• 16.09.2011, 19:53:21
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vertagen und Versagen bei der Euro-Rettung" (von Manfred Neuper)

Ausgabe vom 17.09.2011

Graz (OTS) - Die endgültige Entscheidung über die nächste
Milliarden-Hilfstranche für Griechenland - später. Die Entscheidung
über das zweite Hilfspaket und den permanenten Euro-Rettungsschirm -
später. Die Entscheidung über den finnischen Wunsch nach einem Pfand
für die Griechenland-Hilfe - später. Was war das nicht wieder für ein
erhellendes Euro-Finanzministertreffen.

Wenn man sich die Statements der Beteiligten so anhört, könnte man ob
ihrer wiederkehrenden Beliebigkeit meinen, es ginge darum, neue
Designs für die Euro-Banknoten zu finden. Dabei geht es um nicht
weniger als die Zukunft derselben.

War das Treffen in Breslau jetzt eigentlich ein Krisengipfel? Ein
Sondergipfel? Ein Krisensondergipfel? Oder doch ein
Sonderkrisengipfel? Nein. Ein informelles Euro-Finanzministertreffen.
Worte, so wissen wir, wollen vorsichtig gewählt sein. Wer das
Unaussprechliche, wie etwa Schuldennachlass oder gar Bankrott in den
Mund nimmt, wird getadelt.

Weil: "Was wir nicht brauchen können, ist weitere Unruhe auf den
Finanzmärkten", wie Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zuletzt als
Reaktion auf die Insolvenz-Überlegungen ihres Regierungspartners
Philipp Rösler messerscharf analysierte. Das brauch' ma wirklich net.
Verunsicherte Finanzmärkte, eine schlimme Vorstellung. War es also
ein Schönsprech-Gipfel? Ernsthaft und doch ein bisserl beruhigend
soll's klingen. Bestimmt aber nicht zu bestimmend. Das fürchterliche
Wort der "Alternativenlosigkeit", das die Debatte seit Monaten lähmt,
ist noch immer allgegenwärtig.

Mittlerweile klingt das so: "Sollte eine Situation eintreten, dass
dieser Weg plötzlich teurer wird als Alternativen, müssen wir über
die Alternativen nachdenken", sagt Österreichs Finanzministerin Maria
Fekter.

Klar ist, dass die Rettung Griechenlands, die Rettung des Euro keine
leichte Fingerübung ist. Es gibt keine einfachen Antworten. Und
hetzerische Griechen-raus-Parolen lösen das Problem ebenso wenig.
Aber an einem leidet die mutmaßliche Strategie vulgo
Milliarden-Flickwerk der Eurozonen-Lenker seit der Eskalation der
Schuldenkrise: An einem verordneten Denkverbot und einer Tabuisierung
von möglichen Alternativen. Doch das mit dem großen Pssst
funktioniert nicht.

Als hätten wir noch einen Beweis dafür gebraucht, wie ernst die Lage
wirklich ist, hat die Ideenlosigkeit der europäischen Politik nun
sogar dazu geführt, dass sich die USA aufgerufen fühlen, Europa Tipps
im Kampf gegen die Schuldenkrise zu geben. Was für ein Vorbild! Das
klingt nach einem Raucherentwöhnungsseminar beim Marlboro-Man.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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