- 19.09.2011, 16:07:51
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"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Seid ihr noch bei Trost?"
Nonsensparteien auf Erfolgskurs: ein ernst zu nehmendes Alarmsignal.
Wien (OTS) - Mit wie viel Prozent würden die "Piraten" in den
Wiener Landtag einziehen? Oder hätten die "Morgenmuffel" (die einst
bei einer ÖH-Wahl antraten) in Österreich noch größere Chancen? Dass
die "Piraten", die ihren Spitzenkandidaten per Los bestimmten und
eigentlich kein Parteiprogramm haben, in Berlin knapp neun Prozent
schafften, ist ein Alarmsignal für alle entwickelten Demokratien. In
Reykjavik gewann übrigens 2010 der Komiker Jon Gnarr die
Bürgermeisterwahl, der für "offene statt versteckte Korruption"
eintrat. Österreich wäre für ihn sicher ein besonders gutes Pflaster.
Im Ernst: Bisher musste man sich Sorgen um den Zulauf für
populistische Heilsversprecher machen. Nun ist die
Politikverdrossenheit der Wähler bereits so groß, dass sie ihre
Stimme aus Protest oder aus Spaß Nonsensparteien geben. Drei
Konsequenzen sind daraus zu ziehen: Das politische Establishment muss
seine Strategie ändern: Auch wenn der eintrainierte Polit-Sprech
weniger Stolperfallen bietet, finden ihn die Menschen unerträglich.
Medien müssen aufhören, Sportler und Künstler
hinaufzujubeln, Politiker aber stets pauschal hinunterzuschreiben und
sich dann über Politikverdrossenheit zu wundern. Und leider muss man
auch die Wähler fragen: Seid ihr eigentlich noch ganz bei Trost?
Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601
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