darunter auch von Kärnten. In diesem Projekt werden die biologischen Grundlagen der Ausbreitung insbesondere entlang des Straßen- und Gewässernetzes erforscht sowie die Ausbreitung auf landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Flächen untersucht. Darauf aufbauend sollen konkrete Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden.

Die Ragweed-Pollen sind vier bis fünf mal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haars und führen bei empfindlichen Menschen zu heftigen allergischen Reaktionen wie Brennen, Jucken und Tränen der Augen, Reizungen der Atemwege bis hin zu teils erheblichen Atembeschwerden und allergischem Asthma. Darüber hinaus sind die Pollen hoch allergen, drei bis fünf Mal so stark wie Gräserpollen. Bereits geringe Pollenkonzentrationen von 5 bis 10 Pollen/m3 Luft reichen aus, um eine allergischen Reaktion auszulösen. Hinzu kommt, dass ein einzelnes Exemplar der Pflanze zwischen 3.000 und 60.000 Samen produzieren kann, die im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig bleiben können.

An sich konkurrenzschwach, verfügt die wärmebedürftige Pflanze über eine hervorragende Anpassungsfähigkeit: Man findet sie an Autobahnbaustellen, entlang von Mittel- und Randstreifen von Autobahnen, Straßen- und Wegrändern, Böschungen, Schienenbegleitstreifen, Uferbegleitflächen, auf deponierter Abhuberde, neben Baustellen, noch nicht oder nicht ausreichend bepflanzten Neubauobjekten, Waldlichtungen sowie in Landwirtschaftsflächen (Sonnenblume, Soja, Kürbis, Mais, Stoppelfelder). Sie kommt auch in Gärten und Parks vor, in denen häufig Streufutter für Vögel verwendet wird sowie auf Bracheflächen, Schutthalden, Kompostplätzen, Rübenplätzen, Wohngebieten mit Vogelhäuschen (Vogelfutter). Effizient verbreitet wird die Unkrautart beispielsweise durch das Profil von Fahrzeugreifen, durch Erntemaschinen sowie Mähgeräte.

Situation in Kärnten

Bis auf wenige Ausnahmen kommt Ragweed in Kärnten nicht flächendeckend vor. Der Schwerpunkte der Verbreitung liegt südöstlich von Villach im Bereich der Autobahn A11 zwischen St. Niklas und dem Karawankentunnel. Weiters werden auch Teile des Autobahn-Abschnittes der A2 östlich von Klagenfurt bis Wolfsberg von Ragweed-Pflanzen besiedelt.

Die großen Bestände entlang der A11 sind von der Pollenproduktion her sehr bedeutend. Der erhöhte Ragweed-Pollenflug im Raum Villach hat hier seinen Ursprung. Gemeinsam mit der Autobahnverwaltung wird versucht, dieses Vorkommen durch angepasste Mähtermine unter Kontrolle zu halten. Ob diese Maßnahmen Erfolg bringen werden, können erst die Beobachtungen der kommenden Jahre zeigen.

Weitere stabile Populationen entwickeln sich entlang einiger Bundesstraßen im Klagenfurter Becken (z. B. Köttmannsdorfer Landesstraße bei Rotschitzen). In den Jahren 2010 und 2011 konnten im Bereich von landwirtschaftlichen Kulturflächen zwei besonders große Bestände mit tausenden von Ragweed-Exemplaren gefunden werden, eines davon lag östlich von Klagenfurt auf einer aufgeschütteten Brachfläche, das andere in der Nähe von Velden. Beide Bestände wurden bereits vor der Blüte abgeschlägelt.

In Kärnten wird der Ragweed-Pollenflug an den Standorten Klagenfurt und Villach gemessen. Die Pollenfalle Klagenfurt ist seit dem Jahr 1980 in Betrieb - in Villach wird seit dem Jahr 2008 der spätsommerliche Pollenflug gemessen. Belastungswerte mit über 30 Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft treten im Klagenfurt nur bei entsprechenden Windströmungen auf. So konnte durch Berechnung einer Rückwärtstrajektorie der Luftbewegung für den 20. August 2009 eindeutig nachgewiesen werden, dass der erhöhte Ragweed-Pollenflug an diesem Tag aus dem Raum Slowenien nach Kärnten eingeweht wurde.

Steckbrief Ambrosia:

Das Ragweed (Familie: Asteraceae, Korbblütler) ist eine einjährige, krautige Pflanze und wird üblicherweise zwischen 10 und 80 cm hoch, unter günstigen Bedingungen auch mannshoch. Sie hat eine Pfahlwurzel und einen aufrechten, rot angelaufenen Stängel, der besonders im oberen Teil behaart ist. Die Pflanze ist von der Basis stark verzweigt und buschartig. Die Blätter sind im Umriss dreieckig bis oval, kurz behaart, beidseitig grün, ein- bis zweifach fiederteilig mit grob gezähnten Abschnitten. Die Art ist einhäusig (weibliche und männliche Blüten sind in getrennten Blütenständen, aber auf der gleichen Pflanze). Die Pflanze bildet einen traubenförmigen Blütenstand (bis zu 15 cm), an dem oben die männlichen gelb-grünen Blütenköpfe angeordnet sind. Die grünlichen weiblichen Blüten sind unterhalb der männlichen Blüte zu finden. Die Pflanze ist windblütig, dadurch lässt sich die enorme Pollenproduktion erklären. Die nur millimetergroßen Samen sind mit 5 bis 7 Dornen besetzt.

Nähere Informationen:

www.ages.at (Suchbegriff: Topthema Ragweed) www.pollenwarndienst.ktn.gv.at
http://ragweed.boku.ac.at

Rückfragen & Kontakt:

AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH
Unternehmenskommunikation
Tel.: 050 555-25000
presse@ages.at
http://www.ages.at

Pollenwarndienst Kärnten
Tel.: 050 536-15052
abt5.umweltmedizin@ktn.gv.at
hzwander@aon.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GEL0001